Verseuchtes Tierfutter: Händler in der Markthalle verzeichnen kaum Umsatzeinbußen

„Kunden kaufen trotzdem“

Hühnerfutter getestet: Veronica Reuschel hatte keine Probleme, ihre Eier in der Markthalle zu verkaufen. Allerdings musste sie immer wieder Fragen von Kunden beantworten. Foto: Schachtschneider

kassel. Der Dioxin-Skandal zieht immer größere Kreise. Vorübergehend wurden am Freitag auch neun Höfe in Nordhessen stillgelegt, später aber wieder freigegeben. Die Kunden der Kasseler Markthalle schienen die Nachrichten über verseuchtes Tierfutter nicht allzu sehr zu beunruhigen. „Sie kaufen trotzdem“, sagte Beate Malkomes, die neben Gemüse auch Eier aus Bodenhaltung anbietet. „Die Leute lassen sich nicht so schnell einschüchtern.“

Die Marktfrau aus Sandershausen hatte am Samstag aber vorgesorgt, um mögliche Bedenken ihrer Kunden zu zerstreuen. Sie hatte ein Schreiben der Deutschen Tiernahrung GmbH in Düsseldorf zur Hand mit der Versicherung, dass die Hennen ihres Lieferanten nicht mit dem verseuchten Futter gefüttert worden seien. Oft vorzeigen musste sie das Schreiben aber nicht. Neue Kunden fragten in diesen Tagen zwar verstärkt nach der Herkunft der Eier, berichtete sie, die Stammkunden zeigten aber Vertrauen.

Frage des Vertrauens

So wie Hans-Dieter Schröder. Bei den Markthändlern und Herstellern seines Vertrauens könne er alles kaufen und müsse sich nicht einschränken, sagte der 61-Jährige. „Ich bilde mir ein, sie zu kennen.“ Eierfrau Erika Hüppe aus Wolfhagen-Altenhasungen konnte sich nicht über mangelnde Kundschaft beklagen. „Ich mische das Futter selbst“, sagte sie. Ihre treuen Kunden wüssten, dass alles in Ordnung sei. Die anderen fragten verstärkt nach.

Doris Weckesser informierte sich ebenfalls, bevor sie am Stand von Frischei Waldeck zehn Eier kaufte. „Ich werde sie mit Genuss essen“, versicherte die 74-Jährige. Schadstoffen in Lebensmittel könne man heutzutage aber wohl kaum entgehen. „Wenn das alles aufgeklärt würde, was wir zu uns nehmen.“

Veronika Reuschel, die den Eierstand betreute, konnte die Kunden beruhigen. „Unser Hühnerfutter ist getestet. Wir haben die Bestätigung, dass alles in Ordnung ist“, sagt sie. Manche Stammkunden rissen schon Witze, sie verlangten zum Beispiel „zehn Dioxin-Eier“. „Nur Ältere sind etwas vorsichtiger.“ Es griffen auch mehr Kunden zu Bio-Eiern. Vor ein paar Tagen sei das Geschäft ruhiger gewesen, nun laufe es wie immer.

Geflügelhändler Bernd Wichart spürte dagegen eine gewisse Zurückhaltung. „Die Kunden sind unsicher und ein bisschen ängstlich“, sagte er. „Das halte ich für völlig normal.“ Noch könne er ihnen die Angst nehmen. „Aber ich weiß nicht, wie lange noch.“ Größere Umsatzeinbußen habe er aber noch nicht. Der Baunataler bezieht seine Ware von verschiedenen Lieferanten aus dem Schwalm-Eder-Kreis. Er habe eigene Nachforschungen angestellt, erklärte er. „Wenn wir Zweifel haben, bleiben wir weg.“

Am Stand des Lohfeldener Geflügelhofs Heyringhoff war die Auslage gegen Mittag fast leer. Es gab nur noch wenig Hähnchen- und Putenfleisch. „Wir haben keine Probleme“, berichtete Verkäuferin Corinna Swit. „Die Stammkunden kaufen ohne Weiteres. Die wissen, wo die Ware herkommt.“ Für alle anderen hatte auch sie eine Bestätigung des Futterlieferanten zur Hand, dass alles in Ordnung sei.

Von Ellen Schwaab

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