Kripo besorgt: Mehr Suizide in Stadt und Landkreis

Kassel. Der Erste Kriminalhauptkommissar Fred Lenhoff ist besorgt über die steigende Zahl der Suizide in Stadt und Landkreis Kassel. Die Kasseler Kripo habe in diesem Jahr bereits über 40 Selbsttötungen registriert.

Im gesamten Jahr 2010 sei die Polizei 69-mal und im Vorjahr 72-mal alarmiert worden, weil ein Mensch freiwillig aus dem Leben geschieden ist. Das sagte der Leiter des Kommissariats 11 anlässlich seiner bevorstehenden Pensionierung. Die Kriminalpolizei habe immer häufiger mit psychisch kranken Menschen zu tun. Nach Lenhoffs Ansicht bekommen diese Menschen nicht genügend Hilfe. Die Zahl der Einweisungen nehme zu, die Verweildauer in psychiatrischen Einrichtungen sei aber oft viel zu kurz, und die Kranken würden sich selbst überlassen.

Dieses Defizit eskaliere immer häufiger im Freitod oder in Gewalt gegen Dritte. In diesem Zusammenhang kritisiert Lenhoff, dass in Deutschland immer noch nicht ein speziell ausgebildeter Arzt die Leichenschau vornimmt. „Tote haben keine Lobby.“ Kürzlich habe ein Bestatter angerufen, weil er bei einer Leiche eine Schnittwunde am Hals festgestellt hatte. Der Arzt hatte diese wohl übersehen und einen natürlichen Tod attestiert. Wie sich später herausstellte, hatte sich der Mann mit einem Trennschleifer umgebracht. (use)

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