CDU-Mann Engin Caliskan (30) aus Niestetal kandidiert für Kreistag – Integration für ihn kein Problem

Ziel: Erster mit türkischen Wurzeln

Wenn er es schafft, soll es eine große Feier geben: Engin Caliskan will sich in den Kreistag wählen lassen. Foto: Habich

Niestetal. Wenn er es schafft, dann wird er richtig stolz sein, sagt Engin Caliskan. Er tritt bei der Kreistagswahl am 27. März im Landkreis Kassel als Kandidat für die CDU an. Das Besondere daran, wenn er gewählt wird: „Ich wäre im Kreistag der Erste mit türkischem Migrationshintergrund“, sagt Engin Caliskan.

Der 30-Jährige wurde erst vor einem knappen Jahr deutscher Staatsbürger, ist aber in Kassel geboren und in Niedersachsen aufgewachsen. Mit dem deutschen Pass ließ er sich gleich für die Wahl aufstellen, CDU-Mitglied war er bereits.

Er bekam den Listenplatz 27. Derzeit hat die CDU 25 Abgeordneten-Plätze im Kreistag. Doch rechnet sich Caliskan durch das System des Panaschierens und Kumulierens (Anhäufen von Stimmen) gute Chancen aus, in die Kreisvertretung gewählt zu werden.

Als Erster im Kreistag mit türkischer Herkunft will er Vorbild sein: „Ich hoffe, dass in Zukunft mehr Menschen mit Migrationshintergrund in die Politik gehen“, sagt der CDU-Mann. Im Alltag repariert Caliskan als Monteur Druckluftkompressoren. „Manchmal sitze ich im Anzug zwischen den Parteikollegen und sehe, dass meine Finger noch schmutzig vom Öl sind“, sagt er und zeigt seine Hände. Er sei der Einzige im Ortsverband, der im Blaumann arbeite. „Wenn ich es in den Kreistag schaffe, als Hauptschüler und als Migrant, dann ist das zweimal etwas Besonderes.“

Über den EU-Beitritt der Türkei und die doppelte Staatsbürgerschaft denkt er anders als die CDU. Trotzdem findet er: „Diese Partei hat in der Ausländerpolitik wenigstens eine klare Linie. Das kann man von anderen nicht behaupten.“

Werte sind wichtig

Caliskans politisches Vorbild ist Helmut Kohl: „16 Jahre regieren, das ist doch was.“ Er mag auch bayrische Politiker wie Edmund Stoiber oder Günther Beckstein. Ihm gefällt ihr „gradliniges Auftreten“, manchmal „unabhängig vom Inhalt“. Auch er sei nicht immer diplomatisch, sagt er.

Grundsätzlich stehe die CDU für Dinge, die ihm wichtig sind: konservative Werte, Familie, Religion. Dass er Moslem ist, spielt dabei keine Rolle: „Die großen Religionen, das ist für mich alles eins.“

Caliskan bezeichnet sich selber als konservativ. Mit 19 hat er geheiratet, in der Türkei. Seine Frau Canan und er kannten sich schon als Kinder. Die Familie wohnt in einer Haushälfte in Niestetal im gleichen Haus mit seinen Eltern. Kopftuch tragen weder seine Mutter noch seine Frau, er findet aber, das solle jeder Frau selbst überlassen werden. „Eine typische türkische Familie sind wir nicht“, sagt Caliskan. Trotzdem gibt es Unterschiede zu deutschen Familien: „Zu Hause sprechen wir türkisch, schauen türkisches Fernsehen. Feste feiern wir groß, mit der ganzen Familie. Einmal im Jahr fasten meine Frau und ich.“ Probleme mit der Integration habe er nie gehabt, sagt Caliskan. Neben seinem Beruf und der Politik ist er noch bei der freiwilligen Feuerwehr aktiv. Er müsse immer zu tun haben, sitze nie still. „Vielleicht hat es mit meinem Namen zu tun. Caliskan heißt übersetzt ins Deutsche: fleißig.“

Von Irene Habich

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