Kritik an Ehrungen für Branner und Seidel

Forscher halten frühere Oberbürgermeister für NS-belastet

Karl Branner und Willi Seidel.

Kassel. Die Ehrungen für die ehemaligen Kasseler SPD-Oberbürgermeister Karl Branner und Willi Seidel stehen auf dem Spiel

Bei der Präsentation ihrer Studie zur NS-Vergangenheit der Stadtväter ließen die von der Stadt beauftragten Historiker deren Ehrungen und die Benennungen von Bauwerken nach ihnen als zweifelhaft erscheinen.

Bei der Vorstellung der Studie am Montagabend im Kasseler Rathaus legten drei der Autoren der Studie dar, warum sie Branner (1910-1997) und Seidel (1885-1976) für „stark NS-belastet“ halten. Für den ebenfalls in der Studie behandelten SPD-Oberbürgermeister Lauritz Lauritzen (1910-1980) treffe dies nicht in gleichem Maße zu. Von den über 300 Zuhörern im Bürgersaal kamen zahlreiche Nachfragen an die Historiker, die seit anderthalb Jahren an der Untersuchung der Biografien gearbeitet hatten. Viele forderten, nachdem nun die Fakten zu den NS-Verstrickungen der SPD-Männern auf dem Tisch liegen, Konsequenzen.

Oberbürgermeister Bertram Hilgen (SPD) lehnte es aber ab, sich zu seiner persönlichen Meinung öffentlich zu äußern. Zunächst wolle er mit den Fraktionen über den weiteren Umgang mit dem Erbe der Persönlichkeiten sprechen.

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Konkret geht es um zahlreichen Auszeichnungen (Bundesverdienstkreuz etc.) sowie die Umbenennung der Karl-Branner-Brücke und der Karl-Branner-Seitenhalle im Rathaus sowie des Willi-Seidel-Hauses. Bis zu den Sommerferien, so sieht es der von Hilgen vorgegebene Fahrplan vor, soll über die Konsequenzen entschieden worden sein. Wie die HNA berichtete, hatte Branner in seiner Doktorarbeit klar nationalsozialistische Positionen vertreten und war in mehreren NS-Organisationen aktiv. Willi Seidel war in der Stadtverwaltung während des Kriegs unter anderem für die Einrichtung von Judenhäusern zuständig, in denen Juden in Vorbereitung ihrer Deportation zusammengelegt wurden.

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