Große Umsatzverluste – Solartechnik Stiens in Kaufungen konnte Mitarbeiterstamm aber fast halten

Zuversicht trotz Schrumpfkur

Vom Ein-Mann-Betrieb in zehn Jahren zum Umsatzmillionär: Solartechnik Stiens verfügt inzwischen in Kaufungen Papierfabrik über ein beeindruckendes Ensemble von Gebäuden, deren Dächer nahezu komplett mit Fotovoltaikanlagen bedeckt sind. Schmuckstück ist das Verwaltungsgebäude (vorn in der Mitte), das sich komplett der Sonne hinterherdreht. Foto: Solartechnik Stiens/nh

Kaufungen. Der Solartechnik-Marktführer SMA in Niestetal kämpft sich mühsam durch die Krise, die die gesamte deutsche Solarindustrie erfasst hat. Doch Georg Stiens, Chef des Kaufunger Solartechnik-Unternehmens, sieht die aktuelle Situation eher pragmatisch: „Wir haben keine Krise, sondern wir sind nur in der Realität angekommen.“

Wobei der Weg ins bald subventionsfreie Wirtschaften der Sonnenenergie-Branche auch für Stiens mit schmerzlichen Einschnitten verbunden war. Die Zahl der Mitarbeiter sank von 60 auf heute noch 53, auch betriebsbedingte Kündigungen mussten ausgesprochen werden.

Der Umsatzeinbruch beim Verkauf der Fotovoltaikanlagen war noch ungleich drastischer und schlägt sich auch in den nachlassenden Gewerbesteuer-Einnahmen der Gemeinde Kaufungen nieder. Stiens will keine Zahlen nennen, aber: „Nur weil wir so eine flexible Kostenstruktur haben, konnten wir größere Entlassungen vermeiden.“

14 Cent pro Kilowattstunde

Im Klartext: Weniger Fotovoltaikanlagen auf den Dächern heißt auch weniger Handwerkerstunden und geringere Provisionen für die Verkäufer. Auf dem Höhepunkt der Entwicklung verkaufte Stiens jährlich 3000 Solaranlagen, heute sind es noch rund 2000.

Immerhin ist für den 45-Jährigen das Ende des Schrumpfungsprozesses jetzt erreicht. Sorgen um den Bestand des Unternehmens macht er sich nicht: „Es wird eine gleichbleibende Entwicklung auf dem heutigen Niveau geben.“

Gegenwärtig gibt es zwar nur eine Einspeisevergütung von etwa 14 Cent pro Kilowattstunde - und diese Summe schrumpft weiter. Gleichzeitig aber kostete die Anlage vor Jahren 5000 Euro pro installierter Kilowattstunde, heute sind es nur noch 1500 Euro. Stiens: „Der Ertrag ist heute der gleiche wie in all den Jahren zuvor.“

Ohnehin sieht er die Attraktivität einer eigenen Fotovoltaikanlage auf dem Dach nicht mehr im Verkauf des Stroms, sondern in dessen Eigennutzung. Bei Bezugskosten von 25 Cent pro Kilowattstunde rechne es sich, den selbst für nur 12 Cent erzeugten Strom auch selbst zu verbrauchen.

Firmenjubiläum am 18. Mai

Die technische Entwicklung werde dies künftig noch interessanter machen: Batteriesysteme speichern den Sonnenstrom und machen den Haushalt - zumindest außerhalb der Wintermonate - weitgehend autark. Und auch einst ökologisch verpönte Brauchwasser- und Luft-Wärmepumpen würden plötzlich wirtschaftlich interessant, wenn sie mit fast kostenlos erzeugtem Eigenstrom betrieben werden.

Hinzu kämen intelligente Haushaltsgeräte, die computergesteuert dann arbeiteten, wenn der Strom vom Dach reichlich fließt. Und auch die eigene Solartankstelle für E-Bike und Elektroauto kann vom Dach gespeist werden.

Für Georg Stiens ist die Fotovoltaik also alles andere als tot. Im Gegenteil, so seine Prognose, werde sie mit weiter steigenden Strompreisen so interessant, dass sie sich künftig auch ohne staatliche Unterstützung am Markt behaupten können werde.

Entsprechend entspannt bereitet er sein Unternehmen auf das Firmenjubiläum vor: Im kommenden Jahr soll am 18. Mai das zehnjährige Bestehen der Solartechnik Stiens mit einem großen Fest und Tag der offenen Tür gefeiert werden. Foto: Stier

HINTERGRUND

Von Thomas Stier

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