Zollmauerpark wurden im Ortsbeirat debattiert

Planungen für Fuldaufer - Kritik an Bauherr: Hausboote zu klein gemalt

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So stellt Bauherr Grone seine Planungen vor: Laut Kritik im Ortsbeirat Unterneustadt sind die schwimmenden Gebäude viel zu klein dargestellt.

Kassel. Die Pläne für Öko-Hausboote auf der Fulda beim Zollmauerpark waren am Donnerstag Thema im Unterneustädter Ortsbeirat. Massive Kritik mussten dabei Vertreter der Stadt einstecken für die Rolle, die das Rathaus bei der Genehmigung des umstrittenen Liegeplatzes gespielt hat.

Von „dämlichen Ausreden“ war aus dem Publikum die Rede. Ortsvorsteher Joachim Schleißing nannte es „irritierend“, wie ohne Beteiligung von Stadtteilvertretern eine Privatnutzung öffentlichen Raumes durchgewinkt worden sei.

Ortsbeiratsmitglied Andreas Süßenguth warf dem Rathaus vor, nicht erkannt zu haben, „dass es sich hier um einen sensiblen Bereich handelt, an dem viele ein Interesse haben“. Dies hätte nach seinen Worten aber auch Bauherr Hans-Georg Grone ins Kalkül ziehen müssen.

Grone war ebenfalls zu der Sitzung gekommen. Technische Details seines Vorhabens interessierten die Beiratsmitglieder und Zuhörer allenfalls am Rande. Vor allem wurde der Bauherr mit Täuschungsvorwürfen konfrontiert: In den Skizzen, die er verbreite, würden seine geplanten Boote maßstäblich viel zu klein dargestellt, hieß es. Die Mauer am Parkufer sei gut zwei Meter hoch, Grones Schwimmkörper sollten nach dessen eigener Darstellung etwa drei Mal so hoch auf dem Wasser liegen, führte ein Zuhörer aus, der sich für dumm verkauft fühlte.

Bauherr Grone vermochte dies nicht recht zu entkräften. Gemessen an seinen ambitionierten Ideen präsentierte er sich bemerkenswert blauäugig in seiner Herangehensweise: Er habe sich „wie ein kleiner Junge durchgefragt“ vom erstbesten Stadt-Angestellten am Parkufer über Ansprechpartner im Rathaus bis zum Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA), das ihm am Ende eine gültige Genehmigung für den Liegeplatzbau ausgestellt hat.

Schifffahrtsamt blieb fern 

Volker Mohr

Vertreter der Bundesbehörde aus Hann. Münden waren trotz Einladung nicht zu der Sitzung gekommen. Hans-Georg Grone indessen versicherte, er habe nach bestem Wissen erfüllt, was im das WSA und die Stadt Kassel aufgegeben hätten. Darin folgten ihm Ortsbeirat und Zuhörer auch.

Für die Stadt bedauerte Volker Mohr, Amtsleiter für Stadtplanung, Bauaufsicht und Denkmalschutz, dass die Sache bei der Behandlung im Rathaus unglücklich gelaufen sei. Für den Liegeplatz sei „die Genehmigung aber nun mal da“. Es gebe über Grones Projekt allerdings noch Gespräche mit dem WSA sowie mit dem Landesamt für Denkmalpflege.

Über das, was der Bauherr konkret am Zollmauerpark vorhabe, sei die Stadt von Grone selbst bisher noch nicht informiert worden, sagte Mohr. Man kenne das Projekt nur aus der Zeitung. „So, wie sich das darstellt, wäre das baugenehmigungspflichtig“, meinte der Amtsleiter, „und dann wäre die Stadt wieder mit im Boot.“

Zu Grones Plänen gab es in der Sitzung auch positive Stimmen. „Ist es denn wirklich so schlimm, was da entstehen soll?“, fragte ein Zuhörer.

Allgemein wurde begrüßt, dass Bauherr, Stadt und Ortsbeirat jetzt direkt im Gespräch sind. Vielleicht, so hieß es, finde sich ein gemeinsamer Weg und ein konsensfähiger Ort für Grones Vorhaben.

Hintergrund:

Der Mann hinter den Hausboot-Plänen hat einen ungewöhnlichen Werdegang und ist auf ganz unterschiedlichen Feldern freiberuflich tätig: Hans-Georg Grone (52) stammt aus Beverungen und wohnt im Vorderen Westen.

Nach einer Installateurslehre hat Grone Elektrotechnik studiert und eine Zusatzausbildung zum Multimedia-Redakteur gemacht. Elf Jahre war er bei einem Großunternehmen für industrielle Automatisierungstechnik, wo er für Industrie- und Imagefilme verantwortlich war.

Nach einer Station als Marketingleiter eines Anlagenbauers machte er sich 2002 selbstständig mit einem Planungsbüro für technisches Gebäudemanagement sowie einem Industrie- und Werbefilmstudio. Parallel entwarf Grone, der auch eine künstlerische Ader hat, Lichtskulpturen und baute eine museale Sammlung historischer Technikgeräte auf.

Neben seinen Plänen für das Kasseler Fuldaufer verfolgt Grone berbeits seit Jahren in Helsa das Projekt eines Öko-Kleinkraftwerks an einer alten Wassermühle.

Von Axel Schwarz

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