Kunstaktion für linke Aktivistin Lina E.

Kartenhaus der Beweise fällt in sich zusammen: Protestaktion in Kassel

Unterstützung für Lina E.: Kunstaktion auf dem Friedrichsplatz Kassel.
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Unterstützung für Lina E.: Kunstaktion auf dem Friedrichsplatz.

Unterstützer von Lina E. haben in Kassel die Freilassung der linken Aktivistin gefordert. Ein Redner sorgte für Unmut, weil er Gewalt gegen Rechte legitimierte.

Kassel – Bei einer Kunstaktion auf dem Friedrichsplatz haben Unterstützer von Lina E. am Freitag die Freilassung der Kasseler Studentin gefordert, die seit einem Jahr in U-Haft ist und sich vor dem Oberlandesgericht Dresden verantworten muss.

Die 26-Jährige soll Anführerin einer militanten linken Gruppe sein, die tatsächliche oder vermeintliche Rechtsextremisten brutal angegriffen haben soll. Auf dem Friedrichsplatz sagte ein Redner der Gruppe Fantasma: „Jede Form von antifaschistischer Praxis ist legitim.“ Dies stößt auf Kritik.

So findet Jonas Dörge vom Bündnis gegen Antisemitismus den Satz „abenteuerlich“, wie er auf Facebook schreibt: „Auch wenn das zweierlei Maß zurecht kritisiert wird, das die Behörden gegen Lina E. an den Tag legen, so maßen sich diese Gruppen an, alle zu Nazis zu erklären, die nicht ihrem engstirnigen Weltbild entsprechen.“

Protest in Kassel: Kartenhaus aus vermeintlichen Beweisen wird zum Eimnsturz gebracht

Auf der Veranstaltung mit mehr als 100 Besuchern erhielt der Redner keinen Widerspruch. Gegenüber der HNA distanzierten sich die Organisatoren jedoch von dem Satz. „Das hat mich sehr geärgert“, sagt Moderatorin Iris Riedmüller vom Jugendcircus Rambazotti, die die „liebevolle Atmosphäre“ auf dem Friedrichsplatz betont und nicht weiß, wer sich hinter Fantasma verbirgt: „Ich finde es negativ, Bengalos anzuzünden und Scheiben einzuschmeißen.“ Damit spielt sie auf Solidaritätsdemos für Lina E. an, die nicht immer friedlich verliefen.

In Kassel bauten Artisten des Jugendcircus, dem Lina E. zehn Jahre angehört hatte, aus den vermeintlichen Beweisen der Staatsanwaltschaft ein Kartenhaus, das einstürzte. Aus Sicht der Unterstützer von Lina E. sind die bislang vorgelegten Beweise, die belegen sollen, dass die Studentin Anführerin einer kriminellen Vereinigung war, nicht überzeugend. Als einzige der vier Angeklagten ist sie in U-Haft.

Prozess gegen Lina aus Kassel: Diskursverschiebung und Ablehnung des Richters

Mitorganisatorin Gisela Honens versichert: „Die Freunde und Freundinnen von Lina, die die Aktion organisiert haben, distanzieren sich von jeder Form der Gewalt.“ Linken-Politikerin Violetta Bock, die eine Rede hielt, findet, dass „man die Diskussion in die falsche Richtung verschiebt, wenn man die Kundgebung auf diesen Satz reduziert. Es geht um die Inszenierung eines Prozesses mit zweifelhaften Beweisen.“

Unterdessen erklärten die Verteidiger der Angeklagten, dass ihre Mandanten den Vorsitzenden Richter Hans Schlüter-Staats als befangen ablehnen. Der hatte in der vorigen Woche gesagt, es sei nicht seine Aufgabe, die Ermittlungsarbeit bei der Polizei zu überprüfen. Der Prozess wird morgen fortgesetzt. (Matthias Lohr)

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