Studenten haben seit diesem Semester in Museen freien Eintritt – viele wissen das aber noch nicht

Kultur geht an vielen vorbei

Nutzen das Kulturticket: Die Schwestern Sarah und Sonja Wedde haben als Studentinnen der Uni Kassel freien Eintritt in die Gemäldegalerie im Schloss Wilhelmshöhe. Foto: Schaffner

Kassel. Mit dem neuen Kulturticket haben Studenten der Uni Kassel seit diesem Semester freien Eintritt in zahlreiche kulturelle Einrichtungen. Einen Monat nach Vorlesungsbeginn wissen aber viele der 23 000 Studenten noch nicht von dem Angebot.

Das Kulturticket wird über den Semesterbeitrag finanziert: Alle Studenten haben dafür zum Wintersemester 2,49 Euro gezahlt. Im Gegenzug hat der Asta mit einer Reihe Museen und Theater ausgehandelt, dass Studenten freien Eintritt bekommen. Die Kultureinrichtungen bekommen dafür eine Pauschale pro Semester. Doch die Kultur-Flatrate können die Studenten nur nutzen, wenn sie das Angebot kennen.

Lehramtsstudentin Sarah Wedde wusste anfangs nichts von der Neuerung. Als die 22-Jährige im September ihr Semesterticket erhielt, sah sie eher zufällig, „dass da neuerdings auch Kulturticket draufsteht“, sagt sie. Da dem Ausweis keine Erklärung beigelegt und die Internetseite des Asta nicht erreichbar gewesen sei, habe sie nur durch ihre Schwester erfahren, was es damit auf sich hat.

„Wir Erstsemester haben bei der Begrüßungsveranstaltung einen Flyer bekommen“, sagt Sonja Wedde (20), die seit Oktober ebenfalls Lehramt studiert. Mit dem Kulturticket sind die Schwestern zufrieden. Mit der Informationspolitik des Asta, der das Angebot für die Studenten ausgehandelt hat, hingegen weniger. „Wenn ich etwas bezahlen muss, möchte ich auch informiert werden, wofür“, sagt Sarah Wedde.

Aktuelle Zahlen der teilnehmenden Einrichtungen zeigen, dass sich das kostenlose Angebot inzwischen zumindest bei einigen Studenten herumgesprochen hat. Im Staatstheater sind laut Sprecherin Astrid Horst seit September mehrere Hundert Tickets an Studenten vergeben worden: „Bei uns wird das Kulturticket sehr gut angenommen, wir machen allerdings auch selbst Werbung dafür“, sagt sie. Die Museumslandschaft Hessen Kassel, die in zehn Häuser freien Eintritt gewährt, hat bislang rund 500 Kulturticket-Inhaber gezählt.

Der Asta räumt auf Anfrage ein, die Einführung des Kulturtickets nicht optimal kommuniziert zu haben. „Wir haben mit den Erstsemester-Tüten zwar 4000 Flyer verteilt, aber wenn es nicht alle wissen, hat das nicht gereicht“, sagt Sprecherin Lisa Coburger. Die Studentenvertreter planen, das Kulturticket auszuweiten. „Wir verhandeln gerade mit vier weiteren Einrichtungen“, sagt Coburger. Darunter seien auch das Fridericianum und das Museum für Sepulkralkultur. Zustimmen müsste dann noch die studentische Vollversammlung, die allerdings meist mager besucht ist. „Wenn es zu einer Erweiterung kommen sollte, werden wir das besser ankündigen, zum Beispiel mit einem Stand auf dem Campus“, verspricht Coburger.

Von Sebastian Schaffner

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