Kunden stehen vor leeren Regalen

Kunden stehen vor leeren Regalen: Milchpulvernot in Kassel

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Auch in der Kasseler Innenstadt ist es schwierig, Aptamil zu bekommen. Schilder und leere Regale weisen auf den Notstand hin.

Kassel. Chinesen decken sich vermehrt mit deutschem Milchpulver ein. Auch in Kasseler Drogeriemärkten herrscht ein Warennotstand.

„Aptamil bald wieder erhältlich“ und „Aptamil nur auf Nachfrage“ - das müssen derzeit viele Mütter lesen, wenn sie vor den Regalen für Kindernahrung stehen. Besonders Mütter, die nicht stillen können, sind auf Milchpulver als Milchersatz angewiesen.

„Chinesen sind besonders an dem Produkt interessiert, da sie den landeseigenen Produkten misstrauen und lieber auf deutsche Qualität setzen.“

In den sechs von uns geprüften Drogeriemärkten (dm, Rossmann, Müller) ist vor allem das Milchpulverprodukt Aptamil vom Hersteller Milupa seit mehreren Wochen fast komplett vergriffen: Chinesische Eltern kaufen die Milchpulvervorräte auf. Das bestätigt auch Milupa-Sprecher Stefan Stohl. „Chinesen sind besonders an dem Produkt interessiert, da sie den landeseigenen Produkten misstrauen und lieber auf deutsche Qualität setzen“, sagt Stohl.

Massenkauf

Obwohl Milupa nur für den deutschen Markt produziert, gelangt das Produkt zum Teil auch in großen Mengen nach China: „Es gibt verschiedene Wege, aus dem Ausland an das Produkt zu gelangen“, sagt Stohl. Zum einen seien es Privatpersonen, die die Produkte kaufen und nach China verschicken, zum anderen chinesische Großexporteure, die in großen Mengen nach China liefern. Auf der chinesischen Internetplattform „Taobao“ wird eine 800-Gramm-Dose Aptamil für 295 Yuan angeboten. Das sind umgerechnet etwa 36 Euro. In Deutschland bezahlen Kunden für das Produkt etwa 12 Euro.

Die Nachfrage nach Aptamil sei in den vergangenen Monaten drastisch gestiegen - das Produkt wird zum Teil nur noch in haushaltsüblichen Mengen verkauft. „Pro Haushalt dürfen wir nur eine Packung herausgeben“, sagt eine Verkäuferin einer Kasseler Drogerie auf Nachfrage.

Neue Produktionslinie

Laut Stohl arbeite das Milupa-Werk in Fulda bereits an der obersten Auslastungsgrenze sieben Tage die Woche, um die große Nachfrage befriedigen zu können.

Milupa habe bereits eine neue Produktionslinie eingerichtet. Die Regale können jedoch erst nach und nach wieder aufgefüllt werden: „Da unsere Produkte strengen Kontrollen unterliegen, um die hohen Qualitätskriterien einzuhalten, erfolgt die Lieferung nur schrittweise“, sagt Stohl.

Wann Aptamil wieder ohne Probleme im Handel erhältlich sein wird, ist unklar. Stefan Stohl rechnet mit einer stetigen Verbesserung der Situation. Einen genauen Zeitpunkt kann er jedoch nicht nennen.

Aufgrund der hohen Nachfrage steht allen Müttern die „Milupa Mütterberatung“ rund um die Uhr und kostenlos zur Verfügung: Tel. 08 00 /7 37 50 00, E-Mail: muetterberatung@milupa.de

Hintergrund: Milchpulverskandale in China

Nach mehreren Lebensmittelskandalen kam es zuletzt 2012 zu einer Verunreinigung von Babynahrung durch Quecksilber.

Bereits 2008 erkrankten fast 300 000 Kinder an mit Melamin verseuchtem Milchpulver. Die nierenschädliche Chemikalie wurde von der Industrie genutzt, um durch den höheren Proteingehalt eine bessere Qualität vorzutäuschen. Damals starben sechs Kinder an den Folgen von Erkrankungen, wie verschiedene Medien berichteten.

Daher scheuen sich chinesische Eltern, landeseigene Produkte zu kaufen. Obwohl das chinesische Ministerium für Gesundheit versichert, dass 99 Prozent der chinesischen Produkte sicher seien, bleiben die Chinesen verunsichert und kaufen seitdem Produkte aus dem Ausland, unter anderem auch aus Deutschland.

Von Caroline Rothenbusch und Miriam Linke

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