Bahn prüft, das Gelände zu verkaufen

Kreative in Kassel: Wie lang kann die Nachrichtenmeisterei im Kulturbahnhof bleiben?

Will einen langfristigen Mietvertrag oder das Gebäude kaufen: Sebastian Fleiter vor der Nachrichtenmeisterei auf der Südseite des Kulturbahnhofs.
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Will einen langfristigen Mietvertrag oder das Gebäude kaufen: Sebastian Fleiter vor der Nachrichtenmeisterei auf der Südseite des Kulturbahnhofs.

Die Nachrichtenmeisterei im Kulturbahnhof hat sich weit über Kassel hinaus einen Namen gemacht. Bald läuft der Mietvertrag jedoch aus. Verliert die Stadt damit viele kreative Köpfe? 

  • Nachrichtenmeisterei im Kulturbahnhof in Kassel ist über die Stadt hinaus bekannt
  • Der Mietvertrag mit der Deutschen Bahn läuft jedoch bald aus
  • Wie soll es nun weitergehen?

Kassel - Versteht man Johannes Guttenhöfer richtig, ist die Kasseler Nachrichtenmeisterei genau so ein Netzwerk, auf das viele nun auch in der Coronakrise setzen. „Es ist eine tolle Community, in der sich Kreative gegenseitig helfen“, sagt der Chef der Film- und Fernsehproduktionsfirma Jojo TV, die wie mehr als ein Dutzend andere Firmen und Initiativen ihren Sitz im Südflügel des Kulturbahnhofs hat.

„Es ist ein cooler Ort für coole Leute“, sagt Sebastian Fleiter, der die Kreativschmiede in den alten Bahngebäuden seit 2003 aufgebaut hat. Doch schon vor Corona war die Nachrichtenmeisterei in Gefahr. Der Mietvertrag mit der Bahn läuft Ende September aus.

Kasseler Nachrichtenmeisterei will langfristigen Mietvertrag oder Verkaufsgespräche

Zuletzt wurde der Mietvertrag nach fünf Jahren noch mal um jeweils ein Jahr verlängert. Fleiter will nun Planungssicherheit, sprich einen „langfristigen Mietvertrag oder Verkaufsgespräche“. Andernfalls werde er sich zurückziehen.

Für die kreative Szene der Stadt wäre das ein harter Rückschlag. „Dieser Ort strahlt weit über Nordhessen hinaus“, findet Fleiter, der mit seinem Atelier zahlreiche Auszeichnungen erhielt.

Fleiter, der die Nachrichtenmeisterei in Kassel aufgebaut hat, wäre jetzt eigentlich in Texas

Eigentlich wäre der 48-Jährige jetzt auf dem South-by-Southwest-Festival in Austin, das als weltweit wichtigster Treffpunkt für alle gilt, die an innovativen Dingen basteln. Für Texas hatte Fleiter mit seinen neun Mitarbeitern den Messestand des Bundeswirtschaftsministeriums konzipiert. Zuvor hätte er die Internationale Tourismus-Börse (ITB) in Berlin mit Handy-Ladesäulen ausgestattet.

Nachrichtenmeisterei in Kassel lockt junge Kreative an

Beide Veranstaltungen wurden wegen Corona abgesagt. Fleiter, der mit der Kinderbuchautorin und -illustratorin Florentine Joop verheiratet ist, ist wie alle anderen nun daheim. Derzeit arbeitet er in Potsdam an neuen Ideen, wohin er von Kassel aus regelmäßig pendelt.

In seine Nachrichtenmeisterei hat er in den vergangenen Jahren viele junge Kreative gelockt – von einer Laser-Tag-Arena über den Chaos Computer Club, der sich in Kassel „Flipdot Hackerspace“ nennt, bis zum Verein Klangkeller, der Jugendarbeit macht.

„Der Ort ist genial“, sagt Melania-Simona Moise von der Werkstatt Hammertime, bei der jeder handwerkliche Projekte umsetzen kann: „Hier stört man keinen, und die Miete ist günstig.“

Nachrichtenmeisterei: Kauf des Geländes in Kassel scheiterte 2011

Hammertime ist erst im Herbst in die Nachrichtenmeisterei gezogen. Im schlimmsten Fall müsste die Werkstatt Ende des Jahres wieder raus. Ein langfristiger Mietvertrag ist eher unwahrscheinlich. Bei der Bahn heißt es auf unsere Anfrage, dass man prüfe, das Gebäude zu verkaufen. Wenn die Nachrichtenmeisterei Interesse an einem Kauf habe, könne sie sich melden.

Schon 2011 hatte Fleiter überlegt, das Gelände zu erwerben. Damals scheiterte es an den Preisvorstellungen der Bahn, wie er sagt. Zudem müsse man noch mal eine Million Euro in eine Kernsanierung investieren.

Derzeit würden Schäden von der Bahn nur provisorisch instandgesetzt. Andere Immobilien, die für eine Kreativschmiede infrage kommen, hat er in Kassel nicht gefunden. Auch TV-Produzent Guttenhöfer ist sich sicher: „So einen Ort und so ein Netzwerk findet man nicht wieder.“

Virtuelles Kulturprogramm auf der Couch: Zehn Museen, die man von zu Hause aus besichtigen kann.

Kreatives in der Coronakrise - Zentrales Studio in Northeim: Kirche live im Internet.

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