Kritik an Vergabe bei Hessentag

Kritik an Vergabe bei Hessentag: Viele auswärtige Firmen verdienen

Kassel. Die Vorfreude auf den Hessentag in Kassel ist bei einigen heimischen Firmen getrübt. Sie sind bei der Vergabe von Dienstleistungen wie Sicherheitsdienst sowie Bühnen- und Veranstaltungstechnik leer ausgegangen.

Es geht um viel Geld, das an auswärtige Unternehmen geht und damit an Kassel vorbeifließt.

Die Stadt, die für die Auftragsvergabe zuständig ist, widerspricht der Kritik.

Zum Hessentag vom 14. bis 23. Juni werden über eine Million Besucher in Kassel erwartet. Für die Sicherheit während des zehntägigen Landesfestes wird nach Informationen der HNA das Wetzlarer Unternehmen Pabst Security verantwortlich sein, das damit zum fünften Mal in Folge mit dieser Aufgabe betraut wird.

Die Kasseler Firma Protex, die sich ebenfalls um den Auftrag bemüht hatte, kam nicht zum Zug. „Wir haben alle Auflagen und Qualifikationen bestens erfüllt“, sagt Protex-Chef Ernesto Plantera. Gerade konzeptionell sei man sehr gut aufgestellt. Protex ist seit 20 Jahren auf dem Markt und beschäftigt 250 Mitarbeiter, davon 150 in Kassel. „Wir sind enttäuscht“, sagt Plantera.

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Auch bei der Bühnen- und Veranstaltungstechnik bleiben nordhessische Unternehmen außen vor. Dabei geht es um ein Auftragsvolumen von etwa 200.000 Euro. „Ich möchte nicht wissen, von woher die Bühne angekarrt wird“, sagt Olaf Hüther von der Stagepoint GmbH & Co. KG in Diemelstadt.Mit einem umweltfreundlichen Hessentag habe dies nichts zu tun.

Die Erklärung der Stadt, heimische Unternehmen könnten die Anforderungen nicht erfüllen, sei „eine Katastrophe“. Es gebe mehrere nordhessische Firmen, die den Erfordernissen gerecht würden.

Stagepoint sei bei Großveranstaltungen wie dem Wacken-Festival, bei Konzerten von Metallica, den Rolling Stones und Peter Maffay im Einsatz gewesen. Bereits vor einem Jahr habe man bei der Stadt Interesse für den Hessentag angemeldet, sagt der Meister für Veranstaltungstechnik. Trotz regelmäßiger Anfragen habe man keine Ausschreibungsunterlagen bekommen.

Auch andere Kasseler Firmen nicht. Auf Nachfrage sei ihm schließlich mitgeteilt worden, der Auftrag sei als Produktionsleitung ausgeschrieben worden und an Birk Events gegangen, die mit Stageco zusammenarbeiten. „Es geht nicht um uns“, sagt Hüther. „Kassel macht den Hessentag und Kasseler Firmen haben da nichts zu tun.“

App fürs Smartphone

Zumindest die Hessentags-App, mit deren Hilfe Veranstaltungsinfos auf dem Smartphone abrufbar sind, wird in Kassel entwickelt. Den Zuschlag erhielt die auf der Marbachshöhe ansässige Provideal GmbH, die das Projekt zu einem Drittel sponsert.

Das sagt die Hessentagsbeauftrage zur Kritik

„Das können nur bestimmte Firmen leisten“

Nach Angaben der Kasseler Hessentagsbeauftragten Stefanie Herzog laufen zurzeit 120 Vergabeverfahren. Den Zuschlag erhielten Unternehmen, die das beste Konzept und Erfahrungen mit Großveranstaltungen wie dem Hessentag vorweisen können. „Das spielt eine große Rolle.“ Namen wollte Herzog wegen des laufenden Verfahrens nicht nennen.

Die Vergabe der Bühnen- und Veranstaltungstechnik an Stageco rechtfertigte sie mit den speziellen Anforderungen: Bei acht Open-Air-Konzerten in zehn Tagen brauche man eine Bühne, die ins Auestadion passe und von allen Stars beziehungsweise deren Managements akzeptiert werde. Dies treffe nur auf Bühnen der Firma Stageco zu. „Da wäre keiner aus Kassel infrage gekommen“, sagt sie. „Wir versuchen, so viel wie möglich in der Region zu halten.“

Beim Hessentag seien auch sehr große Mengen zu bewältigen, zum Beispiel bei der Anzahl der Toiletten. „Das können nur bestimmte Firmen leisten“, sagt Herzog. „Bei dem Riesen-Event braucht man echte Profis.

In kleinere Einheiten aufteilen dürfe man die Aufträge nicht. Um bei der Vergabe keine Fehler zu machen, habe sie sich vom Regierungspräsidium beraten lassen, professionelle Hilfe aus Hannover geholt und Unterstützung von einem Vergabesachbearbeiter aus Homberg erhalten. (els)

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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