Ausstellung „Fährten, Dinos & Mehr“ zeigt Spuren der Saurier in Niedersachsen

Die Kühe der Kreidezeit

Der kleine Saurier: Zu den Ausstellungsstücken gehört das 1855 entdeckte Skelett von „Stenopelix valdensis“. Es handelt es sich um das deutschlandweit vollständigste Skelett eines Dinosauriers aus der frühen Unterkreidezeit. Das rekonstruierte Modell des kleines Pflanzenfressers ist in einer Vitrine (Bild) zu bewundern. Foto: Schmidt-Hagemeyer

Göttingen. Es ist lange her. Doch Niedersachsen war einmal Dinosaurier-Land. Neun bis zehn Meter große Pflanzenfresser, aber auch fleischfressende Raub-Dinosaurier lebten hier.

Im Bergland westlich von Hannover wurden vor 150 Jahren die ersten Spuren der „Schreckensechsen“ aus der Unterkreidezeit vor 135 bis 140 Millionen Jahren entdeckt. Ganz anders als heute müsse man sich die Landschaft vorstellen. „Es war eine weite Deltalandschaft mit Sandbänken“, sagt Dr. Mike Reich, Geologe und Paläontologe an der Universität Göttingen, der die aktuelle Ausstellung „Fährten, Dinos & Mehr“ im Geowissenschaftlichen Museum mit konzipiert hat.

Spuren im Sand

Dinosaurier, die durch den Sand oder das seichte Wasser liefen, hinterließen Spuren. Die Fußabdrücke wurden vermutlich durch Sand zugespült und kamen versteinert 140 Millionen Jahre später wieder an die Oberfläche. Dreizehn Fundstellen, unter anderem bei Münchehagen, Bückeburg, Nienstädt und Obernkirchen wurden seit Mitte des 19. Jahrhunderts entdeckt.

Seit Einstellung des Bergbaus in den 1960er Jahren kommen heute nur noch Sandsteinbrüche als Fundstellen in Betracht. Der letzte Aufsehen erregende Fund wurde 2007 in Obernkirchen gemacht. In einem Steinbruch fanden sich sehr viele Fußabdrücke von verschiedenen Dinosaurier-Arten auf kleinem Raum.

Fährten von Raubsauriern

Die Fährtenzüge erzählen Experten viel: Bis zu fünf Tiere – zweibeinige Vogelfuß-Dinosaurier – seien nebeneinander gegangen, so Reich. Zwischen den Spuren der mittelgroßen Pflanzenfresser fanden sich Fährten von Raub-Dinosauriern (Theropoden). Möglicherweise hätten die Raubsaurier die Gruppe der Vogelfuß-Dinosaurier verfolgt, sagt Reich. In kleinen Herden lebende und bis zu neun Meter große Pflanzenfresser waren typische Dinosaurier der Unterkreidezeit. „Man könnte sagen, die Kühe ihrer Zeit“, sagt der Wissenschaftler.

Um sich über die Funde in Obernkirchen auszutauschen, trafen sich im April 100 Experten aus aller Welt zu einem Symposium. Einen Tag verbrachten die Forscher auch in Göttingen, denn zum Fundus der Universität gehören zahlreiche Aufzeichnungen, Knochen, Fossilien und Orginalfährten von Dinosauriern aus Niedersachsen. Die aus Anlass des Forscher-Treffens entstandene Ausstellung begeistert zur Zeit besonderes die Kinder unter den Besucher des Geowissenschaftlichen Museums.

Zu sehen sind zum Teil beeindruckend große versteinerte Fußabdrücke. Im Größenvergleich werden auf Schautafeln verschiedene pflanzen- und fleischfressende, zwei- und vierbeinige, gefiederte und gepanzerte Dinosaurier vorgestellt. Daneben werden Fossilien weiterer Tiere gezeigt, die zur gleichen Zeit im gleichen Raum lebten: Schildkröten, Krokodile und Fische.

Von Kornelia Schmidt-Hagemeyer

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