Es hat sich ausgetanzt

Kasseler Club-Sterben: Diese Clubs waren früher der Renner

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„Bedürfnisanstalt für gut erzogene Punks und manierliche Popper“: So schrieb es im Oktober 1981 die HNA über die damals neu eröffnete Discothek „Pul“ am Westring. „Pul“ sollte eine sprachliche Anlehnung an „Pool“ sein.

In Kassel ist mit dem Musiktheater eine bekannte Disco verschwunden. Diese Clubs gab es früher.

  • Das Disco-Sterben in Kassel geht weiter.
  • Das Löwenburg-Casino war seinerzeit die größte Diskothek.
  • Der Technoclub Stammheim hatte die weiteste Strahlkraft über Kassel hinaus. 

Die Namen von Clubs und Discotheken waren schon immer so flüchtig wie Beziehungen in der Jugend. 

Kassel: Viele der früheren Club-Namen kennen die jungen Leute schon gar nicht mehr

Kasseler Club-Namen wie „Prigogine“, „Hippodrome“ oder „Aufschwung Ost“ kennen die heutigen Kasseler zwischen 18 und 25 Jahren in der Regel nicht mehr. Während früher auf Schließungen meist Neueröffnungen folgten, wird es nun immer ruhiger. Das Disco-Sterben hat auch in Kassel große Lücken gerissen.

Was heute die Großraumdisko „Musikpark A 7“ ist, war in den 70er- und 80er-Jahren das Löwenburg-Casino. Die 1971 neben dem „Hotel Reiss“ eröffnete Discothek war seinerzeit die größte der Stadt. 350 Feiernde hatten in dem exklusiv eingerichteten Tanzlokal Platz. Die Wände waren mit Gemälden der Löwenburg dekoriert.

Kasseler Club-Szene: Das Löwenburg-Casino gehörte zu den größten Discotheken

Bei einem Großfeuer in der Nacht zum 8. Juni 1974 wurde der Partytempel stark beschädigt. Eine Plattensammlung im Wert von 80.000 DM wurde Opfer der Flammen, wie die HNA damals berichtete. Das Löwenburg-Casino wurde saniert und existierte bis Ende der 80er-Jahre.

Angesagteste Adresse: Neben dem Hotel Reiss öffnete 1971 das Löwenburg-Casino. Mit Platz für 350 Menschen war es seinerzeit Kassels größte Disko.

Häufiger für Schlagzeilen sorgte nur die Discothek „Hazienda“ in der Schönfelder Straße 18 (heute Kneipe „Fiasko“). Regelmäßig war dort die Polizei wegen Gewaltdelikten und Drogenkriminalität im Einsatz.

Eine wechselvolle Partygeschichte erlebte auch der Clubstandort in der ehemaligen Rathaus-Unterführung, die 2017 zugeschüttet wurde. 1987 eröffnete unter Tage der „Kunstbunker“. 

Kassel: In der Discothek Spot gingen 2010 die Lichter aus

Als dort zwei Jahre später ein bundesweites Punkertreffen geplant war, untersagte dies die Stadt aus Angst vor Ausschreitungen. Die Folge: Krawalle und Verletzte. Anfang der 90er-Jahre wurde aus dem „Kunstbunker“ das „Hippodrome“ und später das „Déja vu“ und das „Purple Haze“.

Sichten die Reste der Plattensammlung: Ein Großbrand zerstörte 1974 das Löwenburg-Casino.    

Die Kaufburg an der Friedrich-Ebert-Straße war ebenfalls drei Jahrzehnte lang Anlaufpunkt für Nachtschwärmer: Aus dem „Yello“ wurde in der zweiten Hälfte der 80er-Jahre das „Prigogine“, das liebevoll „Prigo“ genannt wurde. Als dessen Ära zu Ende ging, war dort elf Jahre das „Soda“ zu Hause, das 2018 wegen Umbauplänen dichtgemacht wurde.

In der Discothek „Spot“ an der Leipziger Straße sind die Lichter ebenfalls seit 2010 erloschen. Ein geplanter Neustart unter anderem Namen misslang.

Kassels berühmtester Club: Der Technoclub Stammheim besaß die weiteste Strahlkraft

Die weiteste Strahlkraft über Kassel hinaus hatte in den 90er-Jahren der deutschlandweit bekannte Technoclub „Stammheim“ in der Kulturfabrik Salzmann. Dessen Vorläufer war das „Aufschwung Ost“ (bis 1996). 

Szenegrößen wie Paul van Dyk, Sven Väth, Dr. Motte und Westbam traten dort auf. Doch Anfang 2002 war Schluss: Der Vermieter wollte die Drogenszene nicht länger in der ehemaligen Salzmannfabrik dulden. 

Letzte Party im Stammheim: 2002 musste die legendäre Techno-Disco in der Salzmann-Fabrik schließen. Der Mieter wollte die Drogenszene nicht mehr. 

Die Aufzählung von verschwundenen Clubs ließe sich fast endlos fortsetzen: Erinnert sei an das „Filou“ an der Neuen Fahrt und das „Da Jam“ (vormals „World“) an der Sandershäuser Straße, das 2009 abgerissen wurde. Und nicht zuletzt das „A.R.M.“ an der Werner-Hilpert-Straße, das vergangenes Jahr wegen finanzieller Probleme des Eigentümers geschlossen wurde.

Aufruf: Welche Erinnerungen haben Sie an die Kasseler Discothekengeschichte. Schicken Sie uns Ihre Anekdoten und Fotos per E-Mail an kontakt@hna.de oder per Post an HNA Lokalredaktion Kassel, Frankfurter Straße 168, 34121 Kassel.

Nach dem Aus für das Musiktheater wird in Kassel weiter über das Club-Sterben diskutiert. Kulturveranstalter kritisieren die Stadt, weil es an einer Halle fehlt. Die Kulturdezernentin wehrt sich. 

Karl Börries, der Betreiber von York und Club 22, ist der Meinung, dass es kein Club-Sterben in Kassel gibt.

Völlig überraschend hat am Sonntag (26.01.2020) die Kasseler Szenekneipe Fiasko das Aus verkündet. Auf Facebook sagt Betreiber Oliver Kurzweil Tschüss - auch seine Mitarbeiter haben es erst am Sonntag erfahren.

Von Bastian Ludwig

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Kommentare

tbladerunnerAntwort
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Wer so vergrämt auf einen Artikel reagiert, der hat m.M.n. nicht viel vom Leben ;-)

BinIchs?Antwort
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Weil ich den x. Artikel zum selben Thema einfach albern finde? Wers versteht, hat eben mehr vom Leben!

BinIchs?Antwort
(0)(0)

Welches war gleich Ihr interessanter Beitrag?
Und neid? Lach, ich schwelge derart in Erinnerungen sowohl von der Musik als auch von Lokalitäten wie zB dem Soul City, Studio 68, Club21, Orchidee, Old Ranch, Manhattan, Club Atlantic, La Couleur, Club am Friedrichsplatz, Factory, Last Penny (alle Kassel)
Wo es auch gut abging waren die legendären Grotten beim Schiffer (Hotel zur lichten Aue) Hess. Lichtenau, oder auch Das Broken Hill in Immenhausen, das Köppchen (Köpfchen?) in Großalmerode und so eine witzige Dorfdisco in Laudenbach(?) mit einem VW Käfer als DJ-Pult, in Witzenhausen gabs eine (??) in der Ermschwerder Str. mit cooler Mucke und reichlich Tropenstudenten, Das Treibhaus in Zierenberg natürlich.
Also von Neid keinerlei Spur!!

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