Umstrittene Erhebung zum Betreuungsbedarf für unter Dreijährige – Kreis: Sind nur Bote

Zwist um Elternbefragung

Intensive Betreuung: Erzieherin Nadine Käker mischt mit dem dreijährigen Wilm in einer Kita in Schwerin einen Kuchenteig. Unter Dreijährige haben ab 1. August einen Rechtsanspruch auf Betreuung. Foto: dpa

Kreis Kassel. 2000 Familien im Landkreis Kassel werden in den nächsten Tagen Post von der Kreisverwaltung erhalten. Mütter und Väter von Kindern unter drei Jahren (U 3) werden gebeten, einen Fragebogen zum Thema Betreuung auszufüllen. Doch die Aktion ist umstritten, nur zwölf der 29 Kreiskommunen beteiligen sich.

„Wir möchten so möglichst genau den Bedarf an Krippen- und Tagespflegeplätzen ermitteln“, erläuterte Vizelandrätin Susanne Selbert (SPD) in einer am Dienstag verschickten Pressemitteilung. Hintergrund ist der ab 1. August geltende Rechtsanspruch auf Betreuung für unter Dreijährige.

Sehr zuversichtlich

„Nach den von den Kommunen übermittelten Daten sind wir sehr zuversichtlich, dass wir diese Quote erfüllen können. Mit der Fragebogenaktion wollen wir uns einen umfassenden Überblick über den Bedarf bei uns im Landkreis machen“, so Susanne Selbert Und weiter: „Mit Hilfe der Fakultät Erziehungswissenschaft und Soziologie des Forschungsverbunds Deutsches Jugendinstitut e.V. an der Universität Dortmund führt der Landkreis die Befragung durch.“

Die Pressemitteilung wirft Fragen auf: Warum untersucht der Kreis den Bedarf an Kinderbetreuung in den Kommunen, für die er gar nicht zuständig ist? Warum wird elf Wochen vor dem Beginn des Rechtsanspruchs eine Studie begonnen, die den Bedarf an Betreuungsplätzen feststellen möchte?

Auf kritische Nachfragen unserer Zeitung korrigierte Kreissprecherin Ute Jäger die Angaben. Die Studie werde von der Uni Dortmund erarbeitet, der Kreis sei nicht beteiligt. „Wir sind nur der Bote.“ Man sehe sich als Servicestelle, die den Kontakt zu den Gemeinden herstelle. „Wir arbeiten nicht mit, sondern unterstützen das durch unsere Pressemitteilung“, so die Kreissprecherin. Das Forschungsprojekt werde vom Familienministerium aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds mit 15 000 Euro gefördert, der Kreis habe keine Kosten. Bei den Kommunen – sie sind für die Kinderbetreuung zuständig – kommt die Aktion offenbar nicht so gut an. Nur zwölf Städte und Gemeinden beteiligen sich an der Befragung. Auch Söhrewald hat sich dagegen entschieden. Söhrewalds Bürgermeister Michael Steisel (SPD) kann sich keinen Reim auf die Befragung machen. Denn seine Verwaltung bereite sich seit über einem Jahr auf die neue Rechtslage vor. So habe man die Kindergärten in Söhrewald baulich und organisatorisch ausgebaut, in den Sommerferien würden die letzten Malerarbeiten erledigt. Auch für zusätzliche Mitarbeiterinnen habe die Gemeinde gesorgt. Die Bedarfsanalyse sei unnötig. „Ich gehe davon aus, dass wir den Bedarf abdecken können“, sagt der Bürgermeister.

Weitere Informationen zu der Umfrage erteilt die Kreisverwaltung unter Tel. 0561/1003-1549 (Marion Mühlenberend). HINTERGRUND,

KOMMENTAR NÄCHSTE SEITE

Von Holger Schindler

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.