Künstlerin Astrid Hülsmann

Sie formte die Hintern von Bürgern mit Wachs ab

Hundert Hintern: Für ihre Ausstellung „Back ups“ hat Astrid Hülsmann hundert Pos aus Wachs abgeformt. Sie hängen nun in ihrem Atelier in der Hammerschmiede in Rothenditmold. Foto: Ludwig

Kassel. 100 Männer und Frauen haben für die Kasseler Künstlerin Astrid Hülsmann ihre Hosen heruntergelassen. Der Grund dafür war das neueste Projekt der 49-Jährigen, das aus vielen Gründen außergewöhnlich ist.

So ist dem Hintern in der Kunst selten eine solche Aufmerksamkeit zuteilgeworden wie in ihrer Ausstellung. Noch erstaunlicher ist es aber, dass es Hülsmann gelungen ist, hundert Menschen zu finden, die sich bereitwillig als Po-Modell zur Verfügung stellten. Die meisten von ihnen stammen aus Kassel und der Region und haben mit Kunst sonst nichts am Hut.

Exakt hundert mit Wachs abgeformte Gesäße hängen in Hülsmanns Atelier in der Hammerschmiede in Rothenditmold. Bis es so weit war, musste Hülsmann zwei Jahre Arbeit in ihr Projekt „Back ups“ (deutsch: Sicherungskopien) stecken. Im Sommer 2013 entstand die Idee eher zufällig, nachdem die 49-Jährige beim Aufräumen eine Tüte mit Wachsresten gefunden hatte. Sie begann mit dem Material zu experimentieren und suchte erste Po-Modelle.

„Die Modelle zu finden war nicht schwer. Es lief allein über Mund-zu-Mund-Propaganda. Plötzlich meldeten sich von überallher Leute und sagten: Meinen Hintern kannst du auch haben. Und das bei einem Körperteil, der sonst sehr schambehaftet ist“, sagt Hülsmann. Ihr Ziel, jeweils genau 50 Männer und Frauen zu finden, sollte sie problemlos erreichen. Deren Altersspanne reichte von 18 bis 77 Jahren.

Faszinierend fand die Künstlerin, dass die meisten Modelle mit Kunst sonst nichts zu tun haben. „Plötzlich waren sie Teil eines Kunstwerks und stolz darauf.“

Die Bandbreite der Modelle reichte von Lehrern und Ingenieuren über Hausfrauen und Studenten bis hin zu Landwirten, Professoren und Therapeuten. „Es waren offene Menschen dabei, aber auch eher schüchterne“, berichtet Hülsmann.

Für die einstündige Prozedur wurde diesen ein dünnes Tuch auf den entblößten Po gelegt und anschließend das erwärmte Wachs aufgebracht. Viele der Freiwilligen erzählten Hülsmann anschließend, dass ihnen dies wie eine Wellness-Behandlung vorkam. Einer schlief dabei sogar ein und schnarchte.

„Die Begegnung mit oft vollkommen fremden Menschen, die sich in so eine intime Situation mit mir begeben haben, war auch für mich eine neue Erfahrung. Viele haben sich mit mir über sehr persönliche Dinge unterhalten“, sagt Hülsmann. Dabei sei es ihr wichtig gewesen, die Intimsphäre der Personen nicht zu verletzten. Allen habe sie Anonymität zugesichert.

Als die Modelle ihre eigenen Hintern, die mit Harz vor dem Schmelzen bewahrt und eingefärbt wurden, erstmals sahen, waren viele verblüfft: Ihnen kam ihr Po überdimensional groß vor. „Das liegt daran, dass die Proportionen losgelöst von den Beinen und dem restlichen Körper sind. Ein solcher Blick auf den eigenen Hintern ist sonst nicht möglich“, so die 49-Jährige.

Hintergrund: Für Besuch ist Anmeldung nötig

Die Ausstellung „Back ups“ von Astrid Hülsmann steht für Besucher offen. Allerdings sollten diese sich bei der Künstlerin anmelden. Das Atelier ist in der alten Hammerschmiede an der Wolfhager Straße 109 zu finden.

0561/ 7397616 www.steinstaub.de

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