Hans-Jürgen Gerlach (64) feiert 50-jähriges Betriebsjubiläum bei der Kasseler Bank

Mit der Bank jung geblieben: Hans-Jürgen Gerlach (64) ist der dienstälteste Mitarbeiter der Kasseler Bank. Vor 50 Jahren hat er seine Ausbildung beim Vorgänger Raiffeisenbank begonnen. Foto: Koch

Kassel. Vor 50 Jahren hat er als Lehrling Kohle bei der Raiffeisenkasse Dennhausen-Dittershausen geschippt, heute geht es mitunter um viel „Kohle“, wenn er die großen Kunden der Kasseler Bank betreut.

Hans-Jürgen Gerlach hat Anfang April sein 50-jähriges Betriebsjubiläum gefeiert. Mit einem halben Jahrhundert Berufserfahrung ist er der dienstälteste Mitarbeiter, den es bei der Kasseler Bank je gab. Und wenn es nach dem 64-Jährigen aus Witzenhausen ginge, der im September das Rentenalter erreicht, würde er seine Kunden wohl noch ein Weilchen begleiten.

Nach dem Hauptschulabschluss begann der 14-jährige Dittershäuser (Fuldabrück) seinerzeit die Lehre zum Großhandelskaufmann. Länger die Schulbank zu drücken, kam nicht in Frage. Der Vater war früh gestorben und von den 80 DM Lehrlingsgeld galt es, die Mutter und die beiden jüngeren Geschwister mitzuversorgen. Zu der Genossenschaftsbank gehörte damals noch Warenverkehr, sodass der junge Mann statt Hemd und Krawatte auch den blauen Kittel überstreifte, um zentnerweise Briketts vom Lkw zu schippen, Kunstdünger auszufahren und Futtermittel zu verkaufen.

Seine zupackende Art auch in den eigentlichen Bankbereichen („Ich wollte immer Leistung bringen“) kam offenbar an und die Karriere flugs in Gang. Mit 24 Jahren und bei 350 Mark Gehalt wurde Gerlach Zweigstellenleiter der Raiffeisenbank Kurhessen in Bad Hersfeld. „Damals musste man sich erst bewähren, und dann gab’s die Gehaltserhöhung“, erinnert sich der agile 64-Jährige, der heute eine erwachsene Tochter aus erster Ehe und eine achtjährige Tochter mit seiner Lebensgefährtin hat.

In Hersfeld sattelte er nebenbei an der Berufsschule den Bankkaufmann drauf und bildete sich später zum Bankfachwirt fort. Da war Gerlach bereits Leiter der Raiffeisenbank in Obervellmar, um später als Regionalleiter neun Zweigstellen mit über 40 Mitarbeitern zu führen.

Als sein Erfolgsrezept sieht der langjährige Banker die Kundennähe. „Man sollte immer den Namen und die Kontonummer und am besten noch etwas Persönliches über sein Gegenüber wissen.“ Er trat in Vellmar den örtlichen Vereinen bei, knüpfte Kontakte und begleitete so manche Erfolgsgeschichte von Unternehmern. „Ich war nie der kühle Banker, sondern immer mit dem Herzen dabei.“ Wenn Firmen nach bescheidenen Anfängen gediehen, habe er sich mit gefreut, wenn etwas schiefging, mit gelitten.

„Wenn sie Banker sind, ist das Geld wie Gemüse.“

Hans-Jürgen Gerlach

War Gerlach früher vor allem im Kreditgeschäft tätig, so sind viele seiner Kunden, die er teilweise jahrzehntelang betreute, inzwischen vermögend. Auch jetzt an seiner Aufgabe als Firmenkundenbetreuer liebt er die Zusammenarbeit mit den Menschen. „Ich habe mit so interessanten Leuten zu tun: von Chefärzten bis zu Gewerbetreibenden mit Niederlassungen in aller Welt.“

Neidgefühle beim Umgang mit dem großen Geld kenne er nicht. „Wenn Sie Banker sind, ist das Geld nur noch wie Gemüse. Sie gehen damit um wie mit einer Ware.“

Von Katja Rudolph

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