60 Mitarbeiter sind betroffen

Kritik an Aus für Institut für dezentrale Energietechnologien

Bislang noch Geschäftsstelle des Instituts für dezentrale Energien: Ein Teil der Mitarbeiter arbeitet in diesem Haus am Ständeplatz/ Ecke Wilhelmsstraße. Foto: Ludwig

Kassel. Viele der 60 Mitarbeiter des Instituts für dezentrale Energietechnologien in Kassel (IdE), das vor der Schließung steht, üben Kritik an der Entscheidung.

Das IdE habe gute Arbeit geleistet und solle dem neuen House of Energy geopfert werden, so der Tenor. Wie die HNA berichtete, soll das IdE abgewickelt werden. Zwar sollen die meisten Forscher Anschlussverträge an der Uni Kassel angeboten bekommen – diese sind für viele aber weniger attraktiv.

„Die Schließung des IdE richtet in der Energiebranche in Nordhessen und an der Uni großen Schaden an. Wenn in drei Jahren die letzten Projekte des IdE abgearbeitet sind, werden 50 hochqualifizierte Wissenschaftler den Standort verlassen haben“, sagt Prof. Klaus Vajen, wissenschaftlicher Leiter der Abteilung Thermische Energiesysteme am IdE und Leiter des Fachgebiets Solar- und Anlagentechnik an der Uni.

Prof. Klaus Vajen

Vajen wird in seiner Kritik unterstützt von Prof. Jens Hesselbach, wissenschaftlicher Institutsleiter des IdE. Beide sind sich sicher, dass eine Weiterbeschäftigung an der Uni für die meisten der jungen Wissenschaftler uninteressant ist. In einem Gespräch mit der HNA bestätigten IdE-Mitarbeiter diese Einschätzung. „Im Lebenslauf macht es sich nicht gut, wenn ein junger Ingenieur nach seinem Studium in der Uni tätig war ohne eine Doktorarbeit zu schreiben“, so Vajen. Wer also hochqualifiziertes Personal dauerhaft in der Region halten wolle, brauche hochschulnahe außeruniversitäre Forschungseinrichtungen wie das IdE.

Hesselbach sieht zudem Nachteile für die nordhessische Energiewirtschaft: Industrienahe Forschung, wie sie am IdE praktiziert wurde, sei an der Uni auch aus strukturellen Gründen nur sehr schwer möglich. „Genau diese Problematik konnte durch die Gründung des IdE gelöst werden. Insofern ist das IdE ein Paradebeispiel für die von der Politik immer wieder geforderte intensive Zusammenarbeit von Wissenschaft und Industrie. Daher ist es für alle Beteiligten unverständlich, warum ein sehr erfolgreich tätiges Institut abgewickelt und durch ein House of Energy mit ausschließlicher Netzwerkfunktion ersetzt werden soll“, so Hesselbach.

Prof. Jens Hesselbach

Auf Basis einer Grundförderung mit EU-Mitteln von 500 000 Euro jährlich hat das IdE seit seiner Gründung vor vier Jahren 19 Mio. Euro Forschungsgeld aus der Wirtschaft und vom Bund eingeworben. Weil mit dem House of Energy in Kassel ein neues Kompetenzzentrum für Erneuerbare Energien aufgebaut werden soll, das auch von der EU und dem Land finanziert wird, soll das IdE seine Arbeit einstellen – dessen EU-Förderung läuft Ende 2015 aus.

Anders als das IdE soll das House of Energy landesweit mit Forschungseinrichtungen und Firmen kooperieren. Selbst wird es nicht forschen. Zehn Mitarbeiter werden als Koordinierungsstelle fungieren, die am Science Park Kassel angesiedelt ist.

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