Kasseler Studenten kümmern sich um Schüler aus schwierigen Verhältnissen – Vorbereitung auf Beruf

Künftige Lehrer lernen von Patenkind

Projekt-Pärchen: Katharina Wullenkord (23) verabredet sich wöchentlich mit dem neunjährigen Felix Krause. Da sich Felix für Registrierkassen interessiert, geht er mit der Grundschullehramtsstudentin oft in die Lernwerkstatt der Uni und spielt Kaufmannsladen.

Kassel. Lehrer haben oft nicht die Zeit, sich um jeden einzelnen Schüler intensiv zu kümmern. Lehramtsstudenten der Uni Kassel haben hingegen im Rahmen des „Projekt K“ die Möglichkeit, zwei Semester lang Einblicke in die Lebenswelt eines Kindes zu bekommen.

Diese Erfahrung ist laut Projektleiterin Prof. Friederike Heinzel sehr wichtig für die angehenden Pädagogen.

„Um pädagogisch professionell handeln zu können, ist die Wahrnehmung von Kindern als Individuen mit eigener Biografie und eigenen Bedürfnissen unabdingbar“, sagt die Professorin für Grundschulpädagogik. Die teilnehmenden Kinder sind zwischen fünf und zwölf Jahre alt und kommen meist aus Familien in sozialen Brennpunkten oder mit anderen Schwierigkeiten, etwa Trennung oder Sucht der Eltern. Vermittelt werden sie von der Familienberatungsstelle und dem Beratungs- und Förderzentrum der Astrid-Lindgren-Schule.

Die Lehramtsstudenten ab dem vierten Fachsemester treffen sich einmal wöchentlich für drei Stunden mit ihren Patenkindern. „Wichtig ist uns, dass es in dieser Zeit nicht vorrangig um die Schule geht“, erklärt Dr. Ralf Schneider, der das Projekt koordiniert. Stattdessen spielen die Pärchen Minigolf, gehen ins Kino oder fahren zum Herkules. „Es geht vielmehr um Perspektivenwechsel, Kontrasterfahrungen und Aufbau einer stabilen, vertrauensvollen Beziehung - für beide Seiten“, sagt der 50-Jährige.

So könnten die künftigen Lehrer andere Lebenswelten kennenlernen und gleichzeitig Türöffner für kulturelle Veranstaltungen sein, die ihren Patenkindern womöglich bislang verborgen geblieben sind. „Wenn sie später eine eigene Klasse haben, sollten sie wissen, dass jedes Kind seine eigene Geschichte hat und dass man sich um jedes einzelne bemühen muss“, sagt Schneider. Profitieren würden aber auch die Kinder: „Durch die persönliche Zuwendung und individuelle Förderung werden sie in ihrer Persönlichkeitsentwicklung gestärkt.“

Während der zwei Semester des Projektseminars besuchen die Studenten regelmäßig Begleitseminare und Supervisionskurse, um die Umstände, in denen die Schüler leben, einordnen zu können. Was bedeutet es beispielsweise, wenn bei einem Kind eine Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung (ADHS) festgestellt wurde? Nach dem Projekt erarbeiten die Studenten einen Fallbericht. Ziel sei es, „die Geschichten der Kinder wertschätzend zu erzählen und auch Diagnosen kritisch zu hinterfragen“, sagt Heinzel. Fotos: Schaffner

Von Sebastian Schaffner

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