Das Theater-Studio Lev plant für den documenta-Sommer Produktion mit Profisängern

Kult-Musical "Hedwig and the angry inch" kommt in Kassel auf die Bühne

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Selbstbewusst: Nina Janke aus Essen gab alles beim Profi-Casting vor der Studio-Lev-Jury.

Kassel. „Nachwuchstheatermacher treffen Profis in einzigartiger Musicalproduktion“ – unter diesem Motto startet das Kasseler Theater-Studio Lev in sein neues Projekt.

Der Verein, der seit 2009 in Kassel musikalische Bühnenprojekte mit jungen Erwachsenen realisiert, will das anspruchsvolle US-amerikanische Kultmusical „Hedwig and the angy inch“ auf die Bühne bringen. „Es ist das erste Mal, dass wir ein Musical mit professionellen Darstellern besetzen und in dem unsere Nachwuchstheatermacher die komplette Orga und alles hinter den Kulissen schmeißen“, sagt Studio-Lev-Geschäftsführerin Svenja Schröder.

„Ich bin sehr laut. Am besten, ich singe ohne Mikro.“ Wie ein Wirbelwind fegt Nina Janke über die Bühne und vermittelt schon in den ersten Minuten einen Eindruck ihrer Energie. Die Profisängerin – gerade ist sie von einem Engagement auf einem Kreuzfahrtschiff zurück gekehrt – war am Morgen eigens aus Essen angereist, um beim Casting in einer kleinen Gewerbehalle am Kulturbahnhof ihr ganzes Charisma in die Waagschale zu legen.

Profi-Casting durch Studio Lev für neues Musical: In der Jury saßen (von links) Regisseur Philipp Rosendahl, Produzentin Svenja Schröder, Kostüm- und Bühnenbildnerin Isabell Heinke, Regieassistent und Darsteller Julian Carly, Dramaturgin Tamara Bodden und der musikalische Leiter Christian Köhn.

Die sechsköpfige Jury mit Regisseur Philipp Rosendahl an der Spitze ist beim Casting voll konzentriert, macht sich Notizen, fragt nach. Die Atmosphäre ist freundschaftlich, locker. In einer Nische haben sich auf einer Decke die zwei mexikanischen Nackthunde von Svenja Schröder, Ru und Amber, zusammengerollt und lassen es sich gefallen, wenn sie zwischendurch vom einen oder anderen gestreichelt werden.

20 Profis nach Kassel eingeladen

Für das Casting angemeldet hatten sich 50 Musical-Profis aus dem deutschsprachigen Raum, 20 hat Studio Lev nach Kassel eingeladen. Einige wie Nina strotzen nur so vor Selbstbewusstsein, andere, wie der Singer- Songwriter Roman Nitz aus Kassel, der sich selber an der Gitarre begleitete, machten aus ihrem Lampenfieber keinen Hehl.

Lampenfieber: Roman Nitz aus Kassel wärmt sich vor seinem Auftritt vor der Jury auf.

Zum Gesamtkonzept des Musical-Projekts gehört die Entwicklung eines ungewöhnlichen Spielorts, der sich laut Rosendahl im Innenstadtbereich befinden wird.

Inzwischen hat sich die Lev-Jury auf ihre zwei Darsteller, einen Mann und eine Frau, geeinigt. („Wir hatten hochkarätige Sänger unter den Bewerbern, das war nicht leicht“, so Rosendahl). Jetzt muss nur noch der Autor, John Cameron Mitchell, die Besetzung absegnen, denn das war neben der Profibesetzung Bedingung, um das Stück in Kassel aufführen zu können. Die sechsköpfige Band, die ebenfalls auftritt, wird mit Spielern aus dem Studio Lev besetzt.

Musical stammt aus dem Jahr 1998

Das US-amerikanische Kultmusical „Hedwig and the angry Inch“ ist ein preisgekröntes New Yorker Off-Broadway-Rock-Musical aus dem Jahr 1998. Es handelt von einer Rock-’n’-Roll-Band mit einer Ost-Berliner Drag-Queen als Sänger. 2001 wurde es verfilmt. Das Buch stammt von John Cameron Mitchell, Musik und Gesangstexte von Stephen Trask . Das Musical habe „einen hohen Unterhaltungswert“ und biete gleichzeitig Material für eine „wissenschaftliche Auseinandersetzung mit gesellschaftlich relevanten Themen“ von Geschlechteridentität über altgriechische Sagen bis hin zu Ängsten, sagt die Kasseler Produzentin Svenja Schröder. Deshalb werde parallel zu den Musical-Aufführungen ein in Kooperation mit der Uni Kassel erarbeitetes Seminar angeboten. Es soll Kasselern und documenta-Gästen die Gelegenheit bieten, die einzelnen Themenkomplexe zu vertiefen. Die Premiere ist am 24. Mai. 

Für den ganzen documenta-Sommer sind mindestens 16 Vorstellungen geplant. Die Produktionskosten belaufen sich laut Studio Lev auf 50.000 Euro. Davon könne über die Hälfte aus Ticketeinnahmen finanziert werden. Gleichzeitig sucht Studio Lev weiter nach engagierten Sponsoren und startet am 5. März eine Crow-Funding-Kampagne. Der Verein Studio Lev ist im vergangenen Jahr mit dem Kulturförderpreis der Stadt Kassel ausgezeichnet worden. 

www.studiolevkassel.de

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