Zwölfjährige aus Grifte absolviert Ballett-Ausbildung im Palucca-Internat

Im Kreis der Familie: Die Wochenenden verbringt Lea (Zweite von links) fast immer zuhause bei ihrer Familie. Dazu gehören Schwester Lisa (von links), Mutter Renate Martin-Schäfer, Vater Hartmut Schäfer und Hündin Bellah.

Edermünde / Baunatal. Scheinbar schwerelos steht Lea auf der Spitze ihres linken Fußes. Mit geschmeidigen Bewegungen hebt sie das rechte Bein in die Luft und den Arm über den Kopf. Ein Lächeln liegt auf ihrem Gesicht, während sie regungslos die Position hält.

Leicht und mühelos sieht das aus, doch dahinter steckt harte Arbeit. Lea Schäfer will Ballett-Tänzerin werden. Seit zwei Jahren besucht die Zwölfjährige die Palucca-Hochschule für Tanz in Dresden.

Unter der Woche wohnt sie in der sächsischen Metropole im Internat, die Wochenenden verbringt sie bei ihrer Familie in Grifte. „Ich mag vor allem den klassischen Tanz sehr gerne. Und das man mit dem Tanzen viel ausdrücken kann. Und ich mag meine Spitzenschuhe“, erzählt Lea und lacht. Sie holt die Schuhe aus ihrer Tasche, streicht mit den Fingern über den weichen, rosafarbenen Stoff und zeigt auf die Spitzen. „Hier musste ich sie schon öfter mal stopfen“, sagt sie.

Kein Wunder, denn nach dem regulären Schulunterricht steht in Dresden jeden Tag Tanzen auf dem Programm. Auch in der berühmten Semperoper ist Lea schon aufgetreten. „Vorher war ich aufgeregt und hab total gezittert. Aber sobald man auf der Bühne ist, ist alles vergessen. Das ist so ein tolles Gefühl, da würde man am liebsten zehn Stunden auf der Bühne stehen“.

Lea liebt klassischen Tanz: Wenn die Zwölfjährige in Grifte ist, besucht sie oft ihre alte Tanzschule in Baunatal. Hier steht sie im Passé und hält die Arme in der dritten Position. Foto: Schilling

Den Anstoß dazu, dass Lea die Palucca-Hochschule für Tanz besucht, gab Almut Rudolph, Leiterin der Ballettschule Baunatal. Sie hat Lea seit deren fünftem Lebensjahr unterrichtet. „Wenn ich sehe, dass ein Mädchen Talent hat, dann spreche ich mit den Eltern über die Möglichkeiten, die solche Schulen bieten“.

Die Idee, dass das eigene Kind weit weg in einem Internat lebt, schockt die meisten Eltern laut Rudolph erst einmal. Und auch Leas Eltern haben sich die Entscheidung nicht leichtgemacht. „Aber ich habe gesehen, mit wieviel Konzentration sie immer dabei war“, erzählt Renate Martin-Schäfer. Und so entschlossen sich die Eltern, dass Lea zumindest unverbindlich an der Aufnahmeprozedur teilnehmen könnte. Um die 500 Bewerbungen gab es für Leas Klasse. 300 Kinder nahmen an einem Vortest teil, 59 wurden zu den Aufnahmeprüfungen eingeladen. 18 haben es am Ende geschafft und wurden angenommen–- unter ihnen Lea.

„Mir hat es richtig gut gefallen. Und dann wollte ich unbedingt dorthin“, erzählt sie. Trotzdem war das erste halbe Jahr für die Familie eine schwere Zeit. „Ich hatte oft Heimweh“, erinnert sich die Zwölfjährige und schaut lächelnd zu ihren Eltern. Renate Martin-Schäfer erzählt: „Wir haben ihr immer wieder Mut gemacht und sie gestützt. Da konnten wir uns selber gar nicht so hängen lassen“. Und Hartmut Schäfer ergänzt: „Wir hätten sie aber auch jederzeit wieder abgemeldet, wenn es nicht geklappt hätte“.

Mittlerweile hat sich alles eingespielt. Jeden Tag telefoniert Lea mit ihren Eltern, die Wochenenden verbringt sie fast immer zuhause. „Sie ist schon sehr selbständig geworden, aber sie ist sich treu geblieben“, sagt Renate Martin-Schäfer.

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