3G-Regelung in Betrieben

Bei Betrug droht Kündigung: Gefälschte Impfpässe kursieren in Unternehmen in Nordhessen

Wichtiges Dokument: In der Corona-Pandemie hat der Impfausweis an Bedeutung gewonnen. Doch besondere Sicherheitsmerkmale wie andere Ausweise hat er nicht.
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Wichtiges Dokument: In der Corona-Pandemie hat der Impfausweis an Bedeutung gewonnen. Doch besondere Sicherheitsmerkmale wie andere Ausweise hat er nicht.

In Kassel kursieren während der Corona-Pandemie gefälschte Impfpässe. Fragen und Antworten zu dem Thema.

Kassel – Deutschland steckt in der vierten Corona-Welle. In Unternehmen gilt deshalb die 3G-Regel: Doch gerade bei Impfzertifikaten gibt es immer mehr Fälschungen.

Arbeitgeber und Beschäftigte, die im Job Kontakt mit anderen Menschen haben, dürfen nur aufs Betriebsgelände, wenn sie geimpft, getestet oder genesen sind. Doch Betriebe, die Nachweise kontrollieren und Apotheken, die Impfzertifikate ausstellen, müssen damit rechnen, dass ihnen gefälschte Dokumente präsentiert werden.

Corona: Haben es die Betriebe in Kassel bereits mit gefälschten Impfausweisen zu tun?

Noch scheint das die Ausnahme zu sein. „In Nordhessen gibt es bislang nur vereinzelt Anzeigen von Unternehmen wegen des Verdachts, dass Arbeitnehmer gefälschte Impfpässe vorgelegt haben“, erklärt das Polizeipräsidium Nordhessen. Der Kasseler Kriminalpolizei lägen bislang weniger als ein Dutzend solcher Anzeigen vor. Auch von Apotheken seien bislang auf direktem Weg nur einzelne Anzeigen eingegangen.

Eine Vielzahl der Anzeigen laufe über die Gesundheitsämter ein, die von den Apotheken im Verdachtsfall informiert werden. Stellen die Gesundheitsämter eine Fälschung fest, leiten sie die Anzeigen an die Polizei weiter. „Hessenweit ermittelt die Polizei im unteren vierstelligen Bereich in Strafverfahren im Zusammenhang mit gefälschten Impfpässen.“

Gegenwärtig gebe es nur „äußerst vereinzelte Fälle“, bei denen Beschäftigte versucht hätten, mit gefälschten Dokumenten zur Arbeit zu kommen, heißt es beim Volkswagenwerk Kassel in Baunatal mit gut 17.000 Beschäftigten. „Diese Einzelfälle prüfen wir aktuell.“ Die Impfnachweise werden von Vorgesetzten kontrolliert, sie schalten dann auch den Werksausweis für den Zugang auf das Gelände frei.

Gefälschte Impfausweise während der Corona-Pandemie: Das gilt für den Arbeitnehmer

Dürfen Arbeitnehmer den Impfpass überprüfen? Ja, sagt Jürgen Kümpel, Geschäftsführer im Haus der Arbeitgeberverbände Nordhessen und Fachanwalt für Arbeitsrecht, „er darf und sollte es auch tun.“ Denn das Infektionsschutzgesetz schreibe die 3G-Regel auf dem Betriebsgelände für Beschäftigte und Arbeitgeber vor. Sie müssen einen Nachweis dabei haben oder ihn im Unternehmen hinterlegen.

Der Arbeitgeber kann zur außerordentlichen Kündigung berechtigt sein, so Kümpel. Denn der Betrug ist ein strafrechtlich relevantes Delikt. Der Arbeitgeber kann Anzeige erstatten, muss es aber nicht tun. Die Polizei empfiehlt hingegen, solche Delikte anzuzeigen. Den Betrügern droht eine Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr oder eine Geldbuße.

Corona in Kassel: Apotheken verweigern Impfzertifikat bei Verdacht auf Fälschung

Wie verhalten sich Apotheken, wenn sie vermuten, dass sie es mit Fälschungen zu tun haben? „Dann verweigern wir die Ausstellung des Zertifikats“, sagt Stephan Parzefall, Inhaber der Kasseler Post-Apotheke. Den Impfausweis ohne Einverständnis des Kunden einzubehalten, sei aber nicht möglich. „Wir sind nicht der verlängerte Arm des Gesetzes“.

Seit Mitte Dezember können Apotheken über ihr Verbändeportal die Chargennummern im Impfpass überprüfen. Damit lässt sich erkennen, ob diese zu den in Deutschland verimpften Dosen der Covid-19-Vakzine passten und ob die angebliche Impfung in einem passenden Zeitraum zwischen Zulassung und Verfallsdatum der Dosis liegt. Zudem haben die Apotheker eine Übersicht darüber, welche Präparate die Impfzentren und Ärzte vor Ort verabreichen, so Parzefall.

Kassel: Lassen sich gefälschte Corona-Impfzertifikate und Impfpässe erkennen?

Mit der Einführung der 3G-Regel am Arbeitsplatz seien die Zahlen der von der Polizei einkassierten falschen Dokumente stark gestiegen, heißt es beim Polizeipräsidium Nordhessen. In Kassel stellten die Beamten allein in einem Fall mehr als 800 Impfpässe sicher, die für Fälschungen vorgesehen waren. „Die Dunkelziffer muss in diesem Bereich aber als hoch eingeschätzt werden.“

Die Dokumente haben keine einheitlichen Sicherheitsmerkmale, was Fälschern die Arbeit erleichtert. Skeptisch werden sollten Arbeitgeber und Apotheker aber, wenn Impfabstände nicht passen, Angaben wie Daten oder Chargennummern fehlen oder Impfpass und Ausweis nicht übereinstimmen. (Barbara Will)

Im Dezember durchsuchte die Polizei wegen des Verdachts auf gefälschte Corona-Impfpässe mehrere Wohnungen in Nordhessen. Auch im Kreis Göttingen kamen Ermittler den Fälschern von Corona-Impfdokumenten auf die Spur.

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