Richter: "Tat ist ein übles Verbrechen"

Zwei Männer überfielen Rentner: Haft- und Bewährungsstrafe

Schauenburg/Kassel. Sie würden in Zukunft eine solche Tat bestimmt kein zweites Mal begehen, beteuerten die Angeklagten, 24 und 26 Jahre alt, kurz vor der Urteilsverkündung vor dem Landgericht. Sie hatten gestanden, einen heute 71-jährigen Rentner in seinem Haus in Schauenburg-Elgershausen überfallen und misshandelt zu haben.

Der 24-Jährige kam vor der 5. Strafkammer mit einer Bewährungsstrafe davon, der 26-Jährige kassierte eine Haftstrafe.

Vorsitzender Richter Jürgen Stanoschek fand nach dem Urteil klare Worte: „Das war keine Jugendverfehlung“, andere Menschen in ihrer Wohnung zu überfallen sei „ein übles Verbrechen“.

Der 24-jährige Angeklagte hatte mit seinen Eltern bis zur Tat einige Male im Garten des späteren Opfers gearbeitet und sich sogar in dessen Wohnung aufgehalten, er habe mit der Tat das Vertrauen des 71-Jährigen missbraucht. „Das zerrüttet die Grundlagen einer zivilisierten Gesellschaft“, so Stanoschek.

Die beiden waren am Abend vor dem Überfall gemeinsam trinken und spielen gegangen. Dabei kam ihnen die Idee, sie meinten, so schnelles Geld machen zu können. Der 26-Jährige holte zu Hause Handschuhe und T-Shirts, die als Masken dienten. Ein Taxi brachte die beiden bis kurz vor das Haus des Rentners. Auf dessen Balkon schlugen sie mit einem Stein eine Fensterscheibe ein.

In der Wohnung lief ihnen der Hausbesitzer über den Weg. Der 26-Jährige schlug ihn nieder und hielt ihn fest, während sein Kumpan die Wohnung durchsuchte. Die Beute war gering. Außer zwei alten Fotoapparaten, die sich als wertlos herausstellten, und einem Luftgewehr, fanden die Eindringlinge nichts.

Eindeutig geplante Tat

Für Richter Stanoschek war es keine spontane, sondern eindeutig eine geplante Tat. Die beiden hätten sich zuvor Masken ausgestattet und den Taxifahrer gebeten, ein Stück vom Haus des Opfers entfernt zu halten. Nach dem Einschlagen der Fensterscheibe hätten sie sorgsam die im Rahmen hängen gebliebenen Splitter beseitigt. Das sei ein weiteres Indiz, dass die beiden trotz des Alkohols und der Drogen, die der 26-Jährige nach eigenen Angaben genommen hatte, im Vollbesitz ihrer Steuerungsfähigkeit waren.

Der 71-jährige Rentner hatte als Zeuge angegeben, er habe das Erlebnis psychisch gut verkraftet. Er wurde leicht im Gesicht verletzt und trug eine Fußverletzung davon. „Das hätte auch anders ausgehen können“, so Richter Stanoschek. Die Tat sei deshalb „kein Kinderkram“.

26-Jähriger vorbestraft

Gleichwohl kam der jüngere der beiden Angeklagten mit zwei Jahren auf Bewährung davon, zudem muss er 1000 Euro an die Kasseler Hilfe zahlen. Der 26-Jährige, der einschlägig vorbestraft ist, bekam drei Jahre. Da er regelmäßig trinkt und Cannabis konsumiert, ordnete das Gericht die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an.

Von Ralf Pasch

Rubriklistenbild: © Symbolbild

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