K+S-Pipeline auf der Kippe: Weserländer beraten über Abwasserproblem

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Die Ministerkonferenz der Flussgebietsgemeinschaft Weser berät am Montag über den Bau einer K+S-Pipeline zur Oberweser.

K+S soll weniger Salz in die Werra leiten. Doch an der Entsorgung von Produktionsrückständen hängen Tausende Arbeitsplätze. Am Montag wird nun über den Bau einer millionenteuren Pipeline beraten.

Zwei Jahre nach dem Beschluss eines Plans zur Salzreduzierung in Werra und Weser wollen die beteiligten Bundesländer Bilanz ziehen. Bei der Ministerkonferenz der Flussgebietsgemeinschaft (FGG) Weser am Montag fällt möglicherweise eine Entscheidung für ein umstrittenes Millionenprojekt des Düngemittelherstellers K+S. Der plant, eine Pipeline von Osthessen zur Oberweser, um Salzabwässer einzuleiten.

Die Produktion des MDax-Konzerns hängt maßgeblich an der Entsorgung von Salzrückständen. Ein großer Teil landete bisher in der Werra. Die Einleitung wird aber durch den Wasserstand begrenzt. Kann K+S weniger entsorgen, sinkt die Produktion. Mehrfach standen Werke still, im Sommer führte die Trockenheit zur Zwangspause an zwei Standorten des hessisch-thüringischen Kalireviers. 80 Millionen Euro kostete K+S das. Über 4000 Arbeitsplätze hängen in der Region an K+S.

Gleichzeitig ist die Versalzung der Werra, die in die Weser fließt, ein Umweltthema: Deshalb vereinbarten die Anrainerländer 2016 den Masterplan Salzreduzierung, dessen Ziel die Halbierung der Salzkonzentration in der Werra bis zum Jahr 2027 ist. Ziel ist auch, ein EU-Verfahren wegen Verstoßes gegen die EU-Wasserrahmenrichtlinie zu vermeiden. Die Vereinbarung vor zwei Jahren: 2018 soll das Erreichte geprüft werden.

Dieser Punkt ist nun gekommen: Es werde am Montag "allgemein um den Sachstand und die Umsetzung des Masterplans Salz gehen", sagte FGG-Vorsitzender Michael Koch vom Bremer Umweltsenat. Man werde sehen, welche Beschlüsse sich daraus ergeben.

Das könnte das Ende der Pipeline-Pläne sein: Es werde geprüft, ob die festgelegten Zielwerte in der Werra auch ohne Ausleitung erreicht werden können, sagte eine Sprecherin des hessischen Umweltministeriums. Mit welchem Ziel Hessen in die Gespräche geht, verriet sie nicht: "Die Beratungen bleiben abzuwarten."

Dabei ist die Pipeline - der sogenannte "Werra-Bypass" - unbeliebt. Sie wäre mit geschätzten Kosten von mehr als 200 Millionen Euro für K+S teuer. Der Widerstand von Bürgern und Kommunen gegen den Bau ist groß. Die Einleitung direkt an der hessisch-niedersächsischen Landesgrenze stößt Hessens Nachbarn vor den Kopf: "Niedersachsen hält nach wie vor die Oberweserpipeline für nicht erforderlich und geht mit Zuversicht in die Weserministerkonferenz", sagte eine Sprecherin des Umweltministeriums in Hannover.

K+S selbst hält sich in Sachen Pipeline bedeckt: Man befinde sich in einem sehr konstruktiven Dialog mit den Vertretern der Anrainerländer, sagte ein Sprecher. Themen am Montag seien die Bewirtschaftung der Kalihalden, technische Lösungen zur Abwasserreduzierung und die langfristige Entsorgung der Salzabwässer. Denn 2021 will K+S auch auf die Versenkung im Boden verzichtet.

Umweltschützer hoffen, dass die Pipeline zugunsten eines anderen Weges fallengelassen wird. Bei der Einstapelung würden verdickte Salzabwässer unter Tage gebracht, erklärte Thomas Norgall vom BUND Hessen: "Wir glauben und hoffen, dass es in diese Richtung gehen wird." Ein Ja zum Pipelinebau werde dagegen den Druck aus der Sache nehmen, nach alternativen Lösungen zu suchen. (lhe)

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