Küchenherd selbst angeschlossen: 55-Jähriger bezahlt mit dem Leben

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Mit Schraubendreher und Abisolierzange: Den Umgang mit Elektroinstallationen muss man Fachleuten überlassen - Laien bringen sich und andere leicht in Gefahr.

Kassel. Im Krankenhaus konnte dem Mann nicht mehr geholfen werden: Ein 55-Jähriger aus Kassel erlitt kürzlich einen tödlichen Stromschlag, weil er seinen Küchenherd selbst ans Stromnetz angeschlossen hatte.

Durch grobe Fehler beim elektrischen Anschluss stand der Herd ständig unter Spannung.

Der Elektro-Bastler suchte nach Polizeiangaben kurz vor dem Unfall nach der Ursache, warum die in der Küche aufgestellte Waschmaschine von Zeit zu Zeit den Dienst versagte. Als er in eine Nische zwischen den Küchenmöbeln gekrochen war, berührte er das Blechgehäuse des Einbauherdes und gleichzeitig eine Wasserleitung. Nach dem Stromschlag wurde der Mann vom Notarzt wiederbelebt, starb aber später im Krankenhaus.

Der von der Polizei hinzugezogene Gutachter fand heraus, dass der bereits vor Monaten von dem 55-Jährigen vorgenommene elektrische Herdanschluss in hohem Maße fehlerhaft war. Die Ehefrau hatte der Polizei berichtet, dass sie beim Kochen auf dem Herd manchmal ein Kribbeln gespürt habe.

Der Todesfall gilt Experten als trauriges Beispiel dafür, dass Nichtfachleute die erheblichen Gefahren des elektrischen Stroms unterschätzen. „Hier war ein Laie ohne geeignete Messgeräte am Werk und hat diesen Einsatz mit seinem Leben bezahlt“, sagt Diplom-Ingenieur Wolfgang Dünkel, Sprecher des VDE-Bezirksvereins Kassel: „Er hätte den Herd keineswegs selbst anschließen dürfen.“

Komplizierte Elektroinstallationen könnten unmöglich von Laien vorgenommen werden. „Er hätte einen Fachbetrieb mit diesen Arbeiten beauftragen müssen“, erklärt Dünkel. Facharbeiter des Elektrohandwerks müssten eine mehrjährige Ausbildung absolvieren, um fachgerechte und sichere Installationen zu leisten. Sachverständige bräuchten ein mehrjähriges Studium und anschließende Praxiserfahrung, um den Ursachen von Stromunfällen nachgehen zu können.

Von Jörg Steinbach

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