Kreislauf der Kleidungsstücke: Vom Container bis in den Laden

Wo landen unsere Kleidungsstücke, nachdem wir sie gespendet haben? Wir haben den Weg vom Altkleidercontainer bis in den Second-Hand-Laden des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in der Kasseler Innenstadt nachverfolgt. Der Kilo-Shop feiert in dieser Woche seinen Geburtstag.

Abholen: Wenn Gunnar Fries die Kleidercontainer des DRK öffnet, weiß er nie, was ihn erwartet. Seit acht Jahren ist der 40-Jährige in der Stadt und im Landkreis Kassel unterwegs und leert die roten Behälter. Gesehen hat er schon einiges. „Das Ekligste waren weggeworfene Schlachtabfälle“, sagt er und erinnert sich zurück. Auch Sexspielzeug war schon dabei. „Das wird dann natürlich aussortiert“, sagt der DRK-Mitarbeiter und lacht. Solche Extremfälle seien aber äußerst selten.

Insgesamt 14 Container stehen im Stadtgebiet. Dazu kommen noch 15 im Landkreis Kassel. Fries fährt sie unterschiedlich häufig an. Einige müssen einmal pro Woche geleert werden, andere zweimal.

Für Fries ist es am leichtesten, wenn die Ware schon verpackt in Säcken im Container landet. Dann braucht er sie nur noch in die Boxen zu werfen. So wird die Kleidung nicht nass oder schmutzig.

Ist die Tour beendet und der Lastwagen gefüllt, macht sich der 40-Jährige auf den Weg in die Sortiererei nach Bettenhausen.

Und los geht's: Julia Schwekendiek wirft ein T-Shirt in den Kleidercontainer des Deutschen Roten Kreuzes am Königstor. Bis das Kleidungsstück im Laden liegt, durchläuft es einige Stationen.

Sortieren:  Hier wartet schon Nadine Borrock auf die Lieferung. Mit ihrem geschulten Auge nimmt die 34-Jährige Hosen, Handtaschen, T-Shirts und Hemden unter die Lupe. Fehlen Knöpfe an der Jacke? Ist der Rock zu sehr verwaschen? Hat das Hemd auch keine Löcher? Borrock weiß nach kurzer Zeit, ob das Kleidungsstück im Laden hängen wird oder nicht. Etwa 25 bis 30 Prozent der Spenden aus den Containern sind in Ordnung. Der Rest ist Ausschussware und wird weiterverkauft und zu Dämmstoffen, Putzlappen und Autopolstern verarbeitet.

Einräumen: Am Vormittag ist im Kilo-Shop am Stern schon einiges los. Überall im Laden tummeln sich Kunden auf der Suche nach einem passenden Kleidungsstück. Heidi Introvigne und ihre Kollegin Elvira Wedl kommen mit dem Kassieren kaum hinterher. Auf einer Waage werden die Preise ermittelt. Nebenbei sortieren die beiden Verkäuferinnen die eingetroffene Ware ein. Introvigne ist schon seit der Eröffnung vor zehn Jahren dabei. „Wir haben hier einen sehr guten Draht zu den Kunden“, sagt sie.

Die beiden Kolleginnen müssen nicht nur in Kleidungsfragen-, sondern manchmal auch in Lebensfragen weiterhelfen. „Einige kommen auch zum Reden hierher“, sagt Introvigne. Der Kundenkontakt im Kilo-Shop sei viel stärker als in anderen Klamottenläden. Etwa 70 bis 80 Prozent der Schnäppchenjäger seien Stammkunden, sagt Introvigne.

Kaufen:  Dazu gehört auch Monica Hambitzer. Seit mindestens acht Jahren kommt sie in den Laden. Der günstige Preis ist für die 62-Jährige nicht das entscheidende Kriterium, im Kilo-Shop einzukaufen. „Die Atmosphäre hier ist freundlich und familiär“, sagt sie. Hambitzer ist begeistert von der Auswahl und Qualität. „Ich finde immer etwas.“ „Es wäre viel zu schade, wenn diese Klamotten im Müll landen würden“, betont sie. Und schon macht sich Hambitzer wieder auf die Suche nach dem nächsten Schnäppchen.

Von Nina Thöne

Rubriklistenbild: © Thöne

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