Düngemittel- und Salzproduzent

Kulturwandel bei K+S: Vorstandschef Lohr krempelt Konzern um

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Burkhard Lohr, Vorsitzender des K+S-Vorstands, gestern bei der Hauptversammlung in der Kasseler Stadthalle.

Kassel. Der Kasseler Kali- und Salzproduzent K+S will in den kommenden Jahren deutlich profitabler werden. Bis 2030 soll das Jahresergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen um das fünffache auf drei Milliarden Euro steigen.

Was davon unterm Strich übrig bleibt, hängt von Steuerlast und Höhe der Abschreibungen ab. Am Ende könnte aber ein Reingewinn oberhalb der Milliardengrenze übrig bleiben. Das Ebitda ist eine der wichtigsten Unternehmenskenngrößen. 

Gleichzeitig appellierte Lohr an Aktionäre und Mitarbeiter, ein 2017 aufgelegtes Zukunftssicherungsprogramm kraftvoll voranzutreiben. Das sieht unter anderem einen kompletten Strategiewechsel vor: weg vom Denken in den Sparten Kali und Salz, hin zum konzertierten Handeln in den kundenorientierten Geschäftsbereichen Landwirtschaft, Industrie, Verbraucher und Kommunen – den vier Zielgruppen des Konzerns. Das Zusammenwachsen der bislang weitgehend allein agierenden Sparten soll ab Ende 2020 bereits zu jährlichen Einsparungen von 150 Mio. Euro führen. 

Die Aktionärsvertreter begrüßten die neue Strategie, bemängelten aber, dass Lohr trotz mehrfacher Nachfrage keine Angaben zu kurzfristigen Ergebniszielen machte.

Erste Versammlung für Vorstandschef Lohr

Burkhard Lohr (55) konnte seine Aufgeregtheit zu Beginn der gestrigen Hauptversammlung des Kasseler Kali- und Salzproduzenten K+S kaum verbergen. Schließlich war es sein erstes Aktionärstreffen als Vorstandschef von Deutschlands größtem Rohstoffkonzern. Aber seine Nervosität legte sich spätestens nach den Reden der Aktionärsschützer, die Lohrs Strategiewechsel überwiegend lobten: von einem Zweispartenkonzern hin zu einem integrierten Düngemittel- und Salzanbieter mit stärkerer Kundenorientierung. „One Company“ – eine Gesellschaft – lautet die Losung.

„Wir brechen Mauern ein und rücken zusammen, um gute Lösungen für die Kunden zu finden“, sagte der 55-jährige Manager, der das Ruder vor einem Jahr von Norbert Steiner übernommen hatte.

Seither hat sich einiges geändert. Neben einem Strategie-, hat Lohr auch einen längst überfälligen Kulturwechsel eingeleitet. Anders als Vorgänger Steiner sucht der neue Vorstandschef das Gespräch mit den K+S-Gegnern, die auch gestern wieder mit Transparenten und Flugblättern gegen die Verpressung von salzhaltigem Abwasser in den Untergrund und die Einleitung in die Werra, insbesondere aber gegen den geplanten Bau der Oberweser-Pipeline vor der Kasseler Stadthalle demonstrierten.

Charme-Offensive

„Herstellung des Umweltfriedens“ nennt Lohr seine Gesprächs- und Charme-Offensive zur Versachlichung der festgefahrenen Debatte um eine Verringerung von Umweltbelastungen durch den Kali-Abbau. In der strittigen Trinkwasserfrage hat er sich unlängst mit der thüringischen Gemeinde Gerstungen und dem BUND geeinigt, die daraufhin eingereichte Klagen zurückgezogen und auf neue verzichtet haben.

„Ein Jahr Lohr fühlt sich gut an. Machen Sie so weiter, wir vertrauen Ihnen“, sagte Marc Tüngler von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Dessen Kollege Florian Honselmann von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger zeigte sich nicht so zufrieden und bemängelte, dass immer noch kein Ankeraktionär gefunden worden und der Reingewinn im vergangenen Jahr mit 145 Millionen Euro „nicht besonders“ gewesen sei.

Ganz im Sinne Lohrs dürfte der Appell von Weseranrainer und K+S-Kritiker Gerd Rohmann gewesen sein, der eine „Versöhnung von Ökologie und Ökonomie“ und den Verzicht auf die Oberweser-Pipeline forderte, bei der riesige Speicherbecken im Reinhardswald entstehen sollen.

Christian Russau wurde namens des BUND und der Kritischen Aktionäre schon deutlicher. Er forderte einen Stopp von Verpressung und Einleitung sowie die Abdeckung der Kali-Halden, aus denen ständig Salzwasser sickert. Angesichts der Endlichkeit der Vorkommen im Werra-Revier – in etwa 40 Jahren sind sie erschöpft – sollte sich K+S ab sofort auf die „Nachbergbau-Phase“ einstellen, um der Nachwelt keine Ewigkeitslasten zu hinterlassen.

Lohr versicherte, dass K+S intensiv an technischen Lösungen zur weiteren Verringerung des Abwasseraufkommens arbeite und verwies auf Investitionen von 400 Millionen Euro in den Gewässerschutz allein in den vergangenen Jahren.

8000 Beschäftigte in drei Bundesländern

K+S ist global viertgrößter Kali-Produzent und die Nummer eins in Europa sowie der Weltmarktführer bei Salz. Das Unternehmen beschäftigt weltweit fast 15 000 Mitarbeiter, davon rund 7000 in Hessen und Thüringen sowie 1000 in Niedersachsen. Im vergangenen Jahr setzte das im M-Dax der mittelgroßen Werte gelistete Unternehmen 3,63 (Vorjahr: 3,47) Mrd. Euro um und erzielte einen Reingewinn von 145 (130,5) Mio. Euro. K+S stellt neben Standard-Düngemitteln und Magnesium-Spezialitäten Auftau-, Industrie- und Speisesalz sowie hochreine Salze für die Pharmabranche her. Der Kapitalmarkt honoriert die Lohr-Strategie. Binnen sechs Monaten legte der Aktienkurs um gut ein Drittel auf zuletzt 25,73 Euro zu.

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