Heftige Kritik an Baunataler Zentrale

Zwist bei den Amateurfunkern: Schwere Vorwürfe gegen Dachverband

In der Diskussion: Die Bundeszentrale des DARC in Baunatal liegt im Streit mit Mitgliedern aus nordhessischen Ortsverbänden. Über 1000 Mitglieder sind nach deren Angaben nach Querelen bundesweit aus dem Dachverband ausgetreten. Archivfoto: Kühling

Baunatal/Kassel. Seit 1972 ist die Bundeszentrale der Amateurfunker in Baunatal. Doch jetzt gibt es Streit zwischen der Dachorganisation DARC und einigen ehemaligen Mitgliedern aus den Ortsvereinen. Diese werfen dem Verband vor, undemokratisch zu handeln und unwirtschaftlich zu arbeiten.

Bundesweit soll es nach Darstellung dieser Mitglieder bereits über 1000 Austritte geben. Dem widerspricht der DARC.

Auch in Nordhessen haben sich Kurzwellen-Funker vom DARC mit seinen rund 40 000 Mitgliedern gelöst und einen eigenen Verein gegründet. Die Unzufriedenheit habe sich über Jahre aufgebaut, sagt Ralf Sinning. Der Guntershäuser war bis vor Kurzem Vorsitzender des DARC-Ortsverbandes Baunatal und führt nun den neuen Verein „Funkamateure“. Er vermisse – so wie viele andere – bei dem Bundesverband demokratische Strukturen, sagt Sinning. Das sei ein Grund, warum über 1000 Mitglieder ausgetreten seien.

„Wir haben es lange mit Gesprächen versucht“, betont Sinning. Doch eine Chance, etwas zu verändern, habe man nicht. In den übergeordneten Distrikt-Versammlungen sei Kritik nicht erwünscht, dort werde man dann als Störenfried diffamiert.

Martin Kiok, der bisher im Kasseler Ortsclub aktiv war, bestätigt das und nennt einen weiteren Kritikpunkt. Einer früheren Geschäftsführerin habe der DARC-Vorstand fristlos gekündigt. Nach einem Arbeitsgerichtsprozess habe man sich mit der Frau auf außergerichtliche Zahlungen im Wert von über 200.000 Euro geeinigt. Kiok und Sinning wollen sich über die Gründe der Kündigung kein Urteil erlauben, sie bemängeln aber die hohe finanzielle Belastung des DARC durch diese Abfindung „aus Mitgliedsbeiträgen“. „Man hat damit Geld ausgegeben, was man sich eigentlich nicht leisten darf“, sagt Kiok.

DARC-Geschäftsführer Jens Hergert tritt den Vorwürfen der Kritiker entgegen. Die Zahlen über Austritte stimmten nicht, sagt er auf Anfrage der HNA. Hergert spricht von bundesweit ganzen sechs Mitgliedern, die aufgrund von Unstimmigkeiten über Personalentscheidungen den Dachverband verlassen hätten. Zu dem Rechtsstreit mit seiner Vorgängerin will er keine Einzelheiten nennen. Nur so viel: Nach dem Prozess vor dem Arbeitsgericht seien in einem Vergleich „Vereinbarungen nach den üblichen Kriterien“ getroffen worden, sagt er. Es habe keine Sonderleistungen gegeben.

Grundsätzlich hängt der DARC-Geschäftsführer die Neugründung des Vereins „Funkamateure“ nicht so hoch. Er freue sich sogar auf die Zusammenarbeit mit diesen am Runden Tisch Amateurfunk (RTA), in dem sämtliche Amateurfunkverbände organisiert seien.

Dass sich der Kritik an der DARC-Führung weitere Mitglieder anschließen werden, davon geht der Geschäftsführer jedenfalls nicht aus. „Das wird sich im Sande verlaufen.“

Von Sven Kühling

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