Provokante Thesen

Kasseler Professor nach Kritik an Homo-Ehe: "Artikel unsachlich" - Uni prüft Schritte

Kassel. Die provokanten Thesen zur Homo-Ehe von Prof. Dr. Ulrich Kutschera, der an Uni Kassel Biologie lehrt, haben hohe Wellen geschlagen. Auch Kutschera kommentiert den HNA-Artikel.

Aktualisiert um 17.05 Uhr. Nun äußert sich dazu auch erstmals der Präsident der Universität Kassel. „Mich haben in den letzten Tagen viele kritische bis zum Teil entsetzte Reaktionen erreicht, die ich nur allzu gut nachvollziehen kann“, erklärt Prof. Dr. Reiner Finkeldey in einer Pressemitteilung. „Von Mitgliedern der Universität sollen keine Äußerungen gemacht werden, von denen sich Menschen verletzt und abgewertet fühlen.“

Dr. Ulrich Kutschera

Zu personalrechtlichen Fragen dürfe sich die Uni aber nicht äußern – diese seien ausnahmslos vertraulich zu behandeln. Dies gelte auch in diesem Fall. „Wir können aber versichern, dass das Präsidium der Universität Kassel Pflichten und Rechte von beamteten Hochschulmitgliedern vollumfänglich im Blick hat, ebenso den Umstand, dass verletzende und diskriminierende Aussagen nicht an unsere Universität gehören, egal von wem sie geäußert werden.“ Die Stellungnahme von Wissenschaftsminister Boris Rhein werde man dabei in die weiteren Erwägungen mit einbeziehen.

Rhein hatte erklärt, dass er die Äußerungen Kutscheras für „dermaßen abstrus“ hält, dass er erwarte, dass die Universität prüft, ob der Professor als Beamter seine Pflichten dadurch verletzt hat.

Professor Ulrich Kutschera hatte mit provokanten Äußerungen zur Homo-Ehe für Empörung gesorgt. In einem Interview hat er homosexuelle Paare als „sterile Erotik-Duos ohne Reproduktionspotenzial“ bezeichnet. Solche Ehen zu privilegieren, sei ungerecht, so der Kasseler Biologie-Professor, da deren Rente von Kindern heterosexueller Paare finanziert werde. Sollte man homosexuellen Paaren das Adoptionsrecht gewähren, sehe er „staatlich geförderte Pädophilie und Kindesmissbrauch auf uns zukommen.“

Nach der Kritik Kutscheras an der Homo-Ehe haben zwei Privatpersonen gegen den Dozenten der Universität Kassel Strafanzeige erstattet. Bei den Anzeigeerstattern handele es sich um zwei Männer, bestätigte Polizeisprecher Matthias Mänz am Mittwoch auf Anfrage. Einer der beiden habe Anzeige gegen den Biologen wegen Volksverhetzung und Beleidigung erstattet, der andere wegen Verleumdung. Die Polizei werde nun prüfen, ob die Tatbestände möglicherweise durch Äußerungen des Biologen erfüllt worden seien, erklärte Mänz.

Lesen Sie auch unseren Kommentar zu den Äußerungen Kutscheras und eine Gegenrede des Kasseler Erziehungswissenschaftlers Harald Doenst.

Auch Kutschera selbst hat sich mittlerweile zu unserem Artikel geäußert und ihn als unsachlich und einseitig kritisiert. Im Folgenden seine Erwiderung.

Ehe für alle und der Stiefvater-Effekt

Von Ulrich Kutschera

Der HNA-Artikel „Staatlich geförderte Pädophilie: Kasseler Professor wettert gegen Homo-Ehe“ vom 17.07.2017 ist unsachlich und einseitig. Im kritisierten Kath.net-Interview werden drei Sachverhalte thematisiert: Der Zusammenhang der neudeutschen Universal-Ehe mit der Gender-Ideologie (A), die biologischen Grundlagen des Mensch-Seins (B) sowie die Pädophilie (C).

  • A. Die Offenlegung der Tatsache, dass die „Ehe für alle“ eine Ausgeburt der von dem US-Psychologen John Money (1921–2006) begründeten Geschlechter-Ideologie ist, wird im Fachbuch „Das Gender-Paradoxon“ (siehe Fußnote 1 am Ende des Artikels) ausführlich thematisiert. In diesem Text wird auch dargelegt, dass der kinderlose Urvater der „Frau-gleich-Mann-Glaubenslehre“, der sich selbst über sein verfehltes Baby-Kastrationsexperiment widerlegt hat, die Pädophilie befürwortete. Money beschimpfte die Kritiker seiner Gender-Irrlehre als „rechtsradikale Rassisten“ – wie es noch heute seine radikalfeministischen Nachfolger(innen) tun.
  • B. Im Kath.net-Interview wird unter Verweis auf das Gender-Buch (1) dargelegt, dass in der Biologie seit 1735 der Begriff „Sex“ für zweigeschlechtliche Fortpflanzung (d.h. Befruchtung) steht, während Gender, ab 1876, die Entwicklung zum geschlechtsreifen Tier bedeutet. Daher kann es nur Hetero-Sex geben, während homoerotisch geborene Männer und Frauen, die keineswegs diskriminiert werden dürfen, nur zu a-sexuellen Eros-Handlungen fähig sind. Kinder werden während der vorgeburtlichen Entwicklung vollständig auf die Stimme der leiblichen Mutter geprägt. Daher ist ein willkürlicher Austausch dieser wichtigsten Bezugsperson durch fremde Menschen unakzeptabel. Befürworter der Moneyistischen Gender-Ideologie mögen in einen Kindergarten gehen und dort die Kleinen fragen: „Wer von euch möchte seine Mama durch einen fremden Mann ersetzen?“ Die wenigsten werden wohl diesem Vorschlag zustimmen, da nützt auch eine noch so intensive „Früh-Erotisierung“ à la Money nichts. Erst nach der Pubertät sind Menschen zu Sex-Akten, d.h. inneren Befruchtungen, fähig – einen kindlichen „Früh-Sex“ gibt es nicht.
  • C. John Money hat in seinen bekannten „Liebes-Landkarten“ (love maps) die Pädophilie befürwortend als „übersteigerte Elternliebe“ bezeichnet (1). Leibliche Eltern, Vater und Mutter, sind mit ihrem Kind zu je 50 % genetisch verwandt (Inzucht-Hemmung), während ein Stief-Vater mit einer im Haushalt lebenden Tochter keinerlei genetische Verbindung aufweist – es handelt sich um ein fremdes Mädchen in der Obhut eines nicht verwandten heteronormalen Mannes. Das daraus resultierende „Stiefvater-Problem“, bis zu Misshandlungen bzw. Vergewaltigungen, ist hinreichend bekannt (es gibt auch gute Stiefväter, wie z. B. jener der Frankfurter Künstlerin und Biologin Maria Sibylla Merian, 1647–1717, die vor 300 Jahren gestorben ist). Adoptieren z.B. zwei homoerotische Männer ein genetisch fremdes Kind, so kann u.U. der doppelte Stiefvater-Effekt in Erscheinung treten: der Verwandtschaftsgrad ist mit „null“ zu beziffern und die elterliche, erblich verankerte Inzucht-Hemmung entfällt. Im Kath.net-Interview habe ich von möglichen pädophilen Handlungen gesprochen, und nirgendwo behauptet, alle homoerotisch geborenen Männer wären pädophil. Ich habe mich bei dem Hinweis auf die mindestens 10-fach höhere Wahrscheinlichkeit einer Kindesmisshandlung auf eine Studie im Deutschen Ärzteblatt bezogen („Gefährdung der Jungen“ D.Ä. 106/49, 2009). Die Offenlegung des Regensburger Domspatzen-Skandals deutet darauf hin, dass diese Gefährdung abhängiger Jungen durch selbsternannte (z.T. pädophile) „Stiefväter“ nicht leichtfertig von der Hand zu weisen ist.

Auf eine Originalarbeit zum Thema Adoption möchte ich nachfolgend verweisen. Im Jahr 2012 hat der US-Soziologe Mark Regnerus eine umfangreiche Studie vorgelegt, die erschreckenden Resultate zu Tage gefördert hat (2). So konnte ermittelt werden, dass nicht nur Jungs von ihren Homo-Vätern, sondern auch Mädchen von lesbischen Mutter-Duos mit 10-fach hoher Wahrscheinlichkeit sexuell berührt bzw. zu entsprechenden Handlungen genötigt worden sind, bezogen auf eine heteronormale Eltern-Gruppe. Insgesamt betrachtet zeigt diese seriöse Studie (2), dass Kinder ohne biologische Eltern (Vater und Mutter) häufiger unter Depressionen leiden, später wesentlich öfter auf Sozialhilfe angewiesen sind, häufiger kriminell werden, öfter Rauschmittel zu sich nehmen u.a. problematische Verhaltensweisen zeigen.

Im Gegensatz zur immer wieder angeführten, von einer SPD-Politikerin in Auftrag gegebenen „Bamberger Regenbogen-Studie“ (93 % Frauen-Duos vs. 7 % Homo-Männerpaare mit Kindern umfassend) ist der objektive Regnerus-Report (2) in einer referierten Fachzeitschrift erschienen und erfüllt somit internationale wissenschaftliche Standards.

Fazit: Kinder benötigen ihre biologischen Eltern, um sich optimal entwickeln zu können. An erster Stelle steht das Wohl der Schutzbefohlenen; der Eltern-Egoismus darf nicht dominieren (1, 2).

Fußnoten:

(1) Kutschera, U. (2016) Das Gender-Paradoxon. Mann und Frau als evolvierte Menschentypen. Lit-Verlag, Berlin.

(2) Regnerus, M. (2012) How different are the adult children of parents who have same-sex relationships? Social Science Research 41,752-770.

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