Grimm-Museum-Leiter Lauer erzählte japanischem Thronfolger in Tokio von den Brüdern Grimm

Grimm-Museums-Leiter traf japanischen Kronprinzen in Tokio

Kaiserliche Begegnung: Der japanische Kronprinz Naruhito (links) und Bernhard Lauer bei einem Festakt in Tokio. Foto: nh

Kassel / Tokio. Kassel – dieser Name ist dem japanischen Kronprinzen spätestens seit dieser Woche ein Begriff: Denn der Grimm-Museum-Leiter Dr. Bernhard Lauer präsentierte bei einem Festakt in Tokio historische Märchenausgaben und erzählte vom hessischen Umgang mit dem Erbe der Brüder Grimm.

Dabei hatte Lauer die seltene Ehre, den Kronprinzen Naruhito persönlich kennenzulernen: „Vor der Begegnung mit dem Kronprinzen war ich ziemlich aufgeregt. Dies legte sich aber, als der Kronprinz mir freundlich die Hand schüttelte“, berichtet Lauer von der kaiserlichen Begegnung.

Mehr über die Brüder Grimm in Kassel steht im Regiowiki

Die Grimm-Märchen sind in Japan populär. Wegen der großen Beliebtheit dieser Märchen ist es auch üblich, dass viele Japaner während ihrer Deutschlandreisen Städte besuchen, die mit den Brüdern Grimm und einzelnen Märchen verbunden sind, bestätigt die japanische Botschaft. So reisen auch jährlich ein paar Dutzend japanische Touristen durch Nordhessen, um die Dörfer und Städte der Deutschen Märchenstraße abzuklappern.

Der Wolf und die sieben Geißlein: Titel der ersten japanischen Grimm-Ausgabe von 1887.

Es könnten aber noch mehr asiatische Touristen sein: „Viele Japaner wollen unbedingt ein Brüder-Grimm-Museum sehen. Da das jetzige jedoch derzeit geschlossen ist, sind sie oft enttäuscht und treten ihre Reise nach Nordhessen erst gar nicht an“, bedauert Benjamin Schäfer, Geschäftsführer der Deutschen Märchenstraße in Kassel.

„Viele Japaner wollen unbedingt ein Brüder-Grimm-Museum sehen.“

Benjamin Schäfer, Geschäftsführer DT. Märchenstrasse

„Wenn Märchen vorgelesen werden, sind immer Grimm-Märchen dabei“, bestätigt auch Emiko Koto die Begeisterung der Japaner für die Geschichten der Brüder Grimm. Besonders beliebt sei das Märchen Schneewittchen. Koto vertritt die japanische Sektion der Brüder-Grimm-Gesellschaft.

Auch der Hintergrund der Verfasser fasziniert Japaner: „Sie interessieren sich, wo und wie die Grimms gelebt haben“, sagt Toshio Ozawa. Der japanische Professor hat vor 18 Jahren eine japanische Märchenakademie gegründet, die sich inzwischen auf 75 Städte erstreckt.

Geschenke für den Kronprinzen

Der 80-jährige Märchenliebhaber führt jährlich Märchenexkursionen mit japanischen Studierenden an. Im Gegensatz zu dem großen Bekannheitsgrad der Märchen wissen die meisten Japaner jedoch nicht, dass die Brüder Grimm auch in Kassel gelebt haben.

Vielleicht hat Lauer nun dazu beitragen, dass das nordhessische Grimm-Erbe in Japan bekannter wird. Als Geschenke für die kaiserliche Familie überreichte Lauer dem Kronprinzen Naruhito unter anderem eine Biografie der Brüder Grimm in japanischer Sprache und eine Mappe mit Märchenbildern für dessen Tochter Prinzessin Aiko.

Hintergrund: Kronprinz Naruhito

Japans Kronprinzessin Masako

Als ältester Sohn des japanischen Kaisers Akihito wird Kronprinz Naruhito (japanisch: Kôtaishi Naruhito Shinnô) irgendwann dessen Nachfolge als Tennô (japanisch: Himmlischer Herrscher) antreten. Der 50-Jährige ist seit 1993 mit der Diplomatentochter Masako verheiratet. Sie haben eine Tochter Aiko, die inzwischen neun Jahre alt ist. Nach Angaben der japanischen Botschaft ist es eine große Ehre, für Japaner und Ausländer, die Kaiserliche Hoheit, den Kronprinzen, persönlich zu treffen. Normalerweise ist es bei Ausländern so, dass nur königliche Familien, hochrangige Politiker und bekannte Persönlichkeiten aus sozialen und kulturellen Bereichen Gelegenheit erhalten, den Kronprinzen zu treffen.

Von Heide Gentner

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