Landkreis entwickelt neue Strategien zu demografischem Wandel – Servicezentrum gegründet

Ein Ziel: Alte Kreisstädte stärken

Kreis Kassel. Der demografische Wandel im Landkreis Kassel mit einem von der Bertelsmann-Stiftung bis 2030 prognostizierten Schwund von 25 000 Einwohnern ist eines der zentralen Themen für die Politik. „Das ist für uns von eminent wichtiger Bedeutung“, betonte gestern Landrat Uwe Schmidt (SPD) vor Beginn des Demografie-Kongresses im Kreishaus.

Der diskutierte Strategien, wie dem demografischen Wandel effektiv begegnet werden kann. Denn schon 2010 lag der Anteil der Gruppe der über 65-Jährigen bei 22,9 Prozent, 2020 wird er nach den Voraussagen bei 27,2 und 2030 bei 32,7 Prozent liegen.

Das Problem laut Schmidt liegt darin, dass die Struktur des Landkreises sehr unterschiedlich ist. Fest steht: „Im unmittelbaren Ring um Kassel herum spielt die Musik.“ Deswegen ist dem Landrat daran gelegen, gerade die etwas weiter entfernt liegenden alten Kreisstädte Hofgeismar und Wolfhagen durch die Übertragung von Aufgaben der kleineren Orte zu stärken. „Diese müssen wir weiter ausbauen.“ Dabei setzt er auch auf Kooperationen zwischen einzelnen Kommunen. So könne der Bauhofleiter in der einen, der Hauptamtsleiter in der anderen Kommune für beide die Aufgaben wahrnehmen, um Geld und Arbeitskraft zu sparen.

Schmidt ist aber auch klar, dass Orte, die an der Peripherie abseits der Verkehrsadern wie der B  7 und B  83 liegen, weniger gute Überlebenschancen haben als zentral gelegenere: „Es wird auch bei uns - wie zum Beispiel schon in Sachsen-Anhalt - in 30 Jahren möglicherweise Wüstungen geben, wo in Orten mit noch zehn Einwohnern Katzen durch offene Türen streunen.“

Deshalb liegt ein Schwerpunkt bei der Bewältigung des demografischen Wandels im ländlichen Bereich auch darin, die „Kleinen“ nicht schon abzuschreiben, sondern so lange wie möglich zu stärken.

Zu diesem Zweck wurde unter der Leitung von Peter Nissen das „Servicezentrum Regionalentwicklung im Landkreis Kassel“ geschaffen, das am 1. Juli seine Arbeit aufgenommen hat. Zu den Eckpunkten, um diese Orte für Interessenten attraktiver zu gestalten, gehören unter anderem: •  Eine Art Flurbereinigung bei den Immobilien. Leer stehende Fachwerkhäuser, die keiner mehr will, sollen abgerissen, neue Gebäude im Ortskern gebaut werden. Beispiel: die neue Mitte von Nieste. •  Eine Immobilienbörse mit Datenbank für Interessenten soll eingerichtet und das Dorfentwicklungsprogramm vorangetrieben werden. Beispiel: Das Konzept für Trendelburg mit acht Ortsteilen steht. • Für Existenzgründungen und Projekte zur Grundversorgung sollen bei der EU in den nächsten sieben Jahren 120 Projekte angemeldet werden. • Flächendeckende Einführung des schnellen Internets - 74 Orte haben es laut Nissen schon. • Projektberatung hinsichtlich Mitfinanzierung durch Firmen, Stiftungen, Privatpersonen und öffentliche Hand.

Dazu zählen nach Auskunft des Landrates auch weiterhin konstant fließende Fördermittel von Bund und Land. Denn ohne die, betont Schmidt, „sind wir verraten und verkauft“. KOMMENTAR, HINTERGRUND, STICHWORT

Von Stefan Wewetzer

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