Neuer Chef gesucht

Zweckverband Raum Kassel: Wer folgt auf Dirk Stochla?

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Noch-Chef: Dirk Stochla verlässt den Planungsverband und wird Stadtrat für Verkehr und Sicherheit in Kassel. 

Kreis Kassel. Weil Dirk Stochla in den Kasseler Magistrat wechselt, braucht der Zweckverband Raum Kassel einen neuen Chef. 

Wenn in den nächsten Monaten die Machbarkeitsstudie über eine Erweiterung des Gewerbegebiets Sandershäuser Berg bei Niestetal vorgestellt wird, dann ist der Chef der federführenden Stelle möglicherweise schon nicht mehr auf seinem Posten. Denn seit dem Unterbezirksparteitag der Kasseler SPD am vergangenen Wochenende steht fest, dass Dirk Stochla, Direktor des Zweckverbands Raum Kassel (ZRK), als Stadtrat für Verkehr und Sicherheit nach Kassel wechseln wird. Die Wahl im Stadtparlament durch die neue rot-grün-liberale Rathauskoalition dürfte nicht mehr sein als eine Formsache.

Mit dem Wechsel des früheren Vellmarer Bürgermeisters wird die Stelle des ZRK-Chefs vakant. Und es stellt sich die Frage: Wer wird dem Sozialdemokraten Stochla an der Spitze des für die regionale Planung zuständigen Zusammenschlusses von Stadt und Landkreis Kassel sowie zehn Kreiskommunen im sogenannten Speckgürtel folgen? Und wann wird der oder die Neue den Job antreten?

Posten wird ausgeschrieben

Das Verfahren für die Nachfolge Stochlas als Verbandsdirektor werde erst dann beginnen, wenn er in seine Funktion gewählt worden sei, sagte Landrat Uwe Schmidt (SPD) auf HNA-Anfrage. Schmidt ist zurzeit turnusgemäß ZRK-Vorsitzender. Die Ausschreibung beginnt demnach offiziell frühestens Ende August. Denn dann könnte Stochla als Dezernent in Kassel gewählt sein. Im Umkehrschluss bedeutet dies: Vor Ende des Jahres wird der Zweckverband keinesfalls eine neue Führung haben.

Die Stelle werde, wie in der Vergangenheit, öffentlich ausgeschrieben. „Ich bin mir sicher, dass die Attraktivität unserer Region und der Stelle dafür sorgen werden, dass sich viele kompetente Bewerber melden werden“, so Schmidt. In der Vergangenheit bewarben sich in der Tat stets zahlreiche Männer und Frauen für den Posten: 2009 beispielsweise waren es 36. Doch eine Chance hatten die Auswärtigen nie.

Gerhard Iske

Die Auserwählten für den Posten stammten vielmehr aus der Region, waren bestens vernetzt und stets sozialdemokratisch. Seit 1992 wurde der Zweckverband Raum Kassel von gleich drei ehemaligen Bürgermeistern aus dem Landkreis Kassel geführt - allesamt aus den Reihen der SPD. Von 1992 (damals gab es den ersten hauptamtlichen Geschäftsführer) bis zum Jahr 2000 leitete Kaufungens früherer Bürgermeister Gerhard Iske die Geschicke des Verbands. 

Andreas Güttler

Von 2010 bis 2016 stand Andreas Güttler, zuvor Bürgermeister von Immenhausen, an der Spitze des Stadt-Umland-Verbands. Sein Wechsel zur Sparkassenversicherung machte den Weg frei für Dirk Stochla, der aus gesundheitlichen Gründen auf die Kandidatur für eine dritte Bürgermeister-Wahlperiode in Vellmar verzichtet hatte. Nur ein Mal in den vergangenen 25 Jahren war beim ZRK kein Ex-Bürgermeister von der SPD an der Spitze: Von 2000 bis Ende 2009 saß Klaus Ossowski, einst rechte Hand Iskes in Kaufungen und später beim ZRK, auf dem Chefsessel.

Klaus Ossowski

Seitens des Verbandes wies man allerdings schon vor Jahren den Vorwurf einer Bevorzugung von Genossen weit von sich: Die Parteizugehörigkeit habe keinen Einfluss auf das Auswahlverfahren, sagte ZRK-Chef Güttler seinerzeit. Kurz darauf wurde Dirk Stochla als sein Nachfolger präsentiert.

Hintergrund: Verband erledigt Planungsaufgaben für Kassel und das Umland

Der Zweckverband Raum Kassel (ZRK) mit Sitz am Ständeplatz in Kassel besteht seit 1974 und hat rund 20 Mitarbeiter. Als Körperschaft des öffentlichen Rechts nimmt er rund um Kassel (380 Quadratkilometer, 325 000 Einwohner) die Aufgaben eines städtebaulichen Planungsverbandes wahr. Seine Mitglieder sind Kassel, Landkreis Kassel, Ahnatal, Baunatal, Calden, Fuldabrück, Fuldatal, Kaufungen, Lohfelden, Niestetal, Schauenburg und Vellmar. „Der ZRK plant für seine Mitglieder mit dem Ziel, Flächen- und Nutzungsansprüche für Wohnen, Gewerbe, Einzelhandel und Verkehr möglichst ohne Konflikte mit Natur und Nachbarschaften zukunftsfähig zu realisieren“, heißt es in der Satzung. Fairer Interessenausgleich sei hierfür die Basis. 

Jüngstes Beispiel für ein interkommunales ZRK-Projekt ist das Güterverkehrszentrum Kassel (GVZ). Die Stelle des Verbandsdirektors ist gemäß Besoldungsgruppe A 16 (ca. 5300 Euro brutto Grundgehalt) dotiert. Ex-Bürgermeister auf dem Posten, die zuvor mehr verdienten, erhalten Ausgleichszahlungen, um nicht schlechter als in ihrem alten Amt gestellt zu sein.

www.zrk-info.de

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