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Sanktionen gegen Russland betreffen Kasseler Konzern Wintershall Dea

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Von: Matthias Lohr

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Firmengebäude des Kasseler Öl- und Gaskonzerns Wintershall Dea an der Friedrich-Ebert-Straße 160.
Sitz des Kasseler Öl- und Gaskonzerns Wintershall Dea an der Friedrich-Ebert-Straße 160. © Dieter Schachtschneider

Auch der Kasseler Öl- und Gaskonzern Wintershall Dea wird von den Sanktionen getroffen, die die Europäische Union und andere Staaten gegen Russland verhängen.

Kassel – Sprecher Michael Sasse sagte: „Derzeit ist noch nicht abzusehen, wie unmittelbar uns die aktuellen oder erwartbare künftige Sanktionen betreffen werden. Dass sie uns treffen werden, ist absolut klar.“

Russland verursache mit seinem Angriffskrieg unfassbares Leid. Das Unternehmen fühle „mit den Menschen in der Ukraine, die sich tapfer und unbeschreiblich mutig der Invasion entgegenstellen“, sagte Sasse.

Wintershall Dea ist seit mehr als 30 Jahren in Russland tätig und an der Finanzierung der umstrittenen Pipeline Nord Stream 2 beteiligt. Gut 70 Prozent der Anteile des 2500 Mitarbeiter zählenden Unternehmens hält BASF. Der Rest gehört Letter–One, einer Beteiligungsgesellschaft, in der der russische Oligarch Michail Fridman seine Dea-Anteile gebündelt hat.

Reaktion von Wintershall auf den Krieg gegen die Ukraine

Auch beim Kasseler Öl- und Gas-Unternehmen Wintershall Dea war man am Donnerstagmorgen „geschockt“ über das, was in der Ukraine in der Nacht zuvor passiert war. So stand es im Statement, das Konzernchef Mario Mehren verbreiten ließ, nachdem er die angesetzte Bilanzpressekonferenz abgesagt hatte. Nur fehlte in seinen Äußerungen das Wort „Krieg“. Stattdessen war etwa von einer „Militäroperation“ und „militärischer Eskalation“ die Rede.

Dies verwunderte manche Beobachter. Sie fragten sich: Wieso benutzt ein deutscher Wirtschaftsboss das von Russlands Präsidenten Wladimir Putin vorgegebene und beschönigende Vokabular für den kriegerischen Überfall auf die Ukraine?

Dazu kommen die wirtschaftlichen Verflechtungen der einstigen BASF-Tochter Wintershall, die 2019 mit dem Rivalen Dea fusionierte. Das 2500 Mitarbeiter zählende Unternehmen fördert unter anderem mit dem russischen Staatskonzern Gazprom Gas in Sibirien und finanziert die umstrittene Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 mit, deren Zukunft nun offen ist. Gerade vor diesem Hintergrund sei die Wortwahl Mehrens „nicht hinnehmbar“, findet etwa der ehemalige Grünen-Stadtverordnete Iring von Buttlar: „So deutlich haben wir die Abhängigkeit des Kasseler Betriebes von Gazprom und seinem Diktator Putin nicht vermutet.“

Mario Mehren, Konzernchef Wintershall Dea
Mario Mehren, Konzernchef Wintershall Dea © Thomas Speckmann,

Bereits am Donnerstagabend hatte Konzernsprecher Michael Sasse auf Anfrage erklärt, dass die Informationslage am Morgen noch nicht klar gewesen sei. Darum habe auch er bis dahin noch nicht den Begriff „Krieg“ verwendet: „Jetzt ist es da.“ Und er versichert: „Niemand wird es mir verbieten, es in den Mund zu nehmen.“

Mittlerweile nennt auch sein Chef Mario Mehren die „Militäroperation“ in der Ukraine „Krieg“. Gegenüber der HNA teilte der 51-Jährige mit: „Es ist das passiert, was viele, auch ich, sich nicht vorstellen konnten. Deshalb habe ich am Donnerstagmorgen noch zurückhaltend formuliert und zunächst von einer militärischen Eskalation Russlands gesprochen.“

Im Laufe des Tages sei dann aber zweifellos klar geworden, dass Präsident Putin einen Angriffskrieg gegen die Ukraine führt. Eben diesen hatte der Autokrat allerdings schon in seinem in der Nacht verbreiteten Statement angekündigt. Für die allermeisten Medien und Beobachter war daher schon am Morgen klar: Es herrscht wieder Krieg in Europa.

Bei Wintershall Dea ist man darüber nicht nur „entsetzt und schockiert“, wie Mehren versichert: „Das geht uns im Vorstand und vielen unserer Mitarbeiter auch persönlich sehr nah.“ Denn auch in der Kasseler Zentrale sind viele Mitarbeiter aus Russland, Belarus, der Ukraine und den zentralasiatischen Staaten beschäftigt. Sie sorgen sich nun ganz besonders, was Putins Krieg im Osten anrichtet.

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