Analyse

K+S: Am Ural sackt die Erde, hier klettert der Kurs

Einsturz: Auf einer Fläche von 20 mal 30 Metern sackte die Erde über einem aufgegebenen Bergwerk in der russischen Region Perm weg. Gleichzeitig brach in die gut drei Kilometer entfernte Grube des Kaliherstellers Uralkali Wasser ein. Die Mine Solikamsk ist für den russischen Konzern wichtig. Der Wassereinbruch beflügelte deshalb den Aktienkurs des Kasseler Konkurrenten K+S. Foto: dpa/Uralkali

Der Kasseler Kali- und Steinsalzproduzent K+S hatte zuletzt nicht nur Freude am Geschäft. Aber jetzt hat sich in Russland ein Loch aufgetan, der Wert des Rohstoffkonzerns steigt.

Kassel / Moskau. Die Kaliwelt ist klein und exklusiv. Nur in einem Dutzend Länder kommt der wertvolle Rohstoff vor, der meist zu Dünger verarbeitet wird. Den Ton in diesem Milliardengeschäft geben fünf Unternehmen an, zu denen auch der Kasseler Düngemittel- und Steinsalzproduzent K+S gehört. Nun musste der russische Konzern Uralkali seine Mine Solikamsk-2 nach einem Wassereinbruch evakuieren. Tausende Kilometer weiter westlich profitieren die Aktionäre des Kasseler Dax-Konzerns K+S von dem 30 Meter großen Erdkrater am Rande Sibiriens.

Die Kaliwelt: Kali reist um die Welt. Nordamerika und Russland sind die größten Produzenten, Indien, China und Südamerika die wichtigsten Abnehmer. Abgerechnet wird in Dollar, der Preis von Bündnissen festgezurrt. Eins davon ist Canpotex, eine Allianz der kanadischen Potash Corp sowie der US-Hersteller Mosaic und Atrium. Das ähnlich konstruierte Tandem von Uralkali und dem weißrussischen Kali-Produzenten BPC ging 2013 in die Brüche. Die Allianzen hielten die Preise hoch - auch Produzenten, die wie K+S keinem Verbund angehörten, haben etwas davon. Die Konkurrenten: Uralkali ist der größte Kaliproduzent der Welt. Die Russen holten im vergangenen Jahr zehn Millionen Tonnen aus ihren Minen, K+S hat eine Kapazität von sieben Millionen Tonnen Kali- und Magnesiumprodukten.

Die russische Problemmine am Rande des Urals gab 2,5 Millionen Tonnen Kali im Jahr her. Das fehlt zunächst auf dem Markt, der 2013 nach fast 60 Millionen Tonnen Kali verlangte. Das Uralloch könnte die Preise um zwei Prozent hochtreiben, rechnet die Commerzbank vor. Die Börse: Knappere Mengen bedeuten höhere Preise: Börsenanleger hören das gerne. Die K+S-Aktie, die Anfang letzter Woche 22,35 Euro kostete, kletterte bis gestern abend auf 24,11 Euro. Danach endete der Höhenflug. Gleichzeitig schob Uralkali den eigenen Aktienkurs an - mit der Erklärung, es gebe keinen Zweifel daran, dass die Mine ganz oder teilweise wieder in Betrieb genommen werde.

Das Pikante an der Sache: Uralkali hatte durch seinen Bruch mit dem weißrussischen Vertriebspartner BPC 2013 die Kali-Aktien von Frankfurt bis Moskau in den Keller geschickt. Im Zuge des Streits zwischen den ehemaligen Freunden wurde sogar der damalige Uralkali-Chef Wladislaw Baumgertner in Weißrussland verhaftet. Wie andere Kali-Aktien, wurde auch das K+S-Papier aus Angst aus sinkenden Kalipreisen verramscht und verlor zeitweise fast 30 Prozent an Wert. Die Aussichten: Die vollgelaufene Mine bei der Salzstadt Solikamsk steuert zwar ein Fünftel zur Gesamtproduktion von Uralkali bei. Der Konzern könnte aber die Förderung in seinen anderen Bergwerken hochfahren. Auch rechnen Experten damit, dass im nächsten Jahr mehr Kali gefördert als verkauft wird. Ob der Dünger knapp wird, ist also fraglich. Eine Prognose abzugeben, sei derzeit schwer, heißt es bei K+S. Uralkali dürfte allerdings zur Zeit bangen: Falls die Mine nicht mehr zu retten ist und sich das Wasser auch noch im benachbarten Kalibergwerk Solikamsk-1 ausbreitet, ginge der Gewinn des Konzerns baden.

Der K+S-Konzern

Geschäftslage: In den ersten drei Quartalen 2014 setzte der K+S-Konzern 2,8 Milliarden Euro um, sechs Prozent weniger als vor Jahresfrist. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) gab um acht Prozent auf 511 Millionen Euro nach, der Gewinn ging um fast 19 Prozent auf 289,9 Millionen Euro zurück. Für das Gesamtjahr erwartet K+S einen Umsatz von 3,7 bis 3,9 Mrd. Euro.

Geschäftssparten: Kali- und Magnesiumprodukte brachtenbis Ende September einen Umsatz von 1,4 Milliardenn Euro ein. Zweites großes Standbein ist das Salzgeschäft mit einem Umsatz von 1,2 Milliarden Euro in den ersten drei Quartalen.

Mitarbeiter: Der Kali- und Steinsalzkonzern K+S beschäftigt weltweit fast 14 300 Mitarbeiter, 10 000 davon in Deutschland. Fast jeder zweite von ihnen ist in Nord- und Osthessen beschäftigt.

Von Barbara Will

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