Modellprojekt des Landkreises erfolgreich: 22 Unterrichtsverweigerer wurden wieder integriert

Zweite Chance für schwierige Schüler

Ausflug zum Kletterpark: Kevin, Johannes, Domenik und die anderen fühlten sich wie im Abenteuerland. Auch Betreuerin Ulrike Beutennagel vom Jugendamt und Evelin Bernhard (links) vom Verein „Zahnärzte und Patienten helfen Kindern in Not“ waren dabei. Der Verein unterstützt das Projekt mit 3500 Euro. Foto: Riecken

Kreis Kassel. 22 Jugendliche haben eine zweite Chance bekommen und sie auch genutzt: Durch das Schulverweigerungsprojekt des Landkreises Kassel konnten diese Schüler seit dem Start vor einigen Jahren wieder erfolgreich in die Schule integriert werden. Ein Mädchen ist inzwischen sogar Klassenbeste.

Am Anfang wurde das Modellprojekt komplett aus Mitteln von Bund und Europäischem Sozialfonds gefördert, inzwischen springt der Landkreis, der als einzige nordhessische Gebietskörperschaft teilnimmt, jährlich mit einem Zuschuss ein. Das Projekt steht jetzt auf der Kippe: Demnächst läuft die Förderung durch den Sozialfonds aus. „Um das Projekt fortzuführen, sind wir vermehrt auf private Sponsoren angewiesen“, sagt Landkreis-Pressesprecher Harald Kühlborn.

Die Zahl der Schüler, die für das Projekt angemeldet werden, ist unvermindert hoch. „Wir wollen Jugendlichen, die Schwierigkeiten mit der Schule haben und deshalb häufig nicht zum Unterricht kommen, helfen, wieder Spaß am Lernen zu entwickeln“, so Ulrike Beutennagel vom Jugendamt. Um die Schule wieder attraktiv zu machen, werden zurzeit 22 Kinder und Jugendliche zwischen 13 und 16 Jahren in Kooperation mit vier Landkreisschulen betreut. Betreut werden Schulverweigerer aus der Gesamtschule Kaufungen, der Wilhelm-Leuschner-Schule Niestetal, der Theodor-Heuss-Schule in Baunatal und der Erich-Kästner-Schule, ebenfalls Baunatal.

Im Landkreis erhielten 2009 insgesamt 109 Schüler ein Bußgeldverfahren, weil sie sich konsequent der Schulpflicht entzogen, 2010 waren es 111. Laut Kühlborn ist das nur die Spitze des Eisbergs. „Die Dunkelziffer der Schulschwänzer ist wesentlich höher.“ Wichtig sei die komplexe Förderung der Jugendlichen. „Die ganzheitliche Förderung bedeutet, dass wir Eltern, Schule und Hilfsangebote des Jugendamtes in die Betreuung der Jugendlichen miteinbeziehen“, sagt die ehemalige Jugendamtsleiterin Käthe Heinrich, die das Projekt mit auf den Weg gebracht hat. Dazu gehören regelmäßige Einzelbetreuung in der Schule, Hausaufgabenhilfe, praxisorientierte Lerneinheiten und Projekttage außerhalb der Schule. Ein Ausflug in den Kletterpark am Hohen Gras gehört zu den Freizeitangeboten, bei denen das Selbstvertrauen der jungen Schulverweigerer gestärkt werden soll. Gemeinsam mit ihren Betreuern des Projektes „Zweite Chance“ balancierten die Schüler über Drahtseile, kletterten an Bäumen hoch oder schwebten auf dem Bobbycar zwischen den Bäumen.

(ewa/bas)

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