Das mobile Café macht bei vielen Veranstaltungen Station

Kulturzelt: Dieser Kaffeemann ist Kult

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Nicht zu übersehen: Barista Manuel Thaldorf serviert an seinem roten Kleintransporter, einem mobilen Café, Espresso, Cappuccino, Kaffee und Co.

Kassel. Das „Espressomobil“ gehört zum Kasseler Kulturzelt wie die Fulda. Nach dem Tod von Frank Thaldorf schenkt Bruder Manuel den Cappuccino aus. Dabei restauriert das Multitalent eigentlich Möbel.

Das feuerwehrrote, dreirädrige „Espressomobil“ von Manuel Thaldorf ist ein Hingucker. Nicht nur die Optik des knuffigen 50-Kubik-Kleintransporters aus dem Hause des Vespa-Herstellers Piaggio kommt an. Magisch angezogen werden die Menschen auch vom Duft, der vom Espressomobil ausgeht: Der Kaffee wird hier vor Ort frisch gekocht und sofort serviert.

Es ist nicht übertrieben, Manuel Thaldorf (69) als ein Kasseler Urgestein und eine Institution in der Gastro-Szene zu bezeichnen. Mit seinem Bruder Frank betrieb er legendäre Kneipen und Gaststätten wie das Café Hahn, das Lalala (heute B2), das Café Nordpol und in Göttingen das „Plüsch“. Er arbeitete an der Theke im Club 21 (heute Club 22) sowie als glamouröser Barkeeper im Bella Vista, einer Jazzbar im Café Rosenhang (heute Bolero). Er mixte Daiquiris und Bloody Marys, hatte für jeden Gast einen freundlichen Spruch parat und scharte eine Menge „Barflys“ um sich.

„Ja, ich hatte damals eine Menge Verehrerinnen und Verehrer“, erinnert er sich mit breitem Grinsen an die 1980er-Jahre. „Lang ist’s her“, sinniert er: „Aber ich bin ein Genussmensch und habe immer noch Spaß am Leben.“

Das sagt Manuel Thaldorf auch in Hinblick auf die Trauer um Bruder Frank, der vor drei Jahren an Krebs gestorben ist. Das Espressomobil war 2001 Franks Geschäftsidee. Er nannte es „kulturbegleitende Gastronomie“. Überall, wo größere Veranstaltungen wie das Kulturzelt oder das Tigerentenschwimmen stattfinden, ist Thaldorfs mobiles Café (das man auch mieten kann) vor Ort.

Leitspruch: „Lächeln macht einfach schöner“ steht auf dem Schild im „Espressomobil“ von Manuel Thaldorf. Immer an Bord: ein Foto seines verstorbenen Bruders Frank (1950 – 2015).

„Mach das Espressomobil weiter, die Leute sollen an mich denken“, hatte Frank seinem Bruder Manuel mit auf den Weg gegeben. Seitdem erinnert im Laderaum, wo die Utensilien fürs Kaffeekochen ihren Platz haben, ein Foto an Frank. Die Dritte im Familienbund, eine Schwester, lebt in den USA.

Seinen Job an der Espressomaschine – in Italien Barista genannt – macht Manuel mit viel Liebe. „Es war unsere Mutter, die uns zur Herzlichkeit erzogen hat“, sagt Manu. Den südländischen Einschlag haben die Geschwister vom Vater, einem ehemaligen GI mit puertoricanischen Wurzeln.

Aber Manuel Thaldorf kann mehr als Gastro. Gelernt hat er Heizungs- und Lüftungsbauer bei der Kasseler Firma Landwehr + Schultz. Danach war er zehn Jahre lang als Techniker in Ländern wie Saudi-Arabien und Libyen unterwegs. Neben seinen Tätigkeiten in der Gastronomie arbeitete er – bis heute – halbe Tage als Möbelrestaurator für einen Antiquitätenhändler. Thaldorf ist in keine Schublade zu stecken. Dazu gehört auch, dass er als Single seit Jahren, wie er sagt, „in Wohngemeinschaft mit einer Frau“ lebt.

Alles Infos zum Kulturzelt gibt es hier.

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