Friedhofsverwaltung plant Instandsetzungen

Kriegsgräber teils marode - Hinterbliebene beklagt Zustand

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Vor etwa 60 Jahren angelegt: Die Gräber für die Kriegsopfer des Zweiten Weltkriegs auf dem Rothenditmolder Friedhof sind in die Jahre gekommen. Friedhofsgärtner Ralf Maaß recht das Laub weg.

Kassel. Die Anfang der 50er-Jahre angelegten Gräber für Kassels Kriegsopfer sind zum Teil in einem schlechten Zustand. Ab Mai soll das größte Bombenopferfeld auf dem Hauptfriedhof für 58.000 Euro saniert werden.

Auch das Gräberfeld auf dem Rothenditmolder Friedhof soll in Ordnung gebracht werden. Eine Überlebende, deren Eltern und Bruder in der Bombennacht am 22. Oktober 1943 ums Leben kamen, hatte sich wegen des schlechten Zustands der Rothenditmolder Gräber an die HNA gewandt.

Ursula Erasmus (85) hatte bis 1945 in Kassel an der Kölnischen Straße gelebt. Inzwischen wohnt die Rentnerin in der Nähe von Mannheim. Aber alle paar Jahre kommt sie noch auf den Rothenditmolder Friedhof, wo die Gräber für ihre Familienmitglieder stehen. Bei ihrem jüngsten Besuch war sie erschrocken. „Die Schrift auf den Gedenkkreuzen ist kaum noch zu entziffern“, sagt Erasmus. Der Zustand der Kreuze sei „der unschuldigen Opfer unwürdig“.

Jürgen Werner, stellvertretender Leiter der Friedhofsverwaltung, teilte auf HNA-Anfrage mit, dass er das Problem bereits erkannt habe. Bis zum Sommer würden die Steinkreuze vom Moos befreit und die Beschriftung nachgebessert werden. Damit der Effekt dauerhafter sei, würden die Steine etwas über die Grasnarbe angehoben, dann vermoosten sie nicht so schnell.

Mehr Informationen zum Hauptfriedhof finden Sie im HNA-Regiowiki.

Wesentlich aufwendiger werden aber die Instandsetzungsarbeiten auf dem Hauptfriedhof ausfallen, die spätestens im Mai beginnen sollen. Die über die Jahrzehnte entstandenen Unebenheiten auf dem Bombenopferfeld sollen ausgeglichen, schief stehende Grabsteine neu fundamentiert werden. Anschließend gibt es eine neue Rasenfläche. Auch die marode gewordene Treppenanlage aus Sandstein soll saniert werden. Die Aufwertung der Anlage werde etwa 58.000 Euro kosten, sagt Werner. Das Geld komme zu 95 Prozent vom Land Hessen. Aktuell ist das Areal teilweise für eine Baumfällung abgesperrt.

Für die laufende Pflege der Kriegsopfergräber, die sich auf zwölf der insgesamt 14 Kasseler Friedhöfe verteilen, stellt das Land jährlich etwa 200.000 Euro zur Verfügung. Zudem kümmert sich die Friedhofsverwaltung auch um die russischen und englischen Soldatenfriedhöfe am Keilsberg in Niederzwehren. Dort liegen Kriegsgefangene des Ersten Weltkrieges begraben, die im Lager Niederzwehren an der Fleckfieberseuche starben.

Die Vollwaise Ursula Erasmus ist jedenfalls froh, dass die Rothenditmolder Gräber für ihre Eltern und ihren Bruder wieder in Ordnung gebracht werden. Bei ihrem nächsten Besuch in Kassel – „wenn ich ihn noch erlebe“ – wolle sie sich das Ergebnis ansehen.

Von Bastian Ludwig

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