Techniker Knut Sippel ist Mister Kulturzelt

Kulturzelt Kassel: Diese Helfer machen das Festival zur Attraktion

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Die Mitarbeiter und Helfer des Kulturzelts: (hinten von links) Eike Böttger, Sladi Tutnjevic, Michael Knauf, Michael Kubalas, Thomas Windhorn und Manuel Thaldorf, (Mitte) Lutz Reimer, Ellemaj Degenhardt, Jürgen Truß, Mathias Jakob, Benjamin Ehrlich und Knut Sippel, (vorn) Magdalena und Maria Strbac, Olga Gemar und Nora Müller. 

Voriges Jahr wäre das Kasseler Kulturzelt fast Geschichte gewesen. Nun wird das Festival fortgeführt und ist so einzigartig wie eh und je. Aber wer sind eigentlich die Helfer?

Für viele ist das Kulturzelt der Höhepunkt des Kasseler Sommers. Das liegt vor allem an den Künstlern, die noch bis zum 31. August auftreten. 

Das Festival ist aber auch wegen seines Drumherums so beliebt. „Wir haben den schönsten Biergarten der Stadt“, sagt Jürgen Truß, der das Kulturzelt mit Mathias Jakob, Bernhard Weiß und Lutz Reimer übernommen hat. Aber wer sind all die anderen Mitarbeiter, die dafür sorgen, dass das Herz der Stadt jeden Sommer an der Drahtbrücke schlägt? Eine Auswahl.

Der Techniker

Nach dem Abschied der bisherigen Leiter Angelika Umbach und Lutz Engelhardt ist Knut Sippel Mister Kulturzelt. Der technische Leiter ist der dienstälteste Mitarbeiter. 1987 wollte er am Kulturzelt eigentlich nur Werbung für das Open-Flair-Festival machen, das er zwei Jahre zuvor mitgegründet hatte. Doch dann sagte jemand: „Es wäre geil, wenn du hier arbeiten könntest.“

Mittlerweile ist Sippel seit 31 Jahren für die Lichttechnik und Spielleitung verantwortlich. „Ohne ihn würde hier gar nichts laufen“, lobt Truß den 54-Jährigen, der den ganzen Sommer an der Drahtbrücke verbringt. „Ich bin der Erste, der kommt, und der Letzte, der geht“, sagt Sippel. Mit dem Aufbau haben er und seine Kollegen am 19. Juni begonnen. Verabschieden wird er sich erst am 27. September, wenn alles wieder weg sein soll.

Der Biergarten-Chef

Auch Sladjan Tutnjevic ist eine Kulturzelt-Institution, allerdings kennen ihn nur die wenigsten unter seinem Namen. „Ich bin der Sladi“, sagt Sladi, der seit 25 Jahren das Café Kraftstoff in Immenhausen betreibt. Vier Jahre später übernahm er die Gastronomie am Kulturzelt.

Mit bis zu 17 Mitarbeitern „rockt“ er die Getränke-Theke und eine Cocktail-Bar, wie Sladi es nennt, wenn er arbeitet. „Der Biergarten ist meine Welt.“ Geöffnet hat er von 15 bis 23.30 Uhr.

Wenn man ihn fragt, was den Biergarten ausmache, lobt er seine Ex-Chefin Umbach: „Angelika hat einen sehr guten Geschmack.“ Sie entschied, dass der Platz nicht mit Werbeschirmen zugestellt wird. Stattdessen wird jeden Sommer ein Sonnensegel aufgehängt.

Darunter war es bislang so voll wie jeden Sommer. Der Besuch hängt vom Wetter ab. „Nur die Sommerferien haben sich zuletzt bemerkbar gemacht“, sagt Sladi.

Die Einlassfrau

Das erste, was Konzertbesucher sehen, ist meist das Gesicht von Olga Gemar. Seit neun Jahren kontrolliert die Studentin die Tickets. Ab und an hat die 35-Jährige mit meckernden Gästen zu tun. Einmal wollte ein Mann rein, obwohl er keine Karte hatte. 

„Von einer Frau lasse ich mir nichts sagen“, blökte er und drohte, dass Gemar nächstes Jahr nicht mehr am Eingang stehen werde. Der Vorfall ist schon einige Jahre her. Nicht nur mit seinen Manieren lag der Mann daneben.

Die Gastronomen

Wie sehr das Festival gewachsen ist, sieht man auch am Imbiss. Vor 16 Jahren begann die Kneipe Ulenspiegel mit dem Catering in einem „besseren Weber-Grill“, wie Mitarbeiter Kevin Virks sagt, der sonst im Zündstoff-Bikertreff am Edersee beschäftigt ist. Heute verkaufen zehn Mitarbeiter Essen aus einem Container-Zelt. Flammkuchen gibt es nebenan aus einem historischen Transporter. Der Renner ist die Currywurst.

Leckere Angebote: Manuel Thaldorf (links) betreibt das Espressomobil. 

Der Espresso-Mann

Früher hätte Manuel Thaldorf nicht gedacht, dass er mit 70 noch Kaffee verkaufen würde. „Ich habe es eigentlich auch nicht mehr nötig zu arbeiten“, sagt der gelernte Heizungs- und Lüftungsbauer, der mit seinem Bruder Frank zahlreiche Gaststätten wie das Café Hahn betrieb. Seit 2001 machte Frank mit seinem roten Espressomobil bei zahlreichen Events Station.

2015 starb Frank. Seitdem verkauft Manuel den Espresso: „Ich habe es meinem Bruder versprochen.“

Die Waffelverkäuferin

Vom Stammgast im Biergarten zur Verkäuferin: Silke Schuster-Hoffmann backt Waffeln.

Die süßeste Geschichte des Kulturzelts ist die von Silke Schuster-Hoffmann. Sie war mit ihrer Freundin einst Stammgast im Biergarten, dachte sich aber irgendwann: „Hier fehlt was Süßes.“ Also entwickelten die beiden Frauen das Konzept eines Waffelstands.

Nachhaltig und regional sollte es sein. Und so gibt es seit vier Jahren zum Beispiel Mohndinkelwaffeln – ob mit Schmand oder Zucker und Zimt. Das kommt so gut an, dass Kunden Schuster-Hoffmann immer wieder fragen, wo denn ihr Waffelladen in der Stadt sei. Den gibt es jedoch nicht.

Die 45-Jährige arbeitet als Marketing-Expertin in der Harleshäuser Firma HS Bau. Wird die Doppelbelastung im Sommer der Mutter eines acht Jahre alten Sohnes nicht manchmal zu viel? „Nein“, sagt Schuster-Hoffmann, „hier am Kulturzelt ist es ein bisschen wie im Urlaub.“

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