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Wegen günstigen Strompreisen: Kunden überrennen EAM

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Von: Bastian Ludwig

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Die wichtigste Sparte der EAM ist das Netznutzungsentgelt für Stromleitungen. Weil die Bundesnetzagentur nun die Zinssätze für die Netznutzung herabgesenkt hat, drohen der EAM beträchtliche Einbußen.
Der in Kassel ansässige Energieversorger bot lange günstigen Strom an: Nun musste die EAM die Preise anheben. (Symbolbild) © Jens Büttner/dpa

Der in Kassel ansässige Energieversorger EAM war zuletzt ein Paradies für Stromkunden. Die günstigen Preise bescherten dem Unternehmen zahlreiche Neukunden.

Kassel – Während andere Versorger ihre Tarife für Neukunden teilweise um das Drei- bis Vierfache erhöhten, weil die Preise auf den weltweiten Energiemärkten explodiert waren, bot die EAM zuletzt weiter günstigen Strom an. Dies bescherte ihr allein zwischen Weihnachten und dem 10. Januar 5000 Neukunden aus dem ganzen Bundesgebiet. Doch nun musste auch die EAM ihren Schnäppchentarif vom Markt nehmen.

Was war passiert? Im Zuge der extrem gestiegenen Preise an den Energiebörsen mussten einige Discount-Anbieter von Strom und Gas Insolvenz anmelden. Auch in Nordhessen waren plötzlich viele Hunderte Kunden ohne Vertrag und mussten sich einen neuen Versorger suchen.

Günstige Strompreise in Kassel: EAM bekommt 5000 Neukunden in zwei Wochen

Während die Städtischen Werke in Kassel vor dem Hintergrund ihre Neukundentarife stark angehoben hatten, weil die langfristig und günstiger eingekauften Energiemengen nicht für viele weitere Kunden ausreichten, war die EAM einen anderen Weg gegangen. Dort war der Strompreis zeitweise nur ein Drittel so hoch wie bei den Städtischen Werken. EAM-Sprecher Steffen Schulze beschreibt, was daraufhin passierte: „Es wurde aufgrund unserer günstigen Strompreise in den vergangenen Tagen und Wochen bundesweit in Online-Portalen massiv für einen Wechsel zur EAM geworben.“ Am Ende waren es in zweieinhalb Wochen 5000 Neukunden – viele aus anderen Regionen.

Nach dem Ansturm musste die EAM nun die Reißleine ziehen. „Generell beschaffen wir unsere Energie vorausschauend und langfristig. Durch die unerwartet hohe Zahl an neuen Kunden sind allerdings auch wir von den hohen Beschaffungspreisen an der Energiebörse betroffen, da wir nun einen Teil der Strommengen kurzfristig zu immensen Preisen beschaffen müssen“, so Schulze. Deshalb habe auch die EAM die Neukundentarife angepasst.

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Strom in Kassel: EAM wird überrannt und erhöht Preise

So steige der Arbeitspreis um 70 Prozent von 28 auf 48 Cent pro Kilowattstunde Strom. Der Grundpreis erhöhe sich um knapp 20 Prozent auf 13 Euro monatlich. „Für alle Bestandskunden bleiben die Strompreise stabil“, beruhigt der EAM-Sprecher. Andere Versorger hätten zudem viel stärker erhöht. Bei den Städtischen Werken – denen wiederum 50 Prozent des Vertriebsgeschäfts der EAM gehört – liegt der Arbeitspreis für Neukunden im Grundversorgertarif mit 96 Cent fast doppelt so hoch. (Bastian Ludwig)

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