"Nichts hat sich gebessert"

Kritik des Herkulesbahn-Vereins: Verkehrslage am Bergpark weiter chaotisch

Unklare Regelungen: An der Zufahrtsstraße zum Herkules ist das Parken gratis. Deswegen drehen immer wieder Fahrer am gebührenpflichtigen Parkplatz beim Besucherzentrum um und quetschen sich noch in die Schlange am Fahrbahnrand. Unser Bild entstand im August zu den Wasserspielen. Foto: Zgoll

Kassel. Nach Ablauf der zweiten Wasserspiel-Saison seit Ernennung des Bergparks zum Weltkulturerbe hat der Förderverein Neue Herkulesbahn ein negatives Fazit der Verkehrsentwicklung rund um Herkules und Schloss Wilhelmshöhe gezogen.

„Gegenüber dem Vorjahr ist nichts besser geworden“, kritisiert Vorstandsmitglied Wolfgang Kann. Ein schlüssiges Verkehrskonzept für den anhaltenden Besucheransturm lasse weiter auf sich warten, dringend nötige Verbesserungen würden bei Stadt Kassel und Land Hessen „ausgesessen“. Die Kritikpunkte im Einzelnen:

Parkplatzsituation

Obwohl es seit einiger Zeit Parkeinweiser der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK) gibt, reichen die Parkplätze am Herkules und am Schloss laut Kann bei Weitem nicht aus: „Geparkt wurde, wo es Platz gab – vorzugsweise entlang von Straßen und auf Gehwegen.“ Das erlaubte Parken entlang der Herkules-Zufahrtsstraße würden viele Fahrer so interpretieren, dass dies in der Nähe des Schlosses ebenfalls gestattet sei – dort bleibe das häufige Falschparken aber ungesühnt. Am Herkulesplateau würden viele Fahrer spontan wenden, wenn ihnen klar werde, dass sie dort Geld fürs Parken zahlen sollen, etwas weiter vorn entlang der Straße aber gratis parken könnten.

Busse und Bahnen 

Die KVG fährt an Wasserspieltagen in dichterem Takt und mit zusätzlichen Linienbussen. Die würden aber durch den Parksuchverkehr von Autos und Reisebussen so häufig behindert, dass Störungen im Betriebsablauf die Regel seien. Für gravierende Verzögerungen sorge weiterhin, dass sich jeder auswärtige Fahrgast einzeln ein Ticket beim Busfahrer kaufen müsse. Einmal, so Kann, hätten Beobachter seines Vereins eine Standzeit von 17 Minuten gemessen, bis alle Passagiere abgefertigt waren. Die Situation entstehe, „weil sich die MHK nach wie vor weigert, ein Kombiticket zusammen mit der KVG anzubieten“. Die MHK hatte dazu gegenüber der HNA zuletzt gesagt, man sei in Gesprächen mit Stadt und KVG, um dieses Problem zu lösen.

Ordnungspersonal 

Das System der Parkkontrollen an Wasserspieltagen hat laut Wolfgang Kann Lücken: Bei den beleuchteten Sonder-Wasserspielen abends herrsche „noch mehr verkehrliches Wildwest“, da es dann keine Parkgebühren und nur wenig Ordnungspersonal gebe. Und da seit Beginn der Winterpause gar niemand mehr kontrolliere, würden die Busparkplätze am Herkules und nahe gelegene Waldwege regelmäßig verkehrswidrig zugeparkt. Auch außerhalb der Saison kämen wesentlich mehr Besucher als noch vor Jahren.

Daraus müssten endlich Lehren gezogen werden, fordert der Verein. Die Stadt solle einem bereits 2011 gefassten Parlamentsbeschluss folgen und mit dem Land Hessen Verhandlungen über die Finanzierung einer neuen Herkulesbahn aufnehmen. Mit dem Grünen Tarek Al-Wazir als neuem Verkehrsminister ist nach Auffassung des Vereins die Chance gestiegen, auf Gesprächsbereitschaft zu stoßen.

Verein will Straßenbahn bis zum Herkules

Der Förderverein Neue Herkulesbahn setzt sich seit Jahren dafür ein, dass wieder eine Straßenbahntrasse hinauf zum Herkules gebaut wird. So etwas gab es früher schon einmal von 1902 bis 1966 dann wurden die Schienen durchs Druseltal stillgelegt, stattdessen fahren seither Linienbusse hinauf zu Kassels Wahrzeichen. Eine moderne Herkulesbahn könne einen Großteil der Verkehrsprobleme rund um die Welterbestätten lösen, so die Hoffnung. Über Vorgespräche zwischen der Stadt Kassel und dem Land Hessen ist dieses Projekt bislang nicht hinausgekommen. Die hohen Betriebskosten an Tagen ohne Wasserspiele droht nach Einschätzung von Kritikern eine schwache Auslastung sind bislang der Grund, dass das Bahnprojekt auf Eis liegt. (tos/asz)

Von Axel Schwarz

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.