Unser Buchtipp

Lustiger Kassel-Comic: Kulturkampf zwischen Schoppen und Äppelwoi

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Niko Mönkemeyer (links) und Horst Seidenfaden mit ihrem ersten Kassel-Comic.

Drei Südhessen entführen den Herkules, und dann geht alles drunter und drüber im gerade erschienenen Kassel-Comic. Die Geschichte um die Helden Ephesus und Kupille könnte für Gesprächsstoff sorgen.

Viel schlimmer kann es für einen echten Nordhessen nicht kommen als im ersten Kassel-Comic. Da beschimpft der Ahle-Worscht-Metzger den Kollegen als Veganer, die Stadt ist eine einzige Baustelle, weswegen der Stadtbaurat eingesperrt wird, und dann ist auch noch der Herkules verschwunden.

„Die Entführung des Herkules“ heißt das erste Comic-Abenteuer der Kasseler Originale Ephesus und Kupille, das sich HNA-Chefredakteur Horst Seidenfaden (Autor) und Redakteur Niko Mönkemeyer (Zeichner) ausgedacht haben. Der im Wartberg-Verlag erschienene Band ist eine schöne Hommage an das Kasseler Wahrzeichen, das in diesem Jahr seinen 300. Geburtstag feiert. Vor allem aber macht die herrlich überdrehte Geschichte jede Menge Spaß.

Sie beginnt mit einem südhessischen Guerilla-Trio, das in einer Nacht-und-Nebel-Aktion den Herkules entführt. Heinz Schenk, Joschka Fischer und Roland Koch wollen ihn nur gegen das Rezept für das weltbeste Naturtrüb-Bier wieder herausgeben. Es geht also um einen uralten Kulturkampf: Äppelwoi gegen Schoppen, Südhessen gegen Nordhessen.

Der Comic spielt nicht nur schön mit Klischees. Er hat in Ephesus und Kupille auch zwei Helden, die an Asterix und Obelix angelehnt sind und es gemeinsam mit Waschbär Henner mit den „südhessischen Gestalten“ aufnehmen.

Südhessische Entführer auf dem Weg zum Herkules.

Mit reduziertem Strich karikiert Mönkemeyer gekonnt jede Menge echte Kasseler Persönlichkeiten: Regierungspräsident Walter Lübcke ist ein dauerqualmender König, der scheidende Oberbürgermeister Bertram Hilgen spricht als Bärtel Willgehn schlimmstes Sozi-Gender-Deutsch, und der Kasseler Polizeipräsident (ohne Namen) hätte als Choleriker auch im Münster-„Tatort“ eine gute Figur gemacht. Der Comic bietet nicht nur beste Unterhaltung, sondern auch jede Menge Gesprächsstoff.

Selbst wer kein Kassel-Kenner ist, wird mit Ephesus und Kupille Spaß haben. Mönkemeyers Zeichnungen sehen aus, als hätte Asterix-Erfinder Albert Uderzo ein „Fix und Foxi“-Heft gestaltet.

Nordhessische Helden: Ephesus, Kupille und Waschbär Henner.

Nebenbei gibt es lustige Gags auf den Politbetrieb – etwa über den Ex-Ministerpräsidenten Holger Börner, der den Grünen mit der Dachlatte drohte. Anneliese Hartleb, legendäre Dame der Kasseler Kulturszene (Frau Goethe), fragt daraufhin: „Sifft häh dann?“

Es wird sehr viel gesoffen und Worscht gegessen. Trotzdem kann man den Kassel-Comic auch Abstinenzlern schenken: Die Handlung wird unter anderem von einem laufenden Veganer vorangetrieben.

Horst Seidenfaden, Niko Mönkemeyer: Der Kassel-Comic: Ephesus und Kupille - Die Entführung des Herkules. Wartberg-Verlag, 48 Seiten, 14 Euro. Wertung: fünf von fünf Sternen

Buchvorstellung: Donnerstag, 18.30 Uhr, in der Kasseler Hofbuchhandlung Vietor, Ständeplatz 17.

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