Behindertenbeirat wirbt für ein Mehrgenerationenhaus – Projekt nahe der Innenstadt denkbar

Ziel: Gemeinsam statt einsam

Vision soll Gestalt annehmen: Hede Matthias wirbt für den Bau eines Mehrgenerationenhauses. Es soll behindertengerecht errichtet werden. Für das Projekt werden noch Interessenten gesucht, die ihre Vorstellungen in konkrete Pläne umsetzen. Foto: Dilling

Baunatal. Früher war die Welt zwischen den Generationen häufig noch in Ordnung. Großeltern, Eltern und Enkel lebten da unter einem Dach. Die Jüngeren sprangen ein, wenn es Oma und Opa mal schlecht ging. Diese kümmerten sich dafür um die Enkel, wenn Papa und Mama arbeiten mussten. Solche Lebensgemeinschaften sind in Zeiten der Globalisierung eher zur Ausnahme geworden. Eltern und Großeltern wohnen häufig weit entfernt voneinander.

Der Behindertenbeirat will diese Lebensform - unabhängig von verwandtschaftlichen Bindungen - wieder aktivieren: Er wirbt für ein Mehrgenerationenhaus auf dem ehemaligen Pavillon-Gelände der Theodor-Heuss-Schule, das die Stadt Baunatal voraussichtlich bis zum Herbst 2012 erschlossen haben wird.

Für Alleinerziehende

„Wenn die Generationen eng beieinander wohnen, fällt Nachbarschaftshilfe leichter“, sagt Hede Matthias, stellvertretende Vorsitzende des Behindertenbeirats. Das sei beispielsweise für Alleinerziehende interessant, denen weder Oma noch Opa zur Seite stehen, meint sie. Auch alte und behinderte Menschen profitierten von dieser Wohnform. „Das größte Problem im Alter ist die Einsamkeit“, meint Matthias. Senioren böte sich die Chance, mit der Hilfe ihrer Nachbarn länger in ihrer Wohnung bleiben zu können und den Wechsel ins Altenheim aufzuschieben. Wie die Älteren hätten auch körperlich gehandicapte Baunataler große Probleme, in der Stadt eine barrierefreie Wohnung zu finden. Das Mehrgenerationenhaus könne diesen Mangel lindern.

Die Idee ist laut Matthias in einer Arbeitsgruppe der Zukunftswerkstatt „Baunatal 2030“ entstanden. Bei der Baumesse im Herbst habe sie das Projekt vorgestellt. Da hätten sich bereits 22 Interessenten in eine Liste eingetragen. Ein Infoabend des Seniorenbeirats zu diesem Thema sei Ende Oktober auf große Resonanz gestoßen. Das Problem: Bisher haben zumeist nur ältere und behinderten Menschen ihr Interesse angemeldet. Deshalb umwirbt Matthias jetzt gezielt die jüngere Generation. Die Leitstelle Älter werden der Stadt Baunatal gibt Unterstützung, indem sie Info-Faltblätter unter anderem an Kitas und Schulen versendet.

Die Stadt Baunatal werde selbst kein Mehrgenerationenhaus bauen, stellt Pressesprecher Roger Lutzi klar. Wenn sich eine ausreichende Nachfrage abzeichne, werde die Stadt aber gern eine Vermittlerrolle übernehmen und bei der Suche nach einem Investor helfen.

Kontakt: Hede Matthias, Tel. 056 01/58 88.

HINTERGRUND

Von Peter Dilling

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.