Reform im Fuldataler Rathaus: Arbeit neu organisiert – 60 Container Akten entsorgt

Ziel: moderne Verwaltung

Veränderungen: In Zukunft soll ein Farbleitsystem Besucher zielgerichtet zur gewünschten Stelle führen. Archivfoto: Schräer

Fuldatal. Karsten Schreiber (CDU) hatte im Wahlkampf eine moderne und zeitgemäße Verwaltung versprochen. Und bereits im Januar, kurz nach seinem Dienstantritt als Bürgermeister von Fuldatal, hatte er seine Ideen den Mitarbeitern vorgestellt. Inzwischen steckt die Verwaltung in einem Reformprozess, der in weiten Teilen bereits abgeschlossen ist.

Die Arbeit soll transparenter und effizienter werden, mit positiven Effekten für die Einwohner und die Kommune. Letztere will dadurch Kosten sparen, die Menschen in Fuldatal sollen leichter kompetente Ansprechpartner finden und ihre Anliegen sollen schneller bearbeitet werden.

Weg von klassischen Ämtern hin zu Fachbereichen, „andere Kommunen sind da längst weiter“, sagt Schreiber. Die Zuständigkeiten sind neu zusammengestellt, die Hierarchien flacher, die Arbeitswege dadurch kürzer.

Es bleibe bei 90 Planstellen, sagt Schreiber. Allerdings wurden einige Posten neu besetzt, bekommen Mitarbeiter auch andere Aufgaben. Und „nahezu jeder wechselt sein Büro“. Dies habe „den schönen Effekt, dass das Rathaus einmal komplett aufgeräumt wird“. Allein 60 Container voller alter Akten wurden entsorgt, Archive neu geordnet.

Zur Orientierung einmal der Besucher im Rathaus über ein Leitsystem (es kommt im Zuge der laufenden Rathaussanierung), aber auch der Mitarbeiter werden den fünf Fachbereichen Farben zugeordnet. Farbenlehre sei auch Psychologie, meint Schreiber, folgerichtig bekam der Bereich Finanzen der hoch verschuldeten Gemeinde ein kräftiges Rot verpasst. Verwaltung ist - ja grau, Hochbau gelb.

Der Bereich Tiefbau bekam Blau, weil dort auch Kanal, Wasser, Kläranlagen und Waldschwimmbad angesiedelt sind. Dies mache Sinn, weil die eingesetzte Technik (zum Beispiel Pumpen) und Ausstattung (Nehmen und Analysieren von Wasserproben) ähnlich sei. Dies ermögliche Synergien.

Der Fachbereich Ordnung übrigens ist grün. Denn zu ihm gehört jetzt auch der Bauhof. „Wir bauen dort nicht mehr, sondern pflegen und halten instand“, zum Beispiel die Friedhöfe und Grünflächen, sagt der Bürgermeister.

Mit den Fachbereichen wird es ein neues Führungsteam geben, zu dem ein Architekt (Bereich Hochbau) und ein Tiefbau-Ingenieur (Bereich Tiefbau) gehören. Letzterer fängt laut Schreiber zum Januar an und ist die einzige Neueinstellung, nachdem ein Techniker gekündigt hatte. Mehr Gewicht habe der Kämmerer, er stehe als Chef der Finanzen auf einer Stufe mit den anderen Fachbereichsleitern.

Eine moderne Verwaltung brauche moderne Hilfsmittel. Neue Computersysteme werden angeschafft, Mitarbeiter geschult zum Beispiel in einem grafischen Informationssystem. Für einen besseren Überblick, zum Beispiel über Straßenzustände oder die 3500 Bäume der Gemeinde.

Hintergrund

VieleTeilzeitkräfte, hoher Krankenstand

Der Stellenplan der Gemeinde Fuldatal weist 90 Beschäftigte aus. Tatsächlich arbeiteten aber 168 Menschen für die Kommune, sagt Bürgermeister Karsten Schreiber. Dies liegt einmal daran, das sich Teilzeitkräfte volle Stellen teilen. Dann gibt es acht Auszubildende, Saisonkräfte und Bürgerarbeiter, Mini-Jobber und Personen mit Zeitverträgen, Letztere vielfach Erzieherinnen in den Kitas.

Mit extremen Auswirkungen, wie bei einer Analyse der Personalsituation festgestellt wurde. So wurden Verträge von Erzieherinnen nur von Monat zu Monat verlängert je nach Betreuungsbedarf. Diese laut Bürgermeister unsichere Situation zusammen mit höherem Arbeitsstress durch die Betreuung immer mehr unter Dreijähriger habe zu einem hohen Krankenstand geführt mit bis zu zehn Prozent der Arbeitstage.

Generell war der Krankenstand in der Fuldataler Verwaltung die letzten Jahre hoch. Er lag 2010 bei 5,2 Prozent und stieg 2012 auf 6,3 Prozent (Bundesdurchschnitt 3,5 Prozent) oder 2507 Tage. Diese Fehltage machten umgerechnet elf Stellen aus.

Es bestand Handlungsbedarf. Der Bürgermeister sprach mit den Mitarbeitern, schuf in Abstimmung mehr feste Erzieherinnenstellen und vereinbarte für die anderen Jahresbeträge mit festen Stundenkontingenten. Mit Erfolg: „Die Situation bessert sich“, sagt Schreiber. (mic)

Von Michael Schräer

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