Kühne-Hörmann als Kasseler CDU-Chefin bestätigt - Bruch mit Junger Union

Wiedergewählt mit knapp 84 Prozent: Kassels CDU-Vorsitzende Eva Kühne-Hörmann, hier mit Kreisschatzmeister Dr. Maik Behschad, der mit 83 von 84 Delegiertenstimmen das beste Wahlergebnis beim Parteitag erzielte. Foto:  Koch

Kassel. Die CDU-Vorsitzende Eva Kühne-Hörmann ist beim Kreisparteitag der Union mit knapp 84 Prozent der Delegiertenstimmen im Amt bestätigt worden. Sie nutzte den Parteitag für eine scharfe Abrechnung mit der Jungen Union, mit der es in letzter Zeit heftige Auseinandersetzungen gegeben hatte.

Von 84 Stimmberechtigten aus den Kasseler Stadtbezirksverbänden haben am Samstag 67 für eine weitere Amtszeit Kühne-Hörmanns votiert, 13 stimmten mit nein, und drei enthielten sich. Gegenkandidaten waren nicht gegen die Parteichefin angetreten. Auch sämtliche vier Stellvertreter im Kreisvorstand - Dr. Jacques Bassok, Jörg Hildebrandt, Birgit Trinczek und Dr. Norbert Wett - erhielten geräuschlos das Vertrauen für eine weitere Amtszeit.

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Nach heftigen innerparteilichen Turbulenzen in jüngerer Zeit gab die CDU am Samstag ein Bild relativer Geschlossenheit ab - zumindest, was die Mutterpartei betrifft. Der kürzlich eskalierte Streit mit dem politischen Nachwuchs von der Jungen Union (JU) scheint unter älteren Parteimitgliedern eine gewisse Bindungswirkung zu entfalten. Die JU hatte dem CDU-Kreisverband öffentlichkeitswirksam und an der Partei vorbei die Zusammenarbeit aufgekündigt. Man werde politisch zu wenig eingebunden, hieß es zur Begründung.

Die Vorsitzende Kühne-Hörmann nutze den Parteitag zu einer scharfen Abrechnung: Es seien „einige wenige Querulanten“ in der JU, deren Wirken „parteischädigend“ und „destabilisierend“ sei. Vor dem Forum der Delegierten erneuerte sie ihre Kritik, die Mitarbeit der JU und ihrer Mandatsträger habe sich schon länger in sehr engen Grenzen gehalten. Die Nachwuchsorganisation übertreibe ihre eigene Mitgliederbasis, wenige Wortführer würden anderen jungen Leuten die Lust am politischen Engagement verleiden. Wenn die JU sich benachteiligt fühle, hätte sie die Debatte in den Parteigremien suchen können, statt über die Medien Heckenschüsse zu verteilen.

„Ich mache das nicht mehr länger mit“, schimpfte Kühne-Hörmann. Sie kündigte an, die Kasseler CDU werde als Alternative zur JU „in einem geschützen Bereich nahe am Kreisvorstand“ für junge Leute die Gelegenheit zu parteipolitischer Mitarbeit schaffen. „Für ein gutes Erscheinungsbild der Kasseler CDU ist die Geschlossenheit der Partei zwingend.“

Nach dieser Philippika sahen die Delegierten keinen Anlass zur Aussprache, Nur Martin Schröder, JU-Mitglied und bisher Schriftführer im Kreisvorstand, ergriff das Wort: Er finde die ganze Entwicklung „sehr schade“, und die JU sei „weiterhin gesprächsbereit“.

Schröder hatte schon vorab seinen Rückzug aus dem Kreisvorstand angekündigt. Bei der Wahl des Nachfolgers kam es zur einzigen Kampfkandidatur des Tages - einer mit Signalwirkung: Der 19-jährige Schüler Leon Heine, von der JU nominiert, unterlag gegen die 22-jährige Studentin Ricarda Maria Schulterobben. Die übte in ihrer Vorstellungsrede Kritik an den Strukturen der Jungen Union in Kassel, der sie den Rücken gekehrt habe. Im Parteivorstand, dem sie zuvor bereits als Beisitzerin angehörte, wolle sie „konstruktiv mitarbeiten“.

Die Wahl ging mit 65 gegen 16 Ja-Stimmen für Schulterobben aus. Leon Heine ließ sich anschließend noch einmal bei der Wahl der zwölf Beisitzer aufstellen, kam aber auch dort nicht zum Zuge. Somit hat Kassels CDU am Samstag auf der Ebene ihres Parteivorstandes den Bruch mit der Jungen Union komplett vollzogen.

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