Modellprojekt: Problemfälle bei Hartz IV sollen speziell betreut werden

Zurück ins Berufsleben

Mit Freude dabei: Horst Restetzki aus Fuldatal (von links), Irina Karachynska aus Vellmar und Annette Wriedt aus Immenhausen sind seit August als Mentoren für Hartz-IV-Empfänger tätig. Fotos: Wienecke

Kreis Kassel. „Wir betreuen Menschen mit besonderem Unterstützungsbedarf“, sagt Jürgen Schneider vom Jobcenter des Landkreises Kassel. Es betreut 12 000 Bürger, die Arbeitslosengeld II (Unterstützung nach Hartz IV) beziehen.

60 Prozent der Hartz-IV-Empfänger brechen laut Schneider die Schulungsmaßnahmen ab und nehmen ihre Termine nicht regelmäßig wahr.

Deshalb wurde vom Jobcenter zusammen mit dem Bildungszentrum Grone in Kassel, einem Bildungs- und Personaldienstleister, die Idee entwickelt, diesem Trend mit dem Modellprojekt „Ganzheitliches Mentoring“ gegenzusteuern. Ihr Kern: Hartz IV-Empfänger, die ihre Situation gemeistert haben, sollen den Problemfällen mit ihren Erfahrungen zur Seite stehen. Zum Beispiel bei der Überwindung der Schwellenängste bei der Abwicklung von Bankgeschäften - Stichwort Kontoeröffnung.

„Denn bei ihnen ergeben sich schwerwiegende Vermittlungshemmnisse. Gesundheitliche und soziale Probleme erschweren eine Rückkehr in den Arbeitsmarkt“, berichtet Jürgen Schneider. Sogar der Gang zum Jobcenter werde oftmals zu einem Problem, dadurch drohe oft auch die Kürzung von Leistungen.

Das Projekt „Ganzheitliches Mentoring“, für das Fördergelder des Europäischen Sozialfonds und des Landes Hessen eingeworben werden konnten, startete im August. Es läuft zweieinhalb Jahre. In dieser Zeit sollen 165 Empfänger von Hartz-IV-Leistungen im Alter von 21 bis 49 Jahren auf freiwilliger Basis zu einer stärkeren Teilhabe am sozialen und beruflichen Alltag motiviert werden. Die Sozialpädagogen Astrid Wolf und Eckart Mann vom Bildungszentrum Grone leiten das in Hessen einmalige Modellprojekt.

„Wir sind für den gesamten Landkreis Kassel zuständig und möchten über Netzwerke Wege aus der sozialen Isolation aufzeigen“, sagt Astrid Wolf. „Es war fünf vor zwölf, ich bin froh, dass Sie da sind“, habe ihr eine auf das Projekt angesprochene Teilnehmerin kürzlich gestanden, berichtet sie. „Der psychische Druck, entstanden durch selbst verschuldete Missgeschicke, gepaart mit Erkrankungen, ist oftmals hoch. Wir möchten helfen, Ordnung in den Köpfen zu schaffen“, ergänzt Eckart Mann.

„Für das Projekt konnten bereits 21 Teilnehmer und vier Mentoren gewonnen werden“, berichtet Christel Högemann-Lohse, Niederlassungsleiterin des Bildungszentrums Grone in Kassel, dessen offizielle Bezeichnung „Grone-Bildungszentren Hessen GmbH - gemeinnützig“ lautet. Horst Restetzki aus Fuldatal, Irina Karachynska aus Vellmar und Annette Wriedt aus Immenhausen sind mit ständiger Unterstützung der Sozialpädagogen bereits als Mentoren tätig.

Sie beziehen Arbeitslosengeld II und entwickeln durch ihren freiwilligen Einsatz, der zunächst ehrenamtlich erfolgt, auch für sich selbst eine berufliche Perspektive. Weitere Mentoren werden gesucht, bei den Teilnehmern, die das Jobcenter vorschlägt, gibt es eine Warteliste.

Kontakt und Informationen: Jobcenter Landkreis Kassel, Jürgen Schneider, Ständeplatz 23, Tel. 0561/2078-455, www.jobcenter-landkreis-kassel.de Von Bettina Wienecke

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