12000 Besucher beim Stehenden Festzug der Bohnenbiedel

Damals: Anke Geißler zeigt Ruth Hütteroth, wie man Wolle spinnt.

Kaufungen. Schätzungsweise 12 000 Besucher aus der Region erlebten an zwei Tagen beim „stehenden Festzug“ in Niederkaufungen Jahrmarktatmosphäre und das historische Flair der Bohnenbiedel.

Fotos der Veranstaltung

1000-Jahr-Feier: Stehender Festzug in Niederkaufungen lockt Tausende

So wurden die fleißigen Bauern damals genannt, die ihre Bohnen in Beuteln nach Kassel zum Verkauf brachten.

In Kaufungen gab es Gauklerpossen vor der Fachwerkkulisse, mittelalterliche Melodien, ein handbetriebenes Riesenrad, Seifensieder und Korndrescher in Aktion, zur Stärkung zwischendurch Met aus dem Trinkhorn und „Bratriemen“ (Bratwurst).

Die Altvorderen hatten es nicht immer leicht. Das konnten die Besucher an vielen der 86 Stände beobachten, die von einigen Hundert Helfern der Gemeindeverwaltung, der Vereine und von Geschäftsleuten aufgebaut worden waren.

Bernd Reiter fasst probeweise in das Kohlebecken, aus dem nur dünne Rauchfäden aufsteigen. „So eine Feldschmiede hatten schon die alten Römer. Ganz schön schwer, den Koks zum Glühen zu bringen“, sagt der Schmied aus Lohfelden. Der Rohölzünderclub Kaufungen zeigte, wie der Traktor vor etwa 90 Jahren die Arbeit der Landwirte erleichterte. Sie droschen mit einer von einem Lanz-Traktor angetriebenen Dreschmaschine von 1923 Getreide.

Insgesamt sorgte das Nebeneinander von historischen und neuzeitlichen Stationen dafür, dass die Besucher auf eine Zeitreise durchs dörfliche Leben gehen konnten. Der Spaß kam dabei nicht zu kurz. Winfried Wroz vom Verein für Hessische Geschichte hielt Gericht über den Gastwirt Cono Morena. Die Anklage lautete, der habe den guten Wein aus Kaufungens Partnergemeinde Bertinoro gepanscht. Zur Strafe musste Moreno unter dem Gelächter der Zuschauer kostenlos Wein ausschenken.

Wie vor 90 Jahren: Mitglieder des Rohölzünderclubs Kaufungen zeigten, wie damals in Niederkaufungen das Korn gedroschen wurde. Die Maschine stammt aus 1923, genauso der Traktor vom Typ Lanz „Mops“, der sie über einen Riemen antreibt.

Was das Wetter angeht, hatten die Kaufunger das Glück der Tüchtigen. Das Unwetter, das über die Region zog, kam auf der Festmeile erst an, als die Buden und Stände schon geschlossen hatten. Unter dem Regen litt allerdings das Abendprogramm. Die Band „Furunkulus“ musste von der großen Bühne ins Zelt am Schützenhaus ausweichen und ihr Programm abkürzen. Dafür spielte sie dann am Sonntagnachmittag, als sich die Besucher auf der Festmeile dicht drängten, noch einmal mit mittelalterlichen Klängen auf. Auch der Empfang Kaufungens für die Partnergemeinden, der für Samstagabend vorgesehen war, und die Königsproklamation des Schützenvereins mussten auf Sonntag verschoben werden.

Bürgermeister Arnim Roß zog eine positive Bilanz. Es habe keine Pannen gegeben, die Resonanz der Besucher sei durchweg positiv gewesen.

Von Peter Dilling

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