Verhandlung vor Kasseler Landgericht: Angeklagter schweigt

Wollte er seine Ex und deren Kinder ermorden? Mann nach Scheunenbrand vor Gericht

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Großbrand in der Nacht: Der 30-jährige Angeklagte soll im Mai 2018 ein Wohnhaus mit Scheune am Netzer Glucksberg angezündet haben.

Nachdem sich seine Freundin von ihm getrennt hatte, soll ein 30-Jähriger aus Frankenberg eine Scheune angesteckt haben. Nun steht der Mann wegen versuchten Mordes vor Gericht.

Aktualisiert am 25. März um 16 Uhr: Weil sich seine Freundin von ihm getrennt hatte, soll ein 30-Jähriger aus Frankenberg in der Nacht zum 4. Mai 2018 aus Rache eine Scheune in Waldeck-Netze angesteckt haben. Wegen versuchten Mordes steht der Mann deshalb nun vor dem Kasseler Landgericht.

Die heute 28-jährige Frau konnte sich und ihre beiden Töchter damals in letzter Minute in Sicherheit bringen. Sie konnte nicht schlafen und hörte daher das Knistern der Flammen auf der anderen Wandseite ihres Schlafzimmers, in dem sie mit der heute dreijährigen Tochter schlief. „Ich konnte gerade noch die beiden Kinder und den Hund schnappen und nach draußen laufen“, schilderte sie als Zeugin das dramatische Geschehen.

In Minutenschnelle hatte das Feuer von den Strohballen in der Scheune auf das angebaute Wohnhaus übergegriffen. Beide Gebäude wurden vollständig zerstört, obwohl die Feuerwehr mit neun Löschfahrzeugen und 60 Einsatzkräften die Flammen bekämpfte. Immerhin konnte der Vater der Frau, der im Nachbarhaus wohnt, noch einen Traktor aus den Flammen retten.

Zum Prozessauftakt schwieg der mittelgroße, kräftige Mann mit den kurzen Haaren, der seit Angang Mai letzten Jahres in der JVA Kassel in Untersuchungshaft sitzt. Verteidiger Schenk kündigte allerdings an, dass sich sein Mandant im Laufe des Verfahrens zu den Vorwürfen äußern werde.

Laut Anklage soll er die Frau und ihre Familie nach der Trennung gestalkt und bedroht haben. In der Tatnacht soll er zunächst mit einem Messer zwei Reifen am Mazda der Frau zerstochen haben. Dann soll er mit einem Feuerzeug einen Haufen aus Stroh und Papier entzündet haben.

Das sich schnell ausbreitende Feuer und die Löscharbeiten soll der Mann, der begeisterter Feuerwehrmann und langjähriges Mitglied der Wehren in Burgwald und Göttingen war, mit dem Fernglas von Waldeck aus beobachtet haben.

Feuer verursachte 800.000 Euro Schaden

Den durch das Feuer entstandene Sachschaden an dem landwirtschaftlichen Gehöft im Waldecker Stadtteil Netze hatten Kripo und Feuerwehr zunächst auf 150.000 Euro geschätzt. Die Scheune und das direkt angebaute, zum Teil mit Eternitplatten verkleidete alte Fachwerkhaus waren vollständig zerstört worden. Tatsächlich ist der entstandene Schaden aber mit rund 800.000 Euro deutlich höher. Diese Summe wurde von der Brandversicherung errechnet, wenn die Gebäude wie geplant neu aufgebaut werden müssen.

Telefonterror und Drohungen

Kennen gelernt hatten sich der Frankenberger und die Frau aus dem Waldecker Stadtteil Netze im September 2017 über das Internet und gemeinsame Freunde.

Als im Herbst der Umzug der Frau und ihrer beiden Kinder von Gemünden/Wohra auf den Bauernhof des Vaters in Netze anstand, bot ihr der junge Mann seine Hilfe an - und blieb dann gleich ganz da.

Der jetzt wegen Mordversuchs an der Frau und ihrer Töchtern und Brandstiftung angeklagte Mann hatte damals zeitweise als Taxifahrer gearbeitet, war dann aber arbeitslos.

Auf die Frage des psychiatrischen Sachverständigen Dr. Georg Stolpmann, welcher Art die Beziehung zum Angeklagten gewesen sei und welche Erwartungen sie daran geknüpft habe, wusste die junge Frau vor der 6. Strafkammer des Landgerichts keine so rechte Antwort zu geben.

Was sie recht schnell wusste, war, dass die Sache keine Zukunft hatte: „Er wollte nicht arbeiten und auf meine Kosten leben“, sagte sie gestern. Da beendete sie im April 2018 die Beziehung.

Damit aber ging der Stress erst richtig los. Der Angeklagte habe eine Überwachungsapp auf ihrem Handy installiert, über die er jederzeit verfolgen konnte, wo sie sich aufhielt und mit wem sie Nachrichten austauschte. Das habe erst aufgehört, als sie das Handy wechselte.

Später habe es Telefonterror gegeben. Drei Tage vor dem Brand sei verabredet gewesen, dass ein Kumpel Sachen des Angeklagten, darunter eine große Vogelvoliere abholt. Stattdessen sei er aber selbst gekommen, habe gegen die Tür getrommelt und rumgebrüllt und habe sich durch die offene Hintertür Zugang zum Wohnhaus verschafft. Erst die alarmierte Polizei konnte den Angeklagten aus dem Haus schaffen.

Gegenüber dem Vater der Frau drohte er in SMS-Nachrichten an, unschöne Fotos der Frau und ihrer Kinder im Internet zu veröffentlichen.

Für kurze Zeit war er auch in der Psychiatrischen Klinik in Haina untergebracht. Dort habe sie ihn in Begleitung eines Freundes besucht, weil er ihr noch Geld schuldete, berichtete die Zeugin gestern.

Für die Staatsanwaltschaft ist die Brandstiftung gegen 1.15 Uhr am 4. Mai 2018 ein Mordversuch mit dem Merkmal der Heimtücke und mit gemeingefährlichen Mitteln. Der Angeklagte habe gewusst, dass er mit dem Feuer die Frau und ihre beiden Kinder in Todesgefahr bringe und habe dies billigend in Kauf genommen, sagte der Staatsanwalt.

Das Verfahren wird mit der Anhörung von Polizisten am 27. März fortgesetzt.

Aus dem Archiv: 

Brand in Wohnhaus und Scheune im Waldecker Stadtteil Netze

Brand in Wohnhaus und Scheune im Waldecker Stadtteil Netze
 © HessennewsTV
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 © 112magazin
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