Blasrohrschießen der Baunataler Diakonie

Zielen mit Blasrohr und Pfeil

Mit Begeisterung dabei: Ronny Blume (rechts) zeigt Francesco Santalucia Tricks, wie es mit dem Blasrohrschießen noch besser klappt. Fotos: Kothe

Baunatal. "Es macht mir richtig Spaß“, sagt Francesco Santalucia über das Blasrohrschießen. Der 51-Jährige arbeitet in der Baunataler Diakonie Kassel (BDKS). Konzentriert nimmt er das  Rohr in die Hand, legt einen kleinen Pfeil ein, holt tief Luft, setzt es an den Mund und bläst, was das Zeug hält.

In null Komma nichts überwindet der Pfeil eine Distanz von fünf Metern und trifft mit einem leisen Plopp auf die Zielscheibe. Blasrohrschießen ist ein Sport für jedermann. Allerdings kennt man ihn kaum. „Das muss sich ändern“, dachte sich Ronny Blume aus Kassel. Er bietet seit November 2012 in der BDKS das Training an. Es ist Bestandteil der Arbeitsbegleitenden Angebote im Bereich Sport der Baunataler Werkstätten. Mit einem einfachen Trick können auch Menschen mit Behinderung teilhaben. „Mit einem Stativ als Hilfsmittel kann man es im Sitzen oder Stehen ausüben“, sagt Blume.

 Der 32-Jährige ist von Geburt an körperlich stark behindert und braucht seit dem achten Lebensjahr einen Rollstuhl - „für längere Strecken, sonst nehme ich Krücken“. Seine linke Hüfte ist nicht richtig ausgebildet (Hüftdysplasie), die Wirbelsäule verformt (Skoliose). Vier Gruppen betreut Blume jede Woche ehrenamtlich. Der Ansturm auf das Training in der Sporthalle der Baunataler Werkstätten ist groß: Rund 30 Sportler sind dabei. Zu ihnen gehört auch Mauro Fest. Der 24-Jährige sitzt im Elektrorollstuhl und findet die Idee gut: „Es ist nicht schwer. Einen anderen Sport kann ich auch gar nicht machen.“ Doch etwas Übung braucht es schon. „Deshalb haben wir auch einfach begonnen: mit drei Metern Distanz“, erzählt Blume. „Es hat gedauert, bis es klappt“, sagt Santalucia. Beim ersten BDKS-Blasrohrturnier im November belegte er den vierten Platz - darauf ist er stolz. Doch es geht hier nicht um Leistung, „sondern um Spaß“, unterstreicht Blume.

Voller Energie leitet er das Training, erklärt, wie die Technik funktioniert, hilft denen, die es nicht allein schaffen: „Mich begeistert, dass Menschen mit Behinderungen gemeinsam einen Sport ausüben können.“ Seine Begeisterung ist ansteckend: „Viele blühen auf. Vor allem Rollstuhlfahrer, die nichts anderes machen können. Sie können das Training kaum erwarten und hängen schon vor Beginn förmlich an meinem Rad.“ Für das Ehrenamt stellt Ronny Blume all seine Zeit zur Verfügung. Er ist nicht nur bei der BDKS aktiv, sondern auch als Sportwart und Übungsleiter für Blasrohrschießen, Kegeln, Schwimmen und Rückengymnastik bei der Behinderten-Sportgemeinschaft Kassel.

 Seit zwei Monaten fungiert er zudem als Leiter des Veranstaltungsausschusses der Hessischen Behinderten. Am 5. Dezember wurde er dafür geehrt: Staatssekretärin Petra Müller-Klepper vom Hessischen Sozialministerium verlieh ihm in Wiesbaden die Landesauszeichnung „Soziales Bürgerengagement“. „Ich bin überrascht. Für mich ist es selbstverständlich, Menschen zu helfen, die noch mehr beeinträchtigt sind als ich“, sagt Blume.

Von Helga Kristina Kothe

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