Debatte über Gewalt, Feuerwerkskörper im Stadion und mehr Mitbestimmung beim Fußball

KSV-Fans fordern Demokratie - "Verhältnis zu Vereinsspitze schlechter"

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Diskutierten über Pyrotechnik und Gewalt vor und in deutschen Fußballstadien.

Kassel. "Die Vereinssatzung des KSV Hessen Kassel ist undemokratisch“, sagte Dennis Pfeiffer am Donnerstagabend in der Caricatura. Der Fan-Sozialarbeiter fordert mehr Mitbestimmung für die Löwen-Anhänger. Das Verhältnis zwischen ihnen und der Vereinsspitze sei schlechter geworden, seitdem Jens Rose kein Vorsitzender mehr ist.

Ist ein Vereinsvertreter vom KSV Hessen Kassel heute Abend hier? Diese Frage vom Podium beantwortete keiner der 60 Gäste mit „Ja“. „Das wäre aber eine Chance gewesen“, sagte Philipp Markhardt, Sprecher der Initiative „Pro Fans“, die sich seit Jahren aktiv für Interessen von Fußballfans, besonders den Ultras, einsetzt.

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Der HSV-Fan aus Hamburg war einer Einladung des Kasseler Freizeitsportvereins „Dynamo Windrad“ gefolgt. Über zwei Stunden diskutierte er mit Matthias Stein, Mitarbeiter des Fanprojekts in Jena, das seit 20 Jahren besteht, über Fans in deutschen Stadien. Die Runde, die von Christopher Vogel moderiert wurde, stand unter der Fragestellung „Ultras – Supporter (Unterstützer) oder Gewalttäter?“ Der Streit über das Verbot von Pyrotechnik und die Ausschreitungen beim Pokalspiel zwischen Dortmund und Dresden nahmen dabei viel Raum ein.

Aber es ging eben auch um die Kasseler Fanszene. „Gewalt spielt bei den Kasseler Ultras eine untergeordnete Rolle“, sagte Pfeiffer, der eine Uni-Abschlussarbeit über die Szene geschrieben hat. Wenn es zu Vorfällen gekommen sei, seien diese in den Medien „einseitig dargestellt“ worden. Pfeiffer arbeitet als Fan-Sozialarbeiter auf Honorarbasis. Die 25 Stunden pro Monat werden ihm von der Kinder- und Jugendförderung der Stadt Kassel finanziert.

Der Ruf, dass es in Kassel viele rechtsextreme Fans gebe, stimme heute nicht mehr, sagte Pfeiffer. Früher habe es ein „weitläufiges rechtes Spektrum“ gegeben. Dass es mittlerweile weniger Rassismus auch im Auestadion gebe, liege aber nicht an den Konzepten des Deutschen Fußballbunds (DFB), sondern an den Ultras, unter denen auch viele Studenten seien. Matthias Stein aus Jena pflichtete ihm bei. Diskriminierung und Rassismus hätten in deutschen Stadien abgenommen. Das sei ein Verdienst der Ultras.

„Nazis im Auestadion“

Dass im Auestadion nicht nur friedliche Fans unterwegs sind, darauf machte ein Mann aus dem Publikum aufmerksam. „Zum KSV Hessen Kassel kommen nach wie vor Nazis, die jeder kennt. Die haben kein Stadionverbot.“ Das seien Hooligans aus dem rechten Spektrum, die bewusst Kleidung der Marke Thor Steinar tragen, um auf ihre Gesinnung aufmerksam zu machen. Thor Steinar ist eine Modemarke, die in der Neonazi-Szene äußerst beliebt ist.

Es sei sehr schwierig, die Kasseler Hooligans zu erreichen, sagt Pfeiffer. Nichtsdestotrotz fordert er ein Fanprojekt nach Jenaer Vorbild. „Das wäre bitter nötig.“

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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