Kritik an Versicherung: Ex-Vereinschef richtete Millionen-Schaden an

Kassel. Es könnte einer der größten Betrugsfälle der vergangenen Jahre in Kassel werden: Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen den früheren Vorsitzenden des Kasseler Handballvereins HSG Zwehren, Mario D., laufen auf Hochtouren.

Man prüfe noch, wie viele Geschädigte es durch die Machenschaften des Versicherungsmaklers gebe, heißt es.

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Allein der Kasseler Rechtsanwalt Thorsten Kulle vertritt 20 Geschädigte. Unklar ist auch noch die Höhe des angerichteten Schadens: „Wir sind jetzt im Millionen-Bereich“, sagt der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Dr. Götz Wied. Bei der D.A.S.-Versicherung (gehört zum Ergo-Konzern) beziffert man den Schaden auf 1,4 Millionen Euro.

Mittlerweile mehrt sich auch die Kritik an der Versicherung. Denn die habe eigentlich die Machenschaften ihres Mitarbeiters Mario D. bemerken müssen, meinen etliche Opfer.

Bereits im Jahr 2009, so berichtet eine Familie aus Zwehren, habe man bei der Polizei Anzeige gegen Mario D. erstattet und sich auch bei der Versicherung beschwert. Aber alles sei im Sande verlaufen. Die Versicherung habe damals zugesagt, den Fall aufzuklären, doch nichts passierte, berichtet heute die Familie. Auch die Anzeige wurde offenbar nicht weiter verfolgt, weil sich Mario D. damit herausgeredet habe, es handele sich um ein Versehen.

Mittlerweile entlassen

Mittlerweile hat sich die Versicherung von Mario D. getrennt und Anzeige wegen gewerbsmäßigen Betrugs erstattet. Vom damaligen Fall will der D.A.S-Bezirksleiter Werner Czekalla aber nichts wissen: „Von einer früheren Anzeige habe ich nichts gehört.“ Wäre man schon vor Jahren Mario D. auf die Schliche gekommen, hätte man sofort etwas unternommen, versichert Czekalla. „Aber der Mann war raffiniert. Der hat alle geleimt. Auch uns.“

Aufgefallen seien die betrügerischen Machenschaften erst im Juli: „Da haben uns die Leute die Bude eingerannt“, sagt Werner Czekalla. Der Grund: Über Mario D. hatten etliche Kunden Geld in einen Kapitalfonds eingezahlt und wollten es wiederhaben, etwa weil sie planten, ein Haus zu bauen. Nur: Konten der Anleger in dem Kapitalfonds konnten nicht gefunden werden. Mario D. hatte offensichtlich das Geld in die eigene Tasche gesteckt.

Beschwerdebriefe der Kunden leite er sofort an die Ergo-Konzernzentrale weiter, sagt Czekalla. Und wer Sorgen habe, könne jederzeit mit ihm sprechen. „Wir wollen doch nicht unnötig in schlechtem Licht dastehen.“

Hintergrund:

So funktionierte eine Masche

Eine Familie aus Zwehren wohnt nicht weit weg von Mario D. Sie hat eine Firma. Eines Tages flatterte ihr eine Versicherungsrechnung ins Haus: Sie solle die Prämie einer Unfallversicherung für die Firma bezahlen. Die Familie war sich aber sicher: Sie hatte nie eine solche Versicherung abgeschlossen.

 Nachforschungen ergaben, dass die Police offenbar von Mario D. gefälscht worden war. Er hatte einfach die Adresse der Familie eingetragen und auch für die Unterschriften gesorgt. Die Familie informiert die Versicherung. Doch es passiert eigentlich nichts. Das Einzige, was die Familie von der Versicherung bekommt, ist Werbematerial.

Von Frank Thonicke

Rubriklistenbild: © dpa

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