Seltene Gnadenhochzeit: Martha und Heinrich Walter sind heute 70 Jahre verheiratet

Zwei Dörnhagener fanden sich

Gnadenhochzeit: Heute vor 70 Jahren gaben sich Martha und Heinrich Walter das Jawort. Foto: Oschmann

Fuldabrück. Im Juni 1945 war es, als Heinrich Walter aus dem Krieg nach Dörnhagen heimkehrte. „Es war mitten in der Nacht, als es bei uns klopfte“, erzählt seine Frau Martha. Und dann holt sie die Erinnerung ein: „Ich war fürchterlich erschrocken und einfach nur erschüttert“, sagt die alte Dame leise.

Drei Jahre war das Paar damals verheiratet. Heute feiern Martha und Heinrich Walter das seltene Fest der Gnadenhochzeit. Seit 70 Jahren sind sie ein Ehepaar.

„Wir sind beide Dörnhagener Kinder, und mehr sage ich nicht dazu“, erklärt er auf die Frage nach dem genauen Kennenlernen. Seine Frau lächelt.

Dass Heinrich Walter 96 ist, glaubt man dem quicklebendigen und temperamentvollen Senior nicht. Seine vier Jahre jüngere Frau ist genauso rüstig, aber von ruhigerem Wesen. Der Senior hat genau aufgeschrieben, was über ihn und seine Frau in der Zeitung stehen soll. Aber dann erkennt er an, dass er doch einige Fragen beantworten muss.

„Die goldene, die diamantene und die eiserne Hochzeit haben wir mit Pauken und Trompeten gefeiert“, erzählt Heinrich Walter fröhlich. „Diesmal wird es etwas ruhiger. Dass wir die Gnadenhochzeit erleben dürfen, ist nämlich wirklich eine Gnade“, sagt der Ehemann. 1935 hatten sich die beiden kennen gelernt. Heinrich Walter lag im Rot-Kreuz-Krankenhaus, in der Nähe befand sich eine Art Internat, wo Martha Vogt, wie sie damals noch hieß, den Haushalt lernte. „Ich besuchte ihn, so kamen wir zusammen“, verrät die Ehefrau schmunzelnd. Als Heinrich Walter im Krieg war, schrieben sich die jungen Leute Briefe.

Nach der Hochzeit 1942 lebte Martha Walter bei ihren Eltern in der Guxhagener Straße, wo 1943 Tochter Ingrid geboren wurde. Die junge Mutter musste in einer Uniformnäherei in Kassel arbeiten. Dass Heinrich Walter 1944 verwundet wurde, habe ihm das Leben gerettet, erzählt der alte Herr, dadurch kam er nicht in Kriegsgefangenschaft.

Nach seiner Heimkehr 1945 baute sich das Ehepaar sein Leben auf, arbeitete zunächst in der elterlichen Landwirtschaft mit, die es später übernahm. 1950 wurde Sohn Manfred geboren. „Martha war fleißig, hat geschuftet und geackert“, sagt Heinrich Walter.

Dass seine Frau Verständnis hatte, als er später eine Karriere bei der Bundeswehr ausschlug, wird er ihr nie vergessen. Als Nebenerwerb arbeitete der Familienvater zusätzlich bei einer Bank.

„Tolle Köchin“

Heinrich Walter engagierte sich in zahlreichen Vereinen und Verbänden, seine Frau hielt Haus und Hof in Ordnung. „Sie ist bis heute eine tolle Köchin und Kuchenbäckerin“, schwärmt er.

Heute wird das Ehepaar, das zwei Enkel hat, noch einmal kirchlich getraut und feiert mit 30 Gästen seinen Ehrentag.

Von Sabine Oschmann

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